Die „Sahneschnittsche“ sind mittlerweile Kult beim „Dinner für 100“: Carolin Sprich (von links), Annette Kienzler und Susi Dilger. Foto: Richard Schuster

Die Narrenzunft hat mit ihrem „Dinner für 100“ wahrlich einen Edelstein in ihrem Portfolio. Das Konzept, in Zusammenarbeit mit dem Theater im Deutschen Haus, kommt offensichtlich bei vielen Narren der Bergstadt hervorragend an.

Und so bedarf es eigentlich keiner Erwähnung, dass auch die diesjährige Auflage mit närrischem Programm und mehrgängigem Menü bereits im Vorfeld wieder restlos ausverkauft war.

 

Geboten wurde ganz großes Kino – unter dem Motto „Die Narrenzunft hebt ab... ins All“.

Natürlich startete der Abend zünftig mit dem Bobbelemarsch der Narrenzunft und mit der närrischen Begrüßung durch Zunftmeisterin Alexandra Pies.

Susanne Dilger moderiert unterhaltsam

Als Ansagerin fungierte locker und routiniert Susanne Dilger. Ansagerin? Susi ging weit darüber hinaus, nur Programmpunkte herunterzuleiern oder Pausen zu füllen. Ihre Moderationen – als Brücke zwischen den jeweiligen Gigs der allesamt zunfteigenen Künstler und dem nächsten Gang des Menüs gedacht – waren eigentlich kleine Showauftritte: Beabsichtigt leicht überdreht aber nie peinlich, die Beiträge manchmal scharf- und hintersinnig vorgetragen und dabei sehr spontan. Es war ein Genuss, sie auf der Bühne zu erleben.

Der Nachwuchs der Narrenzunft begeistert die Gäste restlos. Foto: Richard Schuster

Die Jugendtanzgruppe der Narrenzunft betrat mit Wäschekorb und in blauen Klamotten die Bühne und ruckzuck war Stimmung im Saal. Klar, dass die kräftig applaudierenden Narrole eine Zugabe einforderten und auch erhielten.

Verteilt über den Abend hinweg gab es immer mal wieder „Episoden aus dem All“, die per Live-Schaltung aus dem Bobbele-Narrenraumschiff hinunter auf die Erde ins Theater im Deutschen Haus gefunkt wurden.

„Galaktisches Allerlei“ serviert

Nach dem zweiten Gang des Menüs – es wurde „galaktisches Allerlei“ in Form von Reissalat serviert – wurde die Bütt auf der Bühne nach vorn gerollt. Markus Hensel als „Besucher aus dem All“ rechnete gnadenlos mit schrägen, aber gefährlichen Vögeln, wie etwa Trump, Musk, AfD-Weidel und anderen ab: „Arme Erde was ein Glück – ich kann auf meinen Stern zurück!“ Seine kluge Narrenweisheit lautete: „Wählt man die Falschen, wird’s fatal, hat man vielleicht die letzte Wahl.“ Markus musste kurzfristig für den ursprünglich vorgesehenen Programmpunkt einspringen, aber er war weit mehr als nur „Ersatzmann“. Das begeisterte Publikum belohnte seine durchaus auch nachdenklich machende Büttenrede mit starkem Applaus.

Sie überzeugen mit einem tollen Gig: Abschluss-Choreografie der „G-Town-Bobbelz“. Foto: Richard Schuster

Beim Auftritt der „G-Town-Bobbelz“ stieg die eh’ schon gute Stimmung weiter an. Die Narren klatschten begeistert mit und ließen sich nur allzu leicht zu einer Polonaise verführen, die sich durch den gesamten Saal hinzog, ehe dann mit dem „Flug zu den Sternen“ (Sternchensuppe mit Karotte) ein weiterer Gang des Menüs serviert wurde.

Mit Susanne Dilgers Narrentalk „Wen juckt’s?“ und einer Szene am Telefon mit „Wahlhelferin“ Ute Scholz aus dem Wahllokal Mühlstraße, gab es zwei weitere Höhepunkte – ersterer schräg und urkomisch und letzterer lustig, aber durchaus tiefsinnig.

„Sahneschnittsche“ begeistern seit 25 Jahren

Als vierter Gang des Dinners wurde vom sechsköpfigen Serviceteam „Weltraumschrott“ in Form von Chili con Carne gereicht. Die „Sahneschnittsche“ begeistern seit mittlerweile 25 Jahren närrische Sitzungen. Was Susi Dilger, Annette Kienzler und Carolin Sprich wieder abzogen, war „erste Sahne“.

„Nun geht sie los, unsere Polonaise“: Die Narren feiern ausgelassen beim „Dinner für 100“. Foto: Richard Schuster

Nach dem Dessert, das als „Meteoritenschauer“ (Windbeuteldessert) auf die kräftig mitfeiernden Narren darnieder kam, trumpfte das Männerballett groß auf. Zum Abschluss eines wunderbaren „Dinner für 100“ bat Susi Dilger alle aktiv Beteiligten zu sich auf die Bühne, um sich von den begeisterten Besuchern nochmals so richtig feiern zu lassen.