Bürgermeister Häußler stellt eine Planskizze zum angedachten Gelände für die Discgolf-Anlage bei der Sporthalle vor (von links: Jens Häußler, Hauptamtsleiterin Lisa Meergraf und Inge Hormel, Untere Forstbehörde am Landratsamt). Foto: Jeanette Tröger

Bürgermeister Jens Häußler hätte gerne eine Discgolf-Anlage in Gechingen. In jüngster Gemeinderatssitzung stieß er allerdings auf klare Widerworte.

Bürgermeister Jens Häußler kam mit dem Antrag auf die Errichtung einer Discgolf-Anlage bei der Sporthalle in die jüngste Sitzung des Gechinger Gemeinderates.

 

Grundsätzlich gab es wohlwollende Statements zu einer solchen Erweiterung des Freizeitangebots aus den Ratsreihen, nicht jedoch, wie vom Schultes angedacht, für eine Verwirklichung und Betreibung unter Federführung der Gemeinde.

Das Thema war kurzfristig auf der Tagesordnung gelandet, da die Chance auf einen Zuschuss von Leader Heckengäu genutzt werden sollte, die Frist für einen Antrag in der laufenden Förderperiode am 23. Januar jedoch abläuft.

Was ist Discgolf?

Discgolf wird ähnlich dem klassischen Golfspiel auf einem Parcours statt mit Golfbällen mit speziellen Wurfscheiben gespielt. Ziel ist es, mit möglichst wenig Würfen seine Discgolf-Scheibe am Bahnende in einem Korb zu platzieren.

Wer dafür die wenigsten Würfe braucht, hat gewonnen. Discgolf gehöre zu den kostengünstigsten Sportangeboten, heißt es in der Sitzungsvorlage. Mit wenig Aufwand könnte eine tolle, barrierefreie Anlage für die Bevölkerung geschaffen werden, die ganzjährig bespielbar ist.

Es ist leicht zu lernen und für alle Altersgruppen und alle Fitnesslevel geeignet.

Es wäre die erste Anlage im Kreis

Er habe diesen Freizeitsport in seinem letzten Urlaub kennengelernt. „Ich hatte die Gelegenheit mit einem Parcours-Projektierer zu sprechen“, warb Häußler für das Projekt. Es wäre für Gechingen ein Alleinstellungsmerkmal, im Kreisgebiet gibt es noch keine solche Anlage, sagte er.

Wo könnte es entstehen?

Häußler stellte einen Parcoursplan mit neun Stationen oder Bahnen vor, er könnte auf einer Wiesenfläche zwischen Sporthalle und Beachvolleyballfeld und auf einem angrenzenden Waldstreifen beim Wasserturm realisiert werden. Dafür bräuchte es eine Genehmigung wegen Landschaftsschutzgebiet und eventuell eine forstrechtliche Genehmigung und eine Baugenehmigung.

Forstrevierleiter Jürgen Martinek und Naturschutzverantwortliche seien bei der bereits stattgefunden Begehung dabei gewesen, sagte Häußler.

Was kostet das Vorhaben?

Häußler sprach von insgesamt rund 17 000 Euro Kosten brutto, pro Bahn circa 1500 Euro. Eine Scheibe kostet 20 bis 25 Euro, dazu kommen Unterhaltskosten.

Der Bauhof müsste lediglich das Gras mähen und gegebenenfalls für Ordnung sorgen. Eine Leader-Förderung könnte maximal 12 000 Euro betragen.

Was sagt der Gemeinderat?

Betreiber solle die Gemeinde sein und die Kosten wären gering, bekam Wolfgang Hämmerlin (BU) von Häußler zur Antwort auf seine Frage.

Der Rat befürchtet, „dass es sich nicht von alleine stabil betreiben lässt und am Ende muss wieder jemand die Aufsicht haben“.

Jürgen Groß (BU) sieht Kollisionen mit dem anderen „Verkehr“ in diesem Gebiet, den Kindergärten oder Spaziergängern beispielsweise.

Discgolf ist ein Kür-Projekt

Zum anderen habe der Schultes zu Beginn der Sitzung bekanntgegeben, dass der Wunsch einer Bürgerin nach einem Friedwald aus Kosten- und Personalgründen nicht umgesetzt werden könne. „Discgolf ist ein absolutes Kür-Projekt, ich habe kein Geld, um mir so einen Luxus zu leisten,“ so Groß.

Miguel Pires Marques (GFW) fand zwar die Idee „klasse, ich würde auch spielen, aber wenn wir vermittelt bekommen, dass wir bei den Finanzen wie beim Personal an der Oberkante sind, hätte ich gerne zuerst versorgt, was wir machen müssen“. Das unterstrichen die Fraktionskollegen Nina Benz und Klaus Böttinger.

„Viel Arbeit hat zu nichts geführt“

„Ein Leader-Antrag kann auch privat gestellt werden“, sagte Benz und rief Häußler dazu auf: „Sie könnten so im Gedächtnis bleiben.“

Er müsse einen Seitenhieb anbringen, sagte Böttinger: „Ich hätte mir so ein Engagement für den Trimm-dich-Pfad gewünscht.“ Dessen Reaktivierung hatten die Sportfreunde Gechingen (SFG) 2021 beantragt, angesichts bürokratischer und rechtlicher Hürden den Antrag jedoch wieder zurückgezogen.

Häußler fand es „ziemlich daneben, dass jetzt in Zusammenhang zu bringen“. Simon Klass (BU) bestätigte jedoch: „Beim Trimm-dich-Pfad hat viel Arbeit zu nichts geführt, das möchte ich hier nicht noch mal haben.“ Auch Jan Wentsch (GFW und SFG-Vorstand) erinnerte daran, dass damals monatelanges Engagement nicht gewürdigt wurde.

„Eine freiwillige Aufgabe, die Geld kostet“

„Discgolf ist eine freiwillige Aufgabe, die Geld kostet“, so Wentsch, „der Ältestenrat hat es schon abgelehnt, darauf hätten Sie hören können, jetzt müssen Sie die Schlappe hinnehmen“.

Bettina Schöttmer (BU) kann sich vorstellen „dass Bürger, Gruppen oder Sponsoren die Sache in die Hand nehmen“, sie sehe die Vorteile des Projekts durchaus, aber nicht so wie in der Vorlage dargestellt.

Heike Pfeifle (SPD) kennt Discgolf und hat es schon gespielt, will wie die Vorredner jedoch nicht die Gemeinde als Initiator und Betreiber. „Leader-Anträge können Gruppen oder Privatpersonen ganz sicher auch noch nächstes Jahr stellen.“

Wie wurde entschieden?

Deshalb wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt. Das einzige Ja zu Discgolf und den weiteren Schritten zur Verwirklichung kam vom Schultes, zwei Räte enthielten sich und der Rest stimmte mit Nein.