Für die vorgezogene Bundestagswahl haben bisher sieben Parteien einen Direktbewerber für den Wahlkreis Emmendingen-Lahr nominiert. Auffällig: Keiner kommt gebürtig aus der südlichen Ortenau. Theoretisch könnte sich das aber noch ändern.
Zwei bekannte Gesichter, einige Neulinge und nur ein Bewerber aus dem Altkreis Lahr: So sieht, Stand jetzt, die Liste der Namen aus, die bei der Bundestagswahl um die Erststimme der Wähler werben. Der designierte Termin ist der 23. Februar, am 27. Dezember soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Wahltag offiziell bestimmen. Bis Mitte/Ende Januar können die Parteien noch Kandidaten anmelden. Die LZ stellt die bisher bekannten Bewerber für das Direktmandat aus dem Wahlkreis 283 Emmendingen-Lahr vor.
CDU setzt auf Yannick Bury
Der Sieger von 2021 will sein Direktmandat verteidigen. Yannick Bury, der in Malterdingen aufgewachsen ist und seit 2022 in Lahr wohnt, ergatterte bei seinem ersten Einzug in den Bundestag 27,8 Prozent der Erststimmen. In Berlin ist er Mitglied im Haushaltsausschuss und im Petitionsausschuss. Auf der Landesliste seiner Partei sucht man ihn allerdings vergeblich. „Ich will mich auf den Wahlkampf vor Ort konzentrieren und verzichte bewusst auf den doppelten Boden“, begründet Bury im Gespräch mit unserer Redaktion diese Entscheidung.
Dies bedeutet: Erhält Yannick Bury nicht die Mehrheit der Erststimmen, ist er sein Mandat im Bundestag nach nicht einmal vier Jahren wieder los. Gewinnt er das Direktmandat, wird er ein zweites Mal ins Parlament einziehen, sollte die CDU kein für ihre Verhältnisse katastrophales Wahlergebnis einstreichen.
SPD bleibt bei Johannes Fechner
Die größten Chancen, Bury den Sieg streitig zu machen, hat wohl Johannes Fechner. Der Emmendinger ist seit 2013 im Bundestag und strebt seine vierte Legislaturperiode an. Die Aussichten sind sehr gut, auch wenn der 52-Jährige nicht direkt gewählt wird. Für die SPD Baden-Württemberg steht er, wie zuletzt auch, auf Platz sechs der Landesliste.
Bei der vergangenen Wahl landete er mit nur 92 Stimmen weniger als Bury auf Platz zwei in seinem Wahlkreis. Über die Landesliste schaffte er den Einzug in den Bundestag, wo er für die SPD-Fraktion als Justiziar und parlamentarischer Geschäftsführer tätig ist.
AfD nominiert Michael Blos
Bei der AfD gibt es einen Wechsel. Thomas Seitz, der 2017 und 2021 für die AfD den Sprung in den Bundestag schaffte, trat im März 2024 aus der Partei aus. Er kandidiert 2025 auch für keine andere Partei. Die AfD indes hat Michael Blos als neuen Kandidaten auserkoren.
Der promovierte Geowissenschaftler aus Rheinfelden bei Lörrach ist wahlkampferfahren. Er trat bereits 2021 im Wahlkreis Ettlingen für die AfD an. Auf der Landesliste Baden-Württemberg steht er nun auf Platz 14. Er hat damit durchaus Chancen, in den Bundestag einzuziehen. 2021 erhielt die AfD zwar nur zehn Mandate über die Landesliste, nun lassen die Umfragewerte allerdings ein höheres Wahlergebnis erwarten.
FDP schickt Eileen Lerche ins Rennen
Die Liberalen setzen auf die 28-Jährige Eileen Lerche aus Teningen. Für die studierte Wirtschaftsingenieurin ist es die erste Kandidatur. Lerche gibt an, sich leidenschaftlich für Soziales und Kommunales einsetzen zu wollen. Zu ihren Leidenschaften zählt sie Darts und Fußball.
Lerche steht auf der Landesliste der FDP auf Platz 25. Ein Einzug in den Bundestag ist für sie damit nur wenig realistisch. Zuletzt bewarb sich der Lahrer Tino Ritter für den Bundestag. Er erhielt 10,0 Prozent der Erststimmen.
