Der Fachkräftemangel ist in Schramberg mittlerweile weit verbreitet. Auf Anfrage unserer Redaktion sehen fast alle befragten Friseure in der Fünftälerstadt ein Problem bei der Rekrutierung gegeben.
Zu einer der Friseurinnen, die gerade dringend Unterstützung brauchen gehört die 37-jährige Zehra Vari. Kurz bevor der Lockdown für Friseure kam, eröffnete sie im Dezember 2020 ihren Salon „Hair Lounge by Zehra“ in der Straße An der Steige. Sie sucht gerade einen Friseursgesellen oder einen Auszubildenden. Zur Zeit schmeißt sie die Arbeit alleine und steht von morgens bis abends selbst im Salon. Für sie ist das eine stressige und belastende Situation, schildert sie im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die in Schramberg geborene Vari machte 2015 ihren Meister und hat familiär mazedonische Wurzeln. In der Vergangenheit gelang es ihr leider nur übergangsweise Unterstützung in Teilzeit oder im Minijob zu finden. Was ein neuer Mitarbeiter mitbringen sollte seien Fachkenntnisse, daneben sollte er aber auch Spaß am Gespräch mit den Kunden haben. Vari habe sich nämlich eine Stammkundschaft aufgebaut, die Gespräche hätten demnach beinahe schon familiären Charakter und seien wichtig. Sie wiederum wolle keine strenge Chefin sein. Sie sei für Bewerber jedes Alters als auch für Menschen mit verschiedenem kulturellen Hintergrund offen.
Sicht der Handwerkskammer Konstanz
Auf Anfrage nahm Fabienne Gehrig von der Handwerkskammer Konstanz zum Fachkräftemangel unter den Friseursbetrieben Stellung. In Schramberg gebe es derzeit 22 Friseursbetriebe, 19 davon seien ausbildungsberechtigt. Aktuell ausbilden würden nur vier Betriebe, die wiederum acht Azubis beschäftigen würden. Im Landkreis Rottweil wiederum gebe es 39 Lehrverträge.
Laut Axel Rombach, Rektor der Beruflichen Schulen Schramberg, spielen Ausbildungsabbrüche eine große Rolle in der Branche: Etwa 35 bis 40 Prozent würden die Ausbildung nicht abschließen.
Helfen könne die Handwerkskammer laut Gehrig den Betrieben etwa dabei, die wichtige Rolle von professionellen Internetauftritten bei der Gewinnung von Fachkräften zu verdeutlichen. Die eigentliche Umsetzung müssten diese aber selbst übernehmen.
Die meisten Friseure Schrambergs nehmen nur anonym zur Fachkräfteproblematik Stellung. Zu groß ist bei Ihnen die Angst, in negativem Licht in der Öffentlichkeit zu erscheinen. Manche der Befragten sehen eine Verschärfung des Personalmangels seit der Coronapandemie, weil Personal in andere Bereiche abgewandert sei, andere hingegen sehen hier keinen Zusammenhang. Jedenfalls bestätigen ältere Inhaber, dass die Ausbildungslage früher viel besser gewesen sei. Allein in Schramberg habe es so viele Auszubildende gegeben, wie heute im ganzen Landkreis.
Ein befragter Betrieb hingegen sieht sich nicht vom Fachkräftemangel betroffen. Elke Grimpe vom Salon Strubbelkopf aus Sulgen sieht sich in ihrem kleinen Salon nicht davon betroffen. Sie habe zwar nur eine Angestellte, könne aufgrund der beengten Verhältnisse aber auch nicht noch mehr Mitarbeitern einen Platz zum Arbeiten anbieten.
Unter vorgehaltener Hand diskutierte Szenarien
Angelo Sciammacca von der Friseursinnung mit Salon in Villingendorf sagte auf Anfrage, dass es noch vor zehn Jahren rund doppelt so viele Auszubildende gegeben habe. Nur etwa sieben bis acht Prozent der Betriebe würden ausbilden. Zudem gebe es einen bedenklichen Trend zu Kleinunternehmen, die aufgrund ihres geringen Umsatzes von der Mehrwertsteuer befreit seien.
In Expertenkreisen der Friseursbranche ist der Fachkräftemangel auch Thema. Unter vorgehaltener Hand werden verschiedene Szenarien für die Zukunft diskutiert. Optimisten denken, dass sich aufgrund einer schwierigen Nachfolgersuche größere Friseursbetriebe als bislang durchsetzen dürften, so dass Unternehmen mit mehr Mitarbeitern als bisher entstehen dürften, die wiederum strukturell bedingt eine höhere ökonomische Effizienz an den Tag legen können. In größeren Unternehmen wiederum würde sich eine Mehrbelastung auf mehrere Köpfe verteilen, so dass personelle Vakanzzeiten sich weniger belastend auswirken würden. Pessimisten hingegen sehen eine Verschärfung der Fachkräfteproblematik in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels der Gesellschaft.