Zur Disco wird die rote Backsteinkirche St. Josef bei einem besonderen Gottesdienst in Erstauflage. Foto: isara - stock.adobe.com/ISARA PHOTO

Ein Experiment mit Serien-Potenzial ist das, was die katholische Seelsorgeeinheit Ebingen-Lautlingen-Margrethausen für Samstag, 23. November, ab 17 Uhr in der Ebinger Kirche St. Josef plant: einen Disco-Gottesdienst mit Rap, Rock und Nebelmaschinen.

Wer kennt nicht die Szene im Film „Basic Instinct“, in der Michael Douglas mit Sharon Stone in einer Disco tanzt – einer Discothek in einem Kirchenschiff?

 

Der kanadische Gastronom Peter Gatien hatte in den 1970er-Jahren begonnen, Clubs mit dem Namen „Limelight“ zu eröffnen – einen davon in der früheren Episkopalkirche in New York City und einen in einer einstigen Presbyterianischen Kirche in der Londoner Shaftsbury Avenue.

Maximilian Kappe hat die Idee zum Disco-Gottesdienst gehabt. Foto: Kappe

Aber warum nur ehemalige Kirchen zur Disco machen? Die Idee zu einem Disco-Gottesdienst hatte Maximilian Kappe vom Oberministranten-Team der katholischen Seelsorgeeinheit Ebingen-Lautlingen-Margrethausen, „nachdem Pfarrer Uwe Stier gesagt hatte, er wünsche sich mal einen Jugendgottesdienst, den nicht die 80-Jährigen verlassen und sagen: ‚Das war wieder ein schöner Jugendgottesdienst!‘“, berichtet Kappe lachend.

Uwe Stier, der für seinen Humor und seine Offenheit bekannt ist, fand Kappes Idee klasse und freut sich selbst auf den ersten Disco-Gottesdienst in der roten Backstein-Kirche St. Josef, der am Samstag, 23. November, um 17 Uhr beginnt – eine Zeit, die es den älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlaubt, anschließend noch in eine ausgewiesene Disco weiter zu ziehen, und den jüngeren Jugendlichen, bei dem ungewöhnlichen Experiment dabei zu sein.

Offen für Ungewöhnliches: der humorvolle Pfarrer Uwe Stier Foto: Eyrich

Was erwartet die Kirchenbesucher? Beleuchtung wie in einer Disco, ganz klar. Auch wenn sich die bunten Lichter nicht in einer Disco-Kugel spiegeln werden: „Wie sollten wir die denn an der hohen Kirchendecke aufhängen?“, fragt Uwe Stier rhetorisch und fügt fröhlich hinzu: „Aber Nebelmaschinen werden aufgestellt!“

Vor allem aber sei die Musik am wichtigsten: Songs von Eminem, Materia, Sido, Bruno Mars, Pray und vielen anderen werden das Gotteshaus rocken, und Uwe Stier freut sich schon darauf, „zu Dr. Albans ‚Sing Hallelujah!‘ das Evangelium zum Ambo zu tragen“.

Die Chorröcke färben – da wird es den Rottenburgern dann doch etwas zu bunt

Er selbst und die Ministranten werden übrigens ihre klassische Gottesdienst-Kleidung tragen: Pfarrer Stier sein Messgewand, die Minis ihre Chorröcke. Diese hätten sie gerne durch bunt gefärbte Gewänder ersetzt, berichtet Maximilian Kappe. Das sei dem bischöflichen Ordinariat in Rottenburg, wo sich der junge Katholik geflissentlich nach den Grenzen der Experimentierfreude erkundigt hatte, dann aber doch zu bunt gewesen: „Chorröcke sollen weiß sein, um die Reinheit zu symbolisieren“, zitiert er. Alternativ würden die Ministranten alle Sonnenbrillen tragen – die Blues Brothers lassen grüßen.

Pater Manu Sebastian werde übrigens nicht als Priester im Einsatz sein, verrät Kappe, sondern – als Influencer geübt – die Fotos machen: soweit die Nebelmaschinen es zulassen.

Böhse Onkelz beim Requiem? Ja – wenn die Botschaft stimmt!

„Bei Trauerfeiern haben wir das ja schon oft, dass statt der Kirchenlieder die Lieblings-Popsongs der Verstorbenen gespielt werden“, sagt Pfarrer Stier, der selbst schon zu einem Song der Band „Böhse Onkelz“ die Gaben bereitet hat – ihm leuchtete das ein: „Im Text heißt es: ‚Die Guten gehen viel zu früh‘“, und das habe zu der jungen Verstorbenen gut gepasst.

Im Gotteslob seien selbst die „modernen“ Lieder schon 50 oder 60 Jahre alt, kommentiert der Pfarrer – und ist gespannt, wen der frische Wind am Samstag alles in die Kirche wehen wird. „Weil der Gottesdienst auch die Eröffnung der Firmvorbereitung ist, gibt es danach noch Infos zur Firmung“, sagt Kappe, und im Marienheim gebe es dann noch Snacks und Getränke. Und beide hoffen, dass dann nicht nur 80-Jährige sagen werden: „Das war mal ein cooler Jugendgottesdienst!“