Der Verband Südlicher Oberrhein warnt vor zu langen Einschränkungen beim Ausbau. Foto: Ditfurth

Der Ausbau der Rheintalbahn kommt nicht recht ins Rollen. Der Verband Südlicher Oberrhein warnt vor langen Einschränkungen und Zumutungen für Reisende und Pendler.

Beim Pressetermin in der Geschäftsstelle des Verbands Region Südlicher Oberrhein in Freiburg informierten der Verbandsvorsitzende Kai-Achim Klare und Verbandsdirektor Wolfgang Brucker über den aktuellen Stand zum Aus- und Neubau der Rheintalbahn.

 

Voran schickten die beiden, dass es inhaltlich wenig Neues im Vergleich zum Freiburger „Rheintalgipfel“ gebe. Dort hatten Ende Januar unter anderem Bürgermeister und Landräte ihrem großen Unmut Luft gemacht. Es bewegt sich wenig bei diesem Riesenprojekt – und während der Berg der zu lösenden Aufgaben immer größer wird, scheint zeitgleich die Fähigkeit zum aktiven Handeln immer geringer zu werden.

Klare, selbst Bürgermeister der Gemeinde Rust, bemühte in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbands Südlicher Oberrhein um eine gemäßigte Formulierung: Es sei eben keine Revolution zu erwarten, sondern eine Evolution – ein langer, aber stetiger Prozess. Immerhin gehe es um ein zentrales Verkehrsinfrastrukturprojekt, nicht nur national, sondern ganz Europa betreffend. Und während beispielsweise die Schweiz ihren Anteil vor langer Zeit absolviert habe, mühe sich Deutschland weiter ab.

Kai-Achim Klare will mehr Austausch mit der Bahn

Die Gesamtproblematik umrissen Brucker und Klare mit Blick auf den Abschnitt zwischen Riegel und Offenburg einerseits und auf den Bereich im Raum Emmendingen, Freiburg und weiter nach Süden bis nach Buggingen. Im nördlichen Abschnitt im Ortenaukreis werden Neubaustrecke und Ausbaustrecke gemeinsam geplant und umgesetzt.

Das heißt: Entlang dieses Abschnitts werden Teile der bestehenden Rheintalbahn ausgebaut, während an anderen Stellen neue Bahnstrecken neu gebaut werden. Wenn darüber hinaus die Bestandsstrecke im südlichen Teil ausgebaut wird, stellt sich für den Verband Südlicher Oberrhein die Frage, was mit dem Verkehr passiert – sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr.

„Alles, was in diesem Gebiet gebaut wird, hat Auswirkungen auf die ganze Region“, sagte Klare. In den nächsten Wochen müssten die einzelnen Puzzleteile zusammengelegt werden: Wenn hier das eine gemacht wird und dort das andere – was bedeutet das in der Summe? Und wie fügt sich der Ausbau der A5 in dieses Gesamtbild ein? Die Überlagerungen seien schwer vorstellbar, zumal eine leistungsfähige A5 nicht zur Verfügung stehe, so Klare.

Dem Verband Südlicher Oberrhein bleibt dabei vor allem, zu appellieren, die Dringlichkeit zu betonen und im Gespräch zu bleiben. Mitunter entsteht der Eindruck, die Bahn sei nur begrenzt dialogbereit, aber: Aufgrund der Forderungen von Ersatzhalten unter anderem für den Ortenaukreis hat die Bahn bei der Planung schließlich nachgebessert.

Und so erwartet man von Verbandsseite konkrete Antworten auf weitere ungelöste Fragen: Welche konkreten Folgen haben die Maßnahmen – und wie hängen die einzelnen Belastungen zusammen? Die Zumutungen für Pendler und Reisende werden aus Sicht des Verbands beträchtlich. Klare kritisierte, dass man seit rund zehn Jahren plane, jetzt werde es Zeit, ins Bauen zu kommen. Unklar bleibe weiterhin, welcher Zeithorizont realistisch sei – auch, weil die Dimension des Projekts lange nicht klar gewesen sei. Wichtig sei aus Sicht des Verbands mehr Verbindlichkeit von der Bahn: eine zeitliche Schiene und belastbare Aussagen zu den Planfeststellungsverfahren.

Hinzu komme die Notwendigkeit, Bahn- und Autoverkehr zusammen zu denken. „Im Süden wird es noch mehr Sperrungen geben – der potenzielle ÖPNV-Verkehr erlebt wieder eine Umschichtung – aber wohin? Wir werden eine deutliche Umlegung von Verkehrsbeziehungen haben“, ist sich Klare sicher.

Ersatzhalte

Von 2036 bis 2042 an sollen die Gleise der Rheintalbahn grundsätzlich saniert werden. Die Bahn plante ursprünglich, in dieser Zeit keinen Regionalzug zwischen Riegel und Offenburg halten zu lassen, doch nach großem Widerstand wurde im Mai 2025 in Mahlberg bei einer Infoveranstaltung verkündet, dass es doch Ersatzhalte in Lahr und Herbolzheim geben soll.