Erst Turnhalle, dann Bücherlager, bald Kreativwerkstatt: Das 1937 errichtete Gebäude im Garten des Diözesanmuseums wird umgebaut. Foto: Uschi Hahn

Das Rottenburger Diözesanmuseum bekommt eine neue Location – die ehemalige Turnhalle des Priesterseminars wird zur Kreativwerkstatt und als Begegnungsort umgebaut.

Früher kamen hier angehende Geistliche ins Schwitzen: Im Garten des Rottenburger Diözesanmuseums wurde 1937 eine Turnhalle fürs Bischöfliche Priesterseminar gebaut, das noch heute in den Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters untergebracht ist. Derzeit wird das einstöckige Gebäude saniert und umgebaut. Im Oktober soll hier die Aula Ulrich eröffnet werden, benannt nach dem Tübinger Ehepaar, das durch sein großzügiges Erbe schon den Umbau und die Neukonzeption des Museums ermöglicht hat.

 

Bis wann sich der Priesternachwuchs gegenüber dem Portal der einstigen Karmeliterkirche an Barren, Reck und Ringen körperlich ertüchtigt hat, weiß Melanie Prange nicht. Als die heutige Leiterin des Diözesanmuseums im Jahr 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Museum mit seiner einzigartigen Sammlung mittelalterlicher Sakralkunst kam, sah das Gebäude noch sehr nach Turnhalle aus: Der alte Boden war noch verlegt, die fünf bodentiefen Fenster ließen Licht ins verstaubte Innere.

Wenig später wurden die Fenster verschalt. Im knapp 90 Quadratmeter großen Hauptraum hielten stabile Regale Einzug. Die Turnhalle diente fortan als Büchermagazin für die Diözesanbibliothek, die über dem Museum untergebracht ist.

Prange, seit 2013 als Diözesankonservatorin verantwortlich für die sakralen Kunstschätze im Museum, fand es schon immer „schade, dass man diesen Raum direkt in unserem Garten als Buchlager nutzt“. Doch die Mittel, die alte Turnhalle umzunutzen, fehlten.

Viel finanzieller Spielraum Aber bei der Planung für die bauliche und konzeptionelle Neuordnung des Museums wurde klar: Das Erbe der Ulrichs verschafft der Diözese so viel finanziellen Spielraum, dass auch die Turnhalle umgebaut werden kann. Schon bei der Wiedereröffnung des Diözesanmuseums im vergangenen November diente sie als provisorischer Veranstaltungsraum. Seit Februar sind nun die Handwerker in dem Gebäude zugange. Die großen Flügelfenster öffnen sich wieder zum ehemaligen Klostergarten hin. Bis Mitte Oktober soll alles fertig sein.

Ziel des Umbaus sei zum einen, „den Raum so flexibel zu nutzen“, sagt Prange. Der Hauptraum soll vor allem als neues Quartier der früheren „KunstGasse“ dienen. Sie bot auf ziemlich beengtem Raum die Möglichkeit für Workshops, mit denen vor allem Kinder und Jugendliche spielerisch an künstlerische Themen herangeführt wurden. Sie können künftig in der ehemaligen Turnhalle malen, basteln oder auch mal herumtoben. Der neue Bodenbelag über der bereits eingebauten Fußbodenheizung sei entsprechend strapazierfähig, versichert Prange. Auch an ein Waschbecken und ein Ausgießbecken für Farbgefäße direkt im Raum habe man gedacht.

Ort für Veranstaltungen Prange freut sich schon sehr auf die Möglichkeiten der neuen Kreativwerkstatt. Immer wieder habe man in der Vergangenheit größere Gruppen abweisen müssen, die das künstlerische Mitmachangebot des Museums nutzen wollten. „Für eine ganze Klasse von bis zu 30 Kindern waren die alten Räume in der Kunstgasse einfach zu klein“, sagt sie.

