Die Kirchensteuer-Einnahmen sinken stärker als erwartet. Die katholische Diözese kürzt die Zuweisungen für die Kirchengemeinden – und für den eigenen Apparat.
Die katholische Diözese hat ihren Doppelhaushalt für 2025 und 2026 „aktualisiert“, teilte die bischöfliche Pressestelle mit. Der Grund: Der Kirchensteuer-Eingang im Jahre 2025 sei „deutlich niedriger“ gewesen als erwartet. Deswegen müsse nun drastisch gekürzt werden.
Vor zwei Jahren habe man die jährlichen Einnahmen noch „langfristig bei 280 bis 290 Millionen Euro“ berechnet. „Die nun vorliegenden Zahlen zeigen jedoch, dass diese Annahmen schon auf das Jahr 2025 nicht mehr zutreffen.“ So habe man im vergangenen Jahr nur noch rund 255 Millionen Euro eingenommen. Im laufenden Jahr könnten es 260 Millionen Euro sein, im Jahr 2027 dann nur noch 246 Millionen Euro. Das liege an der „schwierigen wirtschaftlichen Lage“ und an den Renteneintritten der „Babyboomer“-Jahrgänge (die Kirchensteuer ist an die Einkommensteuer gekoppelt), sowie an der „anhaltend hohen Zahl von Kirchenaustritten“ und an der sinkenden Zahl von Taufen.
Neun Prozent weniger für die Kirchengemeinden
Daher muss man schon jetzt tief in die Rücklagen greifen. Die Diözese hat knapp 300 Millionen Euro in einer „Rücklage Verteilungsmasse“ geparkt. Dieses Guthaben soll den Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen „noch so lange abfedern, bis die Einsparmaßnahmen über den Entwicklungsprozess ,Kirche der Zukunft’ ihre Wirkung entfalten“, heißt es in der Pressemitteilung – also bis mindestens ins Jahr 2030.
Bereits vor zwei Monaten hat der Diözesanrat (eine Art Laien-Parlament der Diözese) beschlossen, die Überweisungen an die Kirchengemeinden für 2026 um 9 Prozent zu kürzen, von den ursprünglich geplanten 183 Millionen Euro auf jetzt 167 Millionen Euro. Die Kirchengemeinden bekommen nur einen Teil der Einnahmen direkt überwiesen. Ein anderer Teil geht in einen „Ausgleichsstock“, der besonders finanzschwache Gemeinden absichert.
Aber auch die Diözesanverwaltung muss in den kommenden Jahren ihre Ausgaben um zehn Prozent senken. Betriebsbedingte Kündigungen werde es aber keine geben, sicherte Generalvikar Clemens Stroppel laut Pressemitteilung zu.
Zum Sparprogramm gehört auch der Plan, die aktuell 1020 selbstständigen katholischen Kirchengemeinden in Württemberg zu „50 bis 80 neuen Kirchengemeinden“ zusammenzulegen. Das soll Verwaltungskosten sparen.
Nur noch ein oder zwei Großgemeinden
Rechnerisch würde es dann in der Raumschaft Rottenburg nur noch ein oder zwei Großgemeinden geben. Ein kleiner Vorbote des anstehenden Sparprogramms war auch die Einstellung des wöchentlichen Mitteilungsblatts „aktuell“ für die beiden katholischen Kirchengemeinden in der Rottenburger Kernstadt.