Cristine und Walter Scheffold (links) und ihre Jagdpächter-Kameraden, haben zur Freude von Hobby-Imker und Kulturamtsleiter Martin Roscher (rechts) und Oberbürgermeister Roland Tralmer drei riesige Insektenhotels gebaut, die am Wegesrand des Traufgangs „Ochsenbergtour“ stehen. Foto: Karina Eyrich

Am Traufgang Ochsenbergtour sind Attraktionen entstanden, an denen Wanderer staunen und etwas lernen können. Gebaut haben sie Walter Scheffold und seine Freunde – und mit Hilfe eines Hobby-Imkers mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Albstadt löst seinen Hotel-Mangel durch Bau von drei neuen Luxushotels!“ ruft Oberbürgermeister Roland Tralmer erfreut. Anlass ist ein Ortstermin am Traufgang Ochsenbergtour mit Walter und Christine Scheffold, Sebastian Kasprzyk, Frank Ringwald, Maxi und Thorsten Schwenk und ihren Kindern Tim und Anna.

 

Bietet Eigentumswohnungen für verschiedenste Arten: das Insektenhotel der Jagdpächter – eines von drei neuen am Traufgang.

Die Jagdpächer haben drei der größten und vielseitigsten Insektenhotels der Region gebaut und wollen damit nicht nur eine Attraktion für Einheimische und Touristen schaffen, sondern vor allem Insekten Lebensraum bieten, denn die sind bekanntlich stark gefährdet: durch Klima-Krise, Zersiedelung und Flächenversiegelung, wie Tralmer sagte. Deshalb sind er und Martin Roscher, Leiter des Amtes für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement, den Jagdpächtern auch so dankbar für ihren im Wortsinn riesigen Beitrag. „Solche Projekte bringen Naturschutz, Naherholung und Tourismus zusammen“, so Roscher. „In Zeiten, in denen zu viele ihre Vorgärten mit Steinen pflastern, ist das besonders wichtig – Chapeau! Da ist wirklich etwas Tolles entstanden!“

„Man sollte mehr tun“

Etwas, das das Kulturamt gerne mit 50 Prozent der Kosten unterstützt habe, fügt Roscher hinzu. Und die sind entstanden, obwohl vieles von dem, womit die Insektenhotels eingerichtet sind, aus dem Wald kommt. Genauer: Aus dem Revier von Förster Stephan Schneider, der den Anstoß zum Bau der Hotels gab und zusammen mit Johannes Luipold – zuständig für die Biotopvernetzungen in Albstadt – das Projekt unterstützt hat.

Die Nistkästen für Fledermäuse, Kauze und Meisen, die das Kulturamt 2022 den Pächtern alle 19 Jagdreviere zum Dank für ihren Einsatz für den Naturschutz geschenkt hatte, „haben nicht gereicht“, sagt Walter Scheffold. „Also haben wir weitere gebaut, auch für Marien- und Maikäfer.“

Dann hätten er und seine Jäger-Kameraden gemerkt: „Man sollte mehr tun!“ Also beschlossen sie, Insektenhotels zu bauen.

Acht Monate lang nicht Jäger sondern Sammler

Der Großteil des Materials komme aus dem Wald und sei in allen vier Jahreszeiten gesammelt worden – „über acht Monate dauerte es, wir alles beieinander hatten“, so Scheffold. „Alle waren motiviert und haben viel Arbeit reingesteckt, unterstützt von Stephan Scheider.“

Da wunderten sich jene, die Jagd zuallererst mit Schießen und Töten in Verbindung brächten, „dass wir Jäger so etwas tun. Aber in erster Linie sind wir Heger und Pfleger und helfen Stephan Schneider zum Beispiel jedes Jahr, seine Weißtannen zu schützen.“

Ein kleiner Teich sorgt dafür, dass die Insekten auch Flüssigkeit haben – und bietet weiteren Arten Lebensraum.

Bei Martin Roscher, selbst leidenschaftlicher Hobby-Imker, habe die Idee gleich „gezogen“. Das Landratsamt des Zollernalbkreises – vertreten durch den Ersten Landesbeamten Matthias Frankenberg – habe zusammen mit Nils Reiser und Biotop-Obmann Willi Hornauer die Standorte festgelegt. „Welch ein Glück, dass sie ausgerechnet am Traufgang liegen!“, ruft Scheffold aus, denn der hofft, dass alle, die daran vorbeikommen, sich ein Beispiel nehmen und selbst etwas tun, um Insekten zu schützen. „Ohne sie hätten wir kein Obst und keine Blumen.“

Weil jedes Insekt „spezifische Ansprüche an seine Eigentumswohnung hat“, haben Scheffold und seine Kameraden sich gut informiert (siehe Info). Das Ergebnis ist so überwältigend, dass Roland Tralmer sich fragt, „ob das Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels sind“. Imker und Touristiker Martin Roscher weiß es genau: „Fünf Sterne Superior!“

Der Bau der Insektenhotels

Monate
 hat es laut Walter Scheffold gedauert, bis die Jagdpächter wussten, wie und mit welchem Material sie die Insektenhotels bauen mussten, damit sie den Tieren nutzen und nicht schaden. Lehmbienen etwa wollten Naturlehm, Schmetterlinge ein langes Loch, kein rundes, als Eingang. „Viele brauchen Altholz“, und weil auch Insekten Wasser brauchen und sich gerne dort aufhielten, haben die Jäger noch einen kleinen Teich daneben angelegt.

Die Löcher
 im Holz und die Röhrchen nutzten die Insekten, um darin ihre Eier abzulegen, und verschlössen sie dann, so Scheffold. Wenn die Larven schlüpften, öffneten sie die „Türen“ wieder. Besitzer von Insektenhotels bräuchten also gar nichts zu tun: Jedes Jahr finde ein Wechsel der Bewohner statt.

An Wildbienen
gibt es fast 500 bekannte Arten, weiß Scheffold. Sie brauchten nicht nur Unterkunft, sondern noch weitere gute Lebensbedingungen, etwa Brachwiesen, die nicht gemäht werden.

Als beste Anleitung
unter den vielen Büchern, die Walter Scheffold und seine Jagdpächter-Kameraden gelesen haben, um Insektenhotels artgerecht zu bauen, empfiehlt er „Das Insektenhotel: Naturschutz erleben, Bauanleitungen, Tierporträts, Gartentipps“ von Wolf Richard Günzel, Pala Verlag 2014, 180 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3895663000, 16 Euro.