Auch in Freudenstadt wurden am vergangenen Wochenende diverse Deutschlandflaggen aufgehängt. Inzwischen sind sie wieder verschwunden. Das sagt die Stadt zu dem Vorfall.
Sie verschwanden fast so schnell wieder, wie sie gekommen sind: Die Deutschlandflaggen in Freudenstadt. Wer in den vergangenen Tagen auf den Freudenstädter Straßen unterwegs war, mag sich vielleicht über die schwarz-rot-goldenen Flaggen gewundert haben, die mancherorts von Brücken wehten. Auch die Stadt Nagold beschäftigte der Vorfall in den vergangenen Tagen.
Rund 70 Flaggen wurden in der Nagolder Innenstadt von Unbekannten aufgehängt und mittlerweile durch den städtischen Bauhof wieder entfernt. In Freudenstadt waren es vergleichsweise wenige: „Nach unseren Erkenntnissen wurden in Freudenstadt eher vereinzelt Flaggen aufgehängt. Die genaue Zahl können wir nicht beziffern, zumal einige Flaggen bereits wieder entfernt wurden“, erklärte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion.
Anders als in Nagold wurden die meisten Flaggen nicht von der Stadt selbst entfernt. Das städtische Baubetriebsamt habe bis dato genau eine Flagge von einer Brücke entfernt, berichtet der Sprecher. Was mit den restlichen Flaggen passiert ist, ob sie von Winde verweht oder von verärgerten Bürgern entfernt wurden, bleibt unklar.
Debatte in Freudenstädter Facebook-Gruppe
Doch was genau soll die Aktion bezwecken? Das fragte sich auch diese Facebook-Nutzerin und postete folgenden Beitrag in der Freudenstädter Ortsgruppe „Du bist Freudenstädter, wenn...“: „...Du mir sagen kannst, warum heute viele Deutschlandflaggen an Brücken hängen!“
In den Kommentaren wurde schnell die AfD verdächtigt: „AfD-Aktion“ kommentierte ein Nutzer, ein anderer schrieb „Aufmerksamkeitshascherei einer in Teilen gesichert rechtsextremistischen Partei mit dem Hang dazu, irgendeine Opferrolle zu spielen.“
Andere zeigten sich empört über diese Spekulationen: „Von der Deutschland Flagge auf die AfD kommen...️Deutschland ist mehr als nur eine Partei“, „Vor 15 Jahren hingen an jedem Eck Deutschlandfahnen“. Aufgrund von Beleidigungen wurde die Kommentarfunktion unter dem Beitrag inzwischen deaktiviert.
Kampagne aus den Sozialen Medien
Doch was ist dran an den Vermutungen? Klar ist, dass es sich um eine Kampagne aus den sozialen Medien handelt, die sich bundesweit verbreitet hat. Unter dem Hashtag #HissDieFlagge wird seit mehreren Monaten dazu aufgerufen, Deutschlandflaggen aufzuhängen und Videos und Bilder von der Aktion zu teilen.
„Dahinter steckt das rechtsextreme Vorfeld“, zitierte der NDR den Politikwissenschaftler Josef Holnburger. Auch Politiker der AfD teilten in der Vergangenheit Beiträge, in denen sie die Aktion unterstützen und zum Flaggenhissen aufriefen. In Freudenstadt hat sich bislang allerdings niemand dazu bekannt, die Flaggen aufgehängt zu haben.
Aktion stellt eine Ordnungswidrigkeit dar
Auf Facebook fanden sich jedoch einige Befürworter der Aktion: „Von mir aus könnte das immer so sein. Stören würde es mich nicht“, „Richtig so“, „Ich find es toll, von mir aus noch mehr davon.“ Ein Nutzer stellte auch die Frage: „Was ist so schlimm daran? Dass ist unsere Landesfahne!!!!“
Zwar spricht von rechtlicher Seite nichts dagegen, privat eine Deutschlandflagge zu hissen, für das Aufhängen von Fahnen, Bannern oder Werbeträgern im öffentlichen Raum ist jedoch eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich. Da bei der Stadt Freudenstadt laut dem Sprecher diesbezüglich keine Erlaubnis beantragt wurde, handelt es sich bei der Aktion um eine Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einem Bußgeld belegt werden.