Mitte Dezember floh ein Autofahrer in Calw vor einer Polizeikontrolle. Einen möglichen Grund dafür teilt die Polizei nun mit. Und: Seine Flucht könnte ihn teuer zu stehen kommen.
Wer von der Polizei angehalten wird, ist nicht selten etwas nervös. Immerhin taucht sofort die Frage auf: Habe ich etwas falsch gemacht? Dennoch dürfte kaum jemand auf den Gedanken kommen, schlicht und ergreifend zu flüchten – wieso auch?
Ein Autofahrer in Calw tat das am Vormittag des 16. Dezember dennoch.
Der zur Tatzeit 29-jährige Mann war von Hirsau kommend durch Calw gefahren, als er offenbar die Kontrollstelle der Beamten vor dem Gebäude Bahnhofstraße 2, dem früheren Café „Demian“, bemerkte.
Weil er mutmaßlich bei der Fahrt am Handy war und den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte, sollte er dort kontrolliert werden, teilten am 19. Dezember Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Der Mann wendete im Bereich des ZOB jedoch stattdessen plötzlich an der roten Ampel und fuhr über die Marktbrücke in Richtung Fußgängerzone davon.
Polizist rettete sich mit einem Sprung zur Seite
Dabei soll er direkt auf einen Polizisten zugefahren sein; dieser rettete sich den Angaben zufolge nur durch einen Sprung zur Seite. Dabei habe sich der Beamte leicht verletzt.
Auf welcher Strecke der Flüchtige danach im Einzelnen weiterfuhr, ist bis jetzt „ noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen und kann daher nicht benannt werden“, berichtete Fabian Ottburg, Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, auf Nachfrage unserer Redaktion in dieser Woche.
Fest steht indes: Dem Fahrer wird vorgeworfen, auch im Bereich der Marktstraße einen Passanten gefährdet zu haben.
Kurz darauf gelang es der Polizei, den Mann zu Fuß in der Nähe der Altburger Straße festzunehmen. Sein Fahrzeug wurde in der Innenstadt aufgefunden.
Der Tatverdächtige mit kroatischer Staatsbürgerschaft sitzt seitdem wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und wegen Fluchtgefahr in Haft.
Kurios an dem Fall: Bis heute ist nicht ganz klar, warum er überhaupt flüchtete. Zumindest eine Vermutung hat die Polizei inzwischen allerdings.
„Das genaue Motiv des Tatverdächtigen ist bislang nicht bekannt“, führt Sprecher Ottburg aus. „Allerdings besteht der Verdacht, dass er nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war.“
Hinweise auf Alkohol- oder Drogeneinfluss würden hingegen nicht vorliegen.
Mehrere Jahre Freiheitsstrafe
Gegenwärtig stehen die Vorwürfe des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gegen den Mann im Raum.
Laut Paragraf 315b des Strafgesetzbuches (StGB), drohen allein schon für gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.
Auf gefährliche Körperverletzung, Paragraf 224 StGB, stehen bis zu zehn Jahre, in minder schweren Fällen bis zu fünf Jahre Haft.
Zeugen gesucht
Ob weitere Vorwürfe hinzukommen, ist ungewiss. „Da die Ermittlungen noch andauern, sind derzeit noch keine weiteren Auskünfte möglich“, so Ottburg.
Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst Pforzheim unter der Telefonnummer 07231/1 86 44 44 zu melden.