In unserer Sommerserie erzählen wir Ihnen von Dingen, die den Sommer besser machen. Sonnencreme tut das allemal. Allerdings herrscht in den sozialen Medien fast schon Panik vor der Sonne. Ist das notwendig?
Früher haben sich die Leute einfach in der Sonne gebrutzelt, sagen ältere Mitmenschen. Ohne Gnade in der prallen Mittagssonne, den Bauch mit Öl eingerieben. Sonnencreme? Höchstens mit Lichtschutzfaktor zehn. Im Sardinienurlaub vor Kurzem waren hier und da noch Exemplare dieser Sonnenanbeter-Art zu sichten – allesamt im Rentenalter.
Dagegen stach die Generation U 30 dadurch heraus, dass sie sich hauptsächlich im Schatten aufhielt. Die lernt das unter anderem in den sozialen Medien. Dort warnen Hautärzte den Sommer über: Ja nicht zu viel in die Sonne! Auch im Schatten sind UV-Strahlen gefährlich! Gesunde Bräune gibt es nicht!
Ist die Sonne plötzlich gefährlicher geworden?
Als Sprössling einer Familie, in der eine gewisse Bräune immer als erstrebenswert galt (an die man nie rankam, weil die Haut in der Sonne direkt von weiß auf rot wechselt), können einen solche Ausführungen verwirren. Ist die Sonne plötzlich gefährlicher geworden? Oder waren früher einfach alle unvernünftig? Vielleicht hatten Zocker, die den Sommer im Keller verbrachten, es mehr raus als wir, die wir uns dem Willen der Eltern beugten und zum Spielen rausgingen?
Dass die Brutzel-Variante gesund oder in irgendeiner Form empfehlenswert ist, stand sicherlich nie zur Debatte. Aber – bei aller Vorsicht – kann die Sonne denn wirklich so schlimm sein? Nachfrage bei der Expertin: „Ich empfehle, sich im Sommer jeden Tag mit Lichtschutzfaktor 30 bis 50 einzucremen“ sagt Ulrike Schief, Oberärztin in der Hautklinik des Klinikums Stuttgart. „Mindestens“, fügt sie hinzu. Im Winter schmiert sie sich täglich Lichtschutzfaktor 15 bis 30 ins Gesicht.
Ganz schön konsequent. Halten sich die Leute denn daran? „In fast allen Tagescremes für Frauen ist inzwischen Lichtschutzfaktor 15 drin“, sagt Schief. Sie glaubt deshalb schon, dass Frauen ganz gut eingecremt sind. „Abgesehen davon würde ich auch denken, dass das nicht konsequent gemacht wird“, sagt sie. Das kennt sie sogar selbst. „Ich erwische mich leider auch ab und zu dabei, dass ich etwas vergesse.“ Den Handrücken, zum Beispiel. Oder die Ohren.
Viele von uns cremen sich also nicht genügend ein, obwohl wir es eigentlich besser wissen. Allerdings wissen wir ja auch, dass wir nur mit Helm Fahrrad fahren sollten. Oder Zahnseide benutzen sollten. Noch ein tägliches To-do, an das man denken muss.
„Die Sonne brauchen wir fürs Wohlbefinden“
Hat die junge Generation das tatsächlich besser im Griff als die ältere? Oder hat sie gar zu viel Angst vor der Sonne? Das vermag Ulrike Schief nicht zu beurteilen. Nur so viel: „Die Sonne zu verteufeln, finde ich nicht gut“, sagt sie. „Die brauchen wir fürs Wohlbefinden, für die Knochenbildung und so weiter.“ Doch wie so oft gelte: Alles in Maßen.
Und wie machen das Südeuropäer, die unter den unsäglichen Qualen von ganzjährigem Sonnenschein leiden? „Ich habe den Eindruck, dass sich die Einheimischen nicht direkt in die Sonne legen“, sagt sie. Sie war selbst vor Kurzem in Griechenland. In der heißesten Mittagszeit seien nur Touristen draußen unterwegs gewesen. „Man sieht sehr oft die einheimischen älteren Herren im Schatten mit Hut auf dem Kopf“, sagt sie. Die machen das automatisch richtig.
Es scheint also wirklich so zu sein, wie die Social-Media-Posts es verheißen. Schatten ist gut, Sonne schnell gefährlich. Tun Sie Ihrer Haut den Gefallen: Lernen Sie von den Opas im griechischen Schatten. Hut auf und raus aus der Sonne. Und eincremen nicht vergessen!