Eigentlich keine neue Steuer, sondern nur ein neues Verfahren zur Erhebung Foto: dpa

Banken informieren ihre Kunden zurzeit darüber, dass der automatische Abzug der Kirchensteuer auf Zinsen bald beginnt. Das sorgt für einen Anstieg der Kirchenaustritte.

Berlin - Aus Sorge, Steuern zahlen zu müssen, kehren offenbar viele ältere Sparer ihrer Kirche den Rücken. Der Anteil der über 65-Jährigen, die aus der katholischen Kirche austreten, hat sich in der Diözese Rottenburg-Stuttgart im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Eine Sprecherin des Bistums nannte im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten Zahlen: „Im Mai waren 8,23 Prozent der Katholiken, die ausgetreten sind, älter als 65.“ Im Vorjahr lag dieser Wert bei 2,9 Prozent. Auch im April 2014 waren mit 7,44 Prozent und im Juni mit 7,29 Prozent auffällig viele Menschen im Rentenalter, die ihren Austritt erklärt haben. In der Diözese sind von Januar bis Juli 10 300 Katholiken ausgetreten, im Vorjahreszeitraum waren es noch 7774 gewesen.

Seit Anfang des Jahres gibt es unter Sparern große Unruhe. Der Grund: Banken hatten die Kunden informiert, dass der automatische Abzug der Kirchensteuer auf Zinsen bald losgehe. Bundesweit wird seither von einer Austrittswelle berichtet. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Steuer, die 2015 eingeführt wird, sondern lediglich um ein neues Verfahren zur Erhebung der Steuer. Die meisten Sparer sind ohnehin nicht betroffen, weil bis zu Zinseinkünften von 801 Euro gar keine Steuer erhoben wird.

Auch die evangelische Kirche im Rheinland befürchtet einen Exodus. Bereits 2013 war die Zahl der Austritte um 37 Prozent gestiegen. Für 2014 gibt es zwar noch keine konkreten Zahlen. Eine Sprecherin des Düsseldorfer Landeskirchenamtes sagte aber im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten: „Aus den Auskünften einzelner Verwaltungsämter können wir leider absehen, dass die Austritte auch in diesem Jahr in vergleichbarer Größenordnung zunehmen.“

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