Jochen Lottermoser (stehen) hat im Gemeinderat Bitz für die Gegner der Windkraftanlagen zwischen Bitz und Winterlingen gesprochen. Foto: Ulrike Zimmermann

Rundweg abgelehnt hat der Gemeinderat Bitz den Vorschlag der Verwaltung, keine Stellungnahme mehr abzugeben zu den Plänen des Regionalverbands für Windkraft.

Der Streit um die geplanten Windräder zwischen Winterlingen und Bitz geht weiter. Der Regionalverband Neckar Alb hat mindestens 1,8 Prozent der Regionsfläche für Windkraft auszuweisen und sieht sich einer Flut von Einsprüchen gegenüber. Am Dienstag nahm Jutta Bachmann vom Regionalverband dazu Stellung im Gemeinderat Bitz.

 

Erwartungsgemäß lockte das Thema viele Interessierte an. Wer glaubte, dass der Bau von sieben Windrädern mit dem Ausstieg des Stromriesen RWE im September 2021 vom Tisch sei, wurde schnell eines Besseren belehrt. Schon zwei Jahre später ließ der Projektierer „Vattenfall Europe Windkraft“ das Projekt Windpark wieder aufleben. Doch die Argumente der Gegner bleiben unverändert – bis heute.

Jutta Bachmann vom Regionalverband (rechts) mit Bürgermeisterin Raphaela Gonser (links) und Hauptamtsleiterin Tania Maier. Foto: Ulrike Zimmermann

Bereits vor Beginn der Gemeinderatssitzung hatte Mathias Beck den Antrag gestellt, dass Jochen Lottermoser von der Bürgerbewegung gegen den Windpark Winterlingen in der Sitzung zum Thema sprechen durfte.

2024 hatte die Gemeinde reagiert

Am 22. Juli hatte die Verbandsversammlung des Regionalverbands Neckar-Alb den zweiten Entwurf des Teilregionalplans Windenergie im Entwurf von 2025 sowie den Umweltbericht zur Beteiligung beschlossen. Grundlage dafür waren auch Rückmeldungen zum Entwurf 2023 – einschließlich der Stellungnahme der Gemeinde Bitz vom 8. März 2024.

Darin hieß es: „Die Gemeinde Bitz wendet sich gegen die Ausweisung eines Vorranggebietes für Windkraft auf Gemarkung Winterlingen, da dieses unmittelbar an die Gemarkung von Bitz angrenzt. Der Gemeinderat hält dieses Gebiet aufgrund der geringen Windhöffigkeit nicht für geeignet. Außerdem kann der Gemeinderat dem großen Eingriff in den Forst mit Ausbau der Wege und Rodung der Aufstellflächen nicht zustimmen.“

Unverständnis bei den Windkraftgegnern

Wegen der Änderungen besteht bis zum 30. September erneut Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Bitzer Verwaltung schlug vor, keine erneute Stellungnahme abzugeben. Diese Haltung stieß bei den Windkraftgegnern auf Unverständnis. Jochen Lottermoser betonte, dass keine ideologischen Gründe für den Widerstand gegen die Windräder ausschlaggebend seien. Jedem sei klar gewesen, dass nach dem Aus der Atomkraft der Ausbau erneuerbarer Energien nötig sei – aber an geeigneten Standorten und mit Rücksicht auf Mensch und Natur.

Gemeinderäte und Bürger hörten Jochen Lottermoser aufmerksam zu. Foto: Ulrike Zimmermann

Das Gebiet in Winterlingen sei nachweislich ungeeignet, das hätten drei wissenschaftliche Gutachten eindeutig belegt, so Lottermoser. Abgesehen von Umwelt und Artenschutz gehe besondere Gefahr gehe für das Trinkwasser aus. Das Gelände sei Wasserschutzgebiet. Die Havarie eines Windrades könne das Trinkwasser für 40 000 Menschen verseuchen. Zudem seien Erdbeben nicht auszuschließen. Aufgrund des karstigen Untergrundes bestehe für die Bauwerke deshalb besondere Gefahr. „Wir erwarten“, so Lottermoser, „dass Einwände jetzt gemacht werden.“

„Dann ist der Umwelt auch nicht geholfen“

Bürgermeisterin Raphaela Gonser hielt dagegen: „Aber wenn wir nichts machen, ist der Umwelt auch nicht geholfen.“ Jutta Bachmann versuchte, die Argumente zu entkräften, und verwies auf die Umwelt- und Artenschutzprüfung durch den Regionalverband Neckar-Alb. Mit Blick auf die Trinkwasserversorgung fiel dabei ein bemerkenswerter Satz: „Ich habe Vertrauen in unsere Wasserbehörden“. Frank Hohnwald wollte von Jutta Bachmann wissen, welche Auswirkungen die vielen Einwände – Jochen Lottermoser hatte allein von 4000 Einwänden aus Bitz und Winterlingen gesprochen - hätten.

Werden die alle gelesen oder nur ad acta gelegt? Laut Bachmaier werden alle Einwände bearbeitet. Bevor der Beschlussvorschlag der Verwaltung, keine erneute Stellungnahme abgeben zu wollen, zur Abstimmung kam, war die Angelegenheit schon entschieden. Der Gemeinderat folgte mit 13 Ja-Stimmen und zwei Gegenstimmen dem Antrag von Mathias Beck und beschloss, dass die Gemeinde Bitz sich nicht enthalten und erneut Stellung beziehen wird.