Ungenutzt bleiben die Kunst-Gassen-Räume in der Karmelitergasse gegenüber dem Priesterseminar aber nicht. Hier lagert jetzt ein Teil der Bestände der Diözesanbibliothek, wie Prange erklärt.

Aber die Aula Ulrich soll künftig auch als Ort für andere Veranstaltungen genutzt werden. Für das flexible Mobiliar aus Tischen und Stühlen wird hinter dem Hauptraum ein kleines Lager eingerichtet. Je nach Bedarf kann die Halle also für Vorträge, Vernissagen oder auch Lesungen auf- und abgestuhlt werden.

Platz für eine kleine Küche Im vorderen Bereich, wo der Priesternachwuchs nach dem Turnen einst geduscht hat, ist Platz für eine „kleine Anrichteküche“, wie Prange bei der Baustellenbesichtigung erklärt. Klar hätte sie sich für die Aula Ulrich auch ein kleines Museumscafé vorstellen können. „Doch das hätte unsere Möglichkeiten gesprengt“, sagt die Diözesankonservatorin mit einem bedauernden Lächeln. Aber dank der kleinen Küche könne man künftig größeren angemeldeten Gruppen „wenigstens mal einen Kaffee anbieten“. Das, so findet Melanie Prange, „hat ja auch etwas mit Willkommenskultur zu tun“.

Mit das Wichtigste am Umbau der Turnhalle ist jedoch die Barrierefreiheit. Zwar gibt es im Museum auch bisher schon Toiletten für Menschen mit Handicap. Die sind allerdings nur mit dem Aufzug zu erreichen und auch sonst „nicht ideal“, sagt Prange. Künftig kommen auch Menschen im Rollstuhl während des Museumsbesuchs bequem aufs Klo. Die Behindertentoilette wird direkt hinter dem neuen Eingang ins historische Gemäuer eingebaut. Der Eingang selbst wird über eine flache Rampe erschlossen.

Kosten von etwa 1,1 Millionen Euro Und was kostet der Umbau der alten Turnhalle zur Aula Ulrich? Da hält sich Prange bedeckt. Nach Rücksprache mit der Diözesanleitung schreibt sie schließlich: „Die Kosten für den Umbau belaufen sich auf ca. 1,1 Millionen Euro, wobei ein Großteil davon aus einem Erbe finanziert werden kann. Die Erblasser, die auch die Namensgeber für den Raum sind, hatten verfügt, ihren Nachlass für die Weiterentwicklung des Diözesanmuseums zu nutzen, was durch die Sanierung und den Umbau des Gebäudes in gelingender Weise umgesetzt wird. Neben der hauptsächlichen Belegung durch das Museum wird es auch anderen diözesanen Einrichtungen möglich sein, den Raum zu nutzen.“

Die Namensgeber der Aula Ulrich

Großes Erbe
Rund 1,2 Millionen Euro haben der Umbau und die Neukonzeption des Diözesanmuseums in Rottenburg gekostet. Sie stammen aus dem Erbe von Robert und Gertrud Ulrich, einem kinderlosen Ehepaar aus Pfrondorf. Der im Jahr 2022 verstorbene Mäzen und seine bereits 2015 verstorbene Frau vermachten ihr Vermögen der Diözese unter der Maßgabe, das Geld für die Weiterentwicklung des Museums zu verwenden. Der zurückgezogen lebende Apotheker im Ruhestand, der in seiner Freizeit wissenschaftlich zur Botanik des Mittelmeerraums arbeitete, sei dem Museum und der dort ausgestellten, mittelalterlichen und modernen Sakralkunst „sehr verbunden“ gewesen, sagt Diözesankonservatorin Melanie Prange, die Ulrich immer wieder durch das Museum geführt hat. Das gesamte, teils aus inzwischen verkauften Immobilien bestehende Erbe der Eheleute Ulrich beläuft sich auf etwa 1,6 Millionen Euro.