Hans Jörg Jäkel vom Gäubahnkomitee bei der Demo im Januar 2025 vor dem Stuttgarter Rathaus gegen die Gäubahn-Kappung Foto: Juergen Lueck

Die Kläger gegen die Gäubahn-Kappung legen ein neues Gutachten vor. Eisenbahn-Spezialist Eberhard Hohnecker: Eine unnötige Kappung verursacht höhere Kosten als der Erhalt des Gäubahn-Damms in Stuttgart.

Es ist kurz vor der Gerichtsverhandlung gegen die Gäubahn-Kappung. Jetzt präsentieren die Kläger ein neues Gutachten für den Prozess. Bringt es die Bahn-Pläne zum Kippen?

 

VCD und der Verein zur Förderung des Schienenverkehrs hatten geladen. Anwesend: Die Kläger gegen die Gäubahn-Kappung vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart: Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe und Stefan Frey, Vize-Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands (LNV).

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sagt: „Aus den Schriftsätzen zum Prozess geht hervor, dass die Deutsche Bahn gleich elf Sachverständige angekündigt hat. Es sieht so aus, als ob auch die Deutsche Bahn den Prozess sehr ernst nimmt.“

Der LNV klagt gegen die Kappung der Gäubahn, weil seiner Meinung nach die vorgesehene Kappung am Nordbahnhof in Stuttgart gar nicht notwendig und sogar rechtswidrig ist.

Er stützt sich dabei auf die Recherchen von Hans-Jörg Jäkel, der schon den Bildbeweis vorgelegt hatte, dass die Kappung der Gäubahn im April 2026 unnötig ist, weil der Gäubahn-Damm aufgrund der neuen Planung für die S-Bahn Gleise bis Mittnachtstraße gar nicht mehr abgerissen werden muss.

Jäkel sagt: „Die sich inzwischen ergebene neue Führung der S-Bahn Gleise weicht von den Annahmen im Planfeststellungsbeschluss von 2006 ab. Die Gleise werden so verschwenkt, dass der Gäubahn-Damm gar nicht berührt wird.“ Deshalb muss der Damm auch nicht abgerissen werden, wie damals festgelegt.

Die geplante Verschwenkung der S-Bahn Gleise berührt den Gäubahn-Damm links nicht. Deshalb muss er nicht abgerissen werden, argumentieren die Gegner der Kappung. Foto: Reinhard König

Was kostet der Erhalt des Gäubahn-Damms?

Jäkel sagt: „Im Jahr 2018 gab es eine Machbarkeitsstudie der Deutschen Bahn. Damals ging man von Kosten in Höhe von 2,8 Millionen Euro aus.“

Stefan Frey: „Inzwischen, so ist aus den Schriftsätzen der Deutschen Bahn zum Prozess ersichtlich, geht die Bahn von Kosten in Höhe von 11 Millionen Euro aus. Dabei sind aber auch Anpassungen auf der Panoramabahn (Gäubahn-Führung zwischen Vaihingen und Hauptbahnhof, d. Red.) enthalten.“

Und da kommt jetzt das neue Gutachten von Eberhard Hohnecker ins Spiel. Hohnecker ist Professor für Eisenbahnwesen am Karlsruher Institut für Technologie. Er hatte nicht nur die Analyse von Jäkel fachlich begleitet, sondern auch ein neues Gutachten für den Prozess erstellt.

Die Gegner der Gäubahn-Kappung mit dem Gutachter: Gero Treuner (VCD), Jürgen Resch (DUH), Eberhard Hohnecker (KIT Karlsruhe), Klaus Arnoldi, Hans-Jörg Jäkel, Stefan Frey (LNV, von links) Foto: Jürgen Lück

Das sagt das neue Gutachten zur Gäubahn-Kappung

Hohnecker will zwar vor der Gerichtsverhandlung noch keine Details verraten. Aber er sagt: „Ich habe mal die Kosten gegenübergestellt. Wenn durch die Kappung der Gäubahn und den Umstieg in Vaihingen Fahrgäste verloren gehen, kostet es unheimlich viel Geld, diese verlorenen Fahrgäste wieder auf die Gäubahn zurückzuholen. Die Kosten sind neunmal so hoch wie bei der Gewinnung neuer Fahrgäste. Das wurde wissenschaftlich nachgewiesen.“

Gäubahn-Kappung ist zehnmal so teuer wie Gäubahndamm?

Dazu kommt, so Hohnecker: „Für die Interimsphase der Gäubahn-Kappung will das Land Metropolexpress-Züge zwischen Vaihingen und Rottweil bestellen. Allein das kostet, so hat es Gerd Hickmann erst letzte Woche bestätigt, jährlich 20 Millionen Euro.“

Das hieße, wenn der Pfaffensteigtunnel gebaut wird und die Bauzeit bestenfalls sechs Jahre dauert, so Klaus Arnoldi vom Verein zum Erhalt des Schienenverkehrs: Das Land würde dann 120 Millionen Euro hinlegen, um die Folgen der Gäubahn-Kappung zu mildern. Nur weil sich die Bahn weigere, für 11 Mio. Euro den Gäubahn-Damm stabil zu machen.

Ist der Gäubahn-Damm zu marode?

Fakt ist: Im ersten Fakten-Check hatte die Bahn behauptet, dass das Gäubahn-Viadukt an der Stelle der geplanten Kappung marode sei. Gero Treuner vom VCD: „Auf dem Gäubahn-Gipfel von Horb haben die Gutachten der unabhängigen Experten von Ramboll bestätigt, dass die Brückenbauwerke noch soweit in Ordnung sind. Die Stützmauern am Gäubahn-Damm wurden nicht untersucht.“

Hans Jörg Jäkel vom Gäubahnkomitee: „Am Damm der jetzigen S-Bahn Gleise neben der Brücke über die Ehmannstraße hat man Spundwände zum Abstützen verwendet. Das ginge hier auch.“

Wie lange würde die Verschwenkung der S-Bahn-Gleise dauern?

Jäkel sagt: „Pro Gleis ein Wochenende. Dazu die Arbeiten für die Stützwand.“ Und das ist eine Info, die auch DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch gerne hört. Er sagt: „Wir klagen darauf, dass die Unterbrechung der Gäubahn nur zu einem kurzen Zeitrahmen erfolgt, wie im Planfeststellungsbeschluss von 2006 festgelegt. In sofern verschränken sich beide Klagen vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart.

Das könnte auch der Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat entgegen kommen. Sie hatten gefordert, die Gesamtsperrungen um den Hauptbahnhof und die S-Bahn im Jahr 2026 so kurz wie möglich zu machen. Und die Gäubahn-Kappung erst im Herbst 2026 anzugehen.

Hannes Rockenbauch ist Fraktionschef SÖS/Linke im Stuttgarter Gemeinderat. Er ist gegen die Kappung der Gäubahn. Foto: Jürgen Lück

Würde der Erhalt der Gäubahn-Gleise die Wohnbaupläne der Stadt Stuttgart stören?

Hannes Rockenbauch, Fraktionschef SÖS/Linke (5 Sitze) will im Gemeinderat Stuttgart durchsetzen, dass die Gäubahn-Kappung gestrichen wird. Rockenbauch, der Architekt ist, sagt: „Der Siegerentwurf für den Rosensteinpark sieht einen Gleisbogenpark vor, wo die Gäubahn derzeit fährt. Als Grün-Zäsur zwischen den Wohnblocks. Der Damm könnte also problemlos stehen bleiben – das wäre städtebaulich nicht so schön wie ebenerdige Parkanlagen. Aber machbar.“