Erfolgreiches Azubi-Projekt bei Norma in Bösingen: 16 Nachwuchskräfte waren wochenlang komplett für die Leitung der Discounter-Filiale verantwortlich. In der vorderen Reihe links steht Alexandra Wagner aus Bösingen, in der hinteren Reihe als Zweiter von rechts Verkaufsleiter Martin Wirtz, neben ihm Ausbildungsleiter Manuel Weirich. Foto: Braun

Ein Projekt im Bösinger Discounter fördert talentierte Nachwuchskräfte. Wochenlang steuerten sie in Eigenregie den kompletten Einkaufsmarkt – und es ging fast nichts schief.

Wer die Bösinger Filiale des Discounters Norma in den vergangenen Tagen besuchte und dort einkaufte, staunte nicht schlecht: Nanu? Waren alle Verkäuferinnen und Verkäufer gerade gleichzeitig in Urlaub? Oder krank? Plötzlich schien die Filiale komplett in der Hand vieler junger Menschen zu sein, man sah Auszubildende an allen Ecken und Ende des Marktes.

 

„Nein, das war kein personeller Engpass, sondern ein gezieltes Projekt unseres Hauses für Nachwuchskräfte“, erklärt Verkaufsleiter Martin Wirtz im Gespräch mit unserer Redaktion. Norma bot 16 Azubis aus der ganzen Region ein außergewöhnliches Angebot. Sie durften drei Wochen lang die komplette Verantwortung für die Bösinger Filiale übernehmen. Mit allem, was dazu gehört – und normalerweise von routinierten Filialleitern und langjährigen Verkäufern erledigt wird.

„Wir haben uns um die Bestellungen für neue Ware gekümmert, die Aktionsware im Markt positioniert, die Werbung arrangiert, den Einsatz des Personals organisiert, uns um Sauberkeit in der Filiale gekümmert, Lager und Kassen betreut, Kunden beraten und das Büro organisiert “, schildert es die Auszubildende Alexandra Wagner (16) stolz.

Für Auszubildende ein Heimspiel

Für sie war es buchstäblich ein Heimspiel. Sie absolviert ihre Ausbildung bei Norma, hat vorigen Herbst erst angefangen – und kommt aus Bösingen. Die drei Wochen hätten ihr und den anderen 15 Azubis „wirklich sehr, sehr viel gebracht“, sagt sie. „Wir haben in der kurzen Zeit, in der wir auf uns alleingestellt waren, mehr gelernt, als in vielen Monaten zuvor“, schwärmt sie.

Spaß gemacht habe vor allem die Abwechslung. „Man hat nicht nur ein, zwei Aufgaben, sondern muss im Team alles unter Kontrolle haben und ist auch für alles verantwortlich“, erklärt sie im Gespräch. Das habe den Zusammenhalt unter den jungen Ausbildungskräften sehr gestärkt. „Jeder konnte sich immer auf den anderen verlassen“, sagt Alexandra Wagner.

Ging denn auch mal was schief in der Zeit als Junior-Chefs in der Filiale? Sie denkt länger nach. „Eigentlich nicht. Jedenfalls nichts Schlimmes. Nur bei den Bestellungen für die Frischware haben wir mal was vergessen, aber das fiel dann nicht auf“, schmunzelt sie.

Nachwuchskräfte lernen viel

Zufrieden sind auch die Verantwortlichen dieses außergewöhnlichen Azubi-Projekts: „Die Nachwuchskräfte lernen in solchen Projektphasen die Abläufe eines Marktes viel besser und schneller kennen als im regulären Betrieb“, weiß Ausbildungsleiter Manuel Weirich. Er und seine Kollegen organisieren solche Aktionen regelmäßig und wiederkehrend. Und das aus gutem Grund: „Die Auszubildenden lernen in diesen Wochen sehr viel über ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten. Mit der Verantwortung als Team für eine ganze Filiale kommen da viele Themen zusammen, die es zu bewältigen gibt. Da lernt man in kurzer Zeit sehr viel.“ Das weite den beruflichen Horizont enorm. Die teilnehmenden Azubis würden sich zudem für eine weitere Karriere im Unternehmen empfehlen. Außerdem würden sie ihr neu erlerntes Wissen aus Bösingen als wertvolle Kompetenz in andere Filialen tragen und mit anderen Azubis teilen.

Norma setze stark auf Regionalität bei seinen Arbeitskräften. Ausbildung werde beim Discounter seit langer Zeit großgeschrieben. Die 16 Azubis des Bösinger Projekts gehören zu rund 200 jungen Menschen, die bei Norma im Bereich der Niederlassung Eutingen im Gäu arbeiten, bundesweit sind es bis zu 2000 Azubis, berichtet Verkaufsleiter Wirtz.

Norma hat rund um das „Azubis-führen-eine-Filiale“-Projekt auch Werbung für seine Ausbildungsstellen gemacht. Probleme mit Nachwuchsgewinnung gebe es jedoch nicht. „Wir finden zum Glück noch genügend interessierte und auch geeignete neue Kollegen. Auch die Absprungrate während der Ausbildung ist gering“, freut sich Ausbildungsleiter Weirich.

Kunden erfreut und interessiert

Die Kunden haben die ungewohnt junge Mannschaft im Bösinger Discounter sehr erfreut und interessiert begleitet, sagt die Auszubildende Alexandra Wagner. „Wir haben von vielen Kunden tolles Feedback für unsere Aktion bekommen“. Die Kunden waren im Vorfeld durch Handzettel auf die ungewöhnliche Situation vorbereitet worden. Und so ganz alleingelassen wurden die Youngsters dann auch nicht. In den drei Wochen standen immer erfahrene Kräfte bereit, um den jungen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es mal ausnahmsweise eng wurde. Aber eben nur im Hintergrund.