Bei der Führung im Diözesanmuseum (von links): Asher Mattern, Reinhold Boschki, Petra Preunkert-Skálová und Fahimah Ulfat. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Gregor Moser

Großes Interesse gab es an der Führung durch das Diözesanmuseum in Rottenburg im Rahmen des Festprogramms.

Auf großes Interesse stieß eine interreligiöse Führung durch das Diözesanmuseum Rottenburg, zu der das vor Kurzem wiedereröffnete Haus im Rahmen seines Festprogramms eingeladen hatte. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nahmen teil und betrachteten ausgewählte Kunstwerke aus christlicher, jüdischer und islamischer Perspektive.

 

Museumsleiterin Melanie Prange betonte am Ende der Führung gemeinsam mit Fahimah Ulfat (Universität Münster), Rabbiner Asher Mattern und Reinhold Boschki (beide Universität Tübingen): „Es ist uns wichtig, das Diözesanmuseum auch als Ort des interreligiösen Austauschs zu verstehen. Die Führung hat gezeigt, was unsere Religionen verbindet und wie sie sich über Jahrhunderte hinweg gegenseitig beeinflusst haben.“ Gerade in der heutigen Zeit sei diese Botschaft von besonderer Bedeutung.

In der Geschichte gegenseitig vielfältig beeinflusst

Boschki stellte diesen Gedanken bereits zu Beginn in den Mittelpunkt. Judentum, Christentum und Islam seien nicht als voneinander getrennte Größen zu sehen, sondern hätten sich im Lauf der Geschichte vielfältig beeinflusst. Diese Wechselwirkungen hätten zu einer gegenseitigen Bereicherung der Religionen geführt, so der Professor für Religionspädagogik und Leiter der Forschungsstelle Elie Wiesel an der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen.

Den Auftakt bildete das Gemälde „Die Opferung Isaaks“. Boschki deutete die Szene als Zeichen dafür, dass Gott keine Menschenopfer fordert und die enge Beziehung zwischen Mensch und Gott im Mittelpunkt steht. Rabbiner Mattern verwies auf die Bedeutung des Wortes Gottes, das im Judentum stets vermittelt – etwa durch die Thora – an die Menschen weitergegeben werde. Ulfat erläuterte, dass in der islamischen Überlieferung der Name des zu opfernden Sohnes nicht genannt wird und sich die Deutung historisch gewandelt habe.

Beim Gemälde „Ein jüdisches Kind“, das die Beschneidung Jesu darstellt, sah Boschki ein verbindendes Element zwischen Christentum und Judentum. Mattern machte deutlich, dass die Beschneidung im Judentum zum religiösen Alltag gehört und meist im familiären Rahmen vollzogen wird. Ulfat verwies auf unterschiedliche islamische Rechtsschulen, betonte jedoch die gemeinsame Bedeutung der Beschneidung als Ausdruck spiritueller Reinheit.

Auch beim Bild „Christus in der Vorhölle“ zeigten sich Unterschiede und Parallelen. Sowohl im Judentum als auch im Islam gebe es keine Vorstellung von Erbsünde, erklärten Mattern und Ulfat übereinstimmend.

Zusammenleben der Religionen in ihrer Stadt

Nach einem Imbiss setzten die Teilnehmenden den Austausch im moderierten Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ fort. In kleinen Gruppen diskutierten sie die Frage, wie das Zusammenleben der Religionen in ihrer Stadt erlebt wird. Die Veranstaltung unterstrich den Anspruch des Diözesanmuseums, ein Ort der Kunst, des Dialogs und der Verständigung zu sein.