Grüne treten mit Susanne Floss an
Aus Tübingen kommt die Kandidatin der Grünen: Die Partei hat bereits im Juli Susanne Floss als Bundestagskandidatin nominiert. Floss ist bereits seit längerem bei den Grünen auf Landes- und Bundesebene aktiv. Als Sprecherin einer Landes- und einer Bundesarbeitsgemeinschaft beschäftigt sie sich vor allem mit den Themen Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung.
Die 48-Jährige steht, wie Lerche, auf Listenplatz 25. Auch für sie ist ein Einzug in den Bundestag damit unwahrscheinlich. Im September 2021 trat Heike Dorow aus Ettenheim für die Grünen an. Sie kam auf 14,0 Prozent der Stimmen.
Freie Wähler setzen Hoffnungen in Christina Hesse
Die dritte Frau unter den bisher bekannten Bundestagskandidaten ist Christina Hesse. Die Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin, die zurzeit Lehrerin an der Akademie für medizinische Berufe in Freiburg ist, kommt aus Bahlingen am Kaiserstuhl.
Politisch ist sie kein unbeschriebenes Blatt. Hesse ist bei den Freien Wählern Vorsitzende der Kreisvereinigung Emmendingen, stellvertretende Vorsitzende der Bezirksvereinigung Südbaden und Mitglied im Bundesfachausschuss Gesundheit, Pflege und Soziales. Die Partei, die aktuell nicht im Bundestag vertreten ist, hat noch keine Landesliste aufgestellt. Ihr Vorgänger als Kandidat der Freien Wähler war der Kippenheimer Matthias Stulz (2,4 Prozent).
„Die Partei“ geht mit Alexander Fröhner auf Stimmenfang
Die Satirepartei setzt auf den Emmendinger Alexander Fröhner. Der auszubildende Fachinformatiker aus dem Stadtteil Mundingen kandidierte im Juni bereits für den Gemeinderat in Emmendingen. Fröhner sei eine „echte Alternative“ neben den „sonstigen, nicht ernst zunehmenden Standardkandidaten der herkömmlichen Parteien“, erklärt die Satirepartei augenzwinkernd.
Sowohl für ihre Landesliste als auch für die Aufstellung von Alexander Fröhner sammelt „Die Partei“ derzeit noch Unterschriften. Zuletzt kandidierte im Wahlkreis Emmendingen Lahr Dirk Ruppenthal (1,2 Prozent).
Linke und BSW werden ihre Liste noch verkünden
Sowohl die Partei „Die Linke“ als auch das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ haben ihre Landeslisten und ihre Wahlkreiskandidaten noch nicht bekanntgegeben. Ob die Parteien einen Bewerber im Wahlkreis Emmendingen-Lahr stellen und wenn ja, wen, ist daher noch offen. „Die Linke“ trifft sich am 21. Dezember zu ihrer Nominierungsversammlung. Zuletzt trat Imke Pirch (3,0 Prozent) an. Wann das BSW die Kandidaten aufstellt, ist unklar.
ÖDP, Volt, Basis und Tierschützer verzichten
Zum Kandidatenfeld gesellten sich 2021 auch Vertreter der ÖDP (Michael Kefer, 0,7 Prozent), von „Volt“ (Milena Schiller Ninô 0,4 Prozent), der „Basis“ (Ralph Herschlein, 2,0 Prozent) und der Tierschutzpartei (Jürgen Durke, 2,2 Prozent). Alle vier Parteien stellen in diesem Jahr im Wahlkreis Emmendingen-Lahr keinen Bewerber, wie ihren Landeslisten zu entnehmen ist. Auch einen Direktkandidaten der neu gegründeten „Werteunion“ sucht man auf dem Stimmzettel vergeblich. Die Partei tritt in Baden-Württemberg nicht zur Wahl an.
CDU war stärkste Kraft
Nicht nur bei den Erststimmen, auch bei den Zweitstimmen lag bei der vergangenen Bundestagswahl die CDU im Wahlkreis Emmendingen-Lahr vorne. Die Union kam auf 24,8 Prozent der Stimmen. Dahinter folgten die SPD mit 23,9 Prozent und die Grünen mit 17,2 Prozent der Stimmen. Die FDP konnte 13,3 Prozent der Wähler überzeugen, die AfD landete bei 9,0 Prozent. Von den etablierten Parteien landete die „Linke“ mit 3,0 Prozent auf dem letzten Platz. Die „Basis“, die Tierschutzpartei und die Freien Wähler ergattern jeweils 1,9 Prozent. „Die Partei“ kam auf 0,9, die ÖDP auf 0,4 und „Volt“ auf 0,3 Prozent.