Am und im Gebäude der Nagolder Musikschule muss renoviert werden – zumal es bis zu einem Umzug ins heutige OHG 2 noch eine ganze Weile dauern kann. Foto: Fritsch

Bewegte Monate liegen hinter der Stätischen Musikschule Nagold. Neben wichtigen Schritten bei der Digitalisierung musste Christian Pöndl als neuer Musikschulchef, die Einrichtung auch möglichst unbeschadet durch die Pandemie führen. Nun ist man gut für die Zukunft aufgestellt – bis auf die Räumlichkeiten.

Nagold - "Solange hat hier selten einer berichten dürfen!" OB Jürgen Großmann würdigte mit diesen Worten ein wenig die Ausnahmeposition, die die Nagolder Musikschule und ihr Leiter Christian Pöndl aktuell für die Stadt einnehmen. Die Musikschule befindet sich im Wandel – und bewältigt den mit Bravour.

 

29 Lehrkräfte

Nicht nur der Leiter der Musikschule ist noch relativ neu, im gesamten Lehrer-Kollegium war die letzten Monate reichlich Bewegung. Ein wenig Dank der Pandemie und den mangelnden Auftrittsmöglichkeiten für Künstler und gerade Musiker, sei "der sichere Hafen" Musikschule da ein sehr willkommenes Beschäftigungsangebot für die Bewerber – wodurch es gelungen sei, so Musikschulleiter Pöndl, "immer sehr gute Lehrkräfte als Neubesetzung" zu finden. Aktuell beschäftigt die Nagolder Musikschule 29 Lehrkräfte in unterschiedlichsten Deputaten, davon sind acht Neuzugänge aus den letzten Monaten.

"Wir sind sehr gut durch die Krise gekommen", so Pöndls Resümee für die Musikschule im Rahmen seines Rechenschaftsberichts vor dem Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss (Kusa) des Nagolder Gemeinderats - "auch finanziell". Und das auch "mit Hilfe der Eltern" und den meist kurzfristig realisierten "digitalen Angeboten". Die Schülerzahlen habe man zum Jahreswechsel – im Vergleich zu 2018 – bei den "Elementarfächern" trotz Corona deutlich steigern können (437; 2018: 318), bei den "Instrumental- und Vokalunterricht" habe man sie auf hohem Niveau halten können (632; 2018: 633). Allein beim "Ensemble-Unterricht" habe man einen leichten Rückgang zu verkraften gehabt (213; 2018: 225).

Digitale Ausstattung

Wobei Pöndl zeigen konnte, dass die Nagolder Musikschule die Herausforderungen der Pandemie unter anderem zu einer umfassenden Erneuerung seiner digitalen Ausstattung nutzen konnte. So sei eher "durch Zufall" im Keller des Musikschulgebäude eine Anschlussmöglichkeit für WLAN entdeckt worden, so dass "nach vielen Jahren" neben einem öffentlichen WLAN für die Schülerinnen und Schüler "auch ein internes WLAN für die Lehrkräfte" sowie eine Einbindung der EDV im Sekretariat der Musikschule in das Netzwerk der Stadt eingerichtet werden konnten.

Gleichzeitig habe man die verwendete Musikschulverwaltungssoftware auf den marktführenden Anbieter umgestellt, wodurch "mit der dazugehörigen Musikschule-Nagold-App" sich nun "eine datenschutzkonforme Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern, Eltern und Verwaltung" realisieren lasse. Zusätzlich seien die Lehrkräfte der Musikschule "mit mobilen Endgeräten mit einem ›Mobile Device Management‹ ausgestattet" worden – was meint: Alle mobilen Endgeräte können zentral administriert, sprich verwaltet werden. Das seien insgesamt "mehrere sehr große Schritte zur modernen und zukunftsfähigen Musikschule", so Pöndl selbstbewusst.

Desolater Zustand

Wobei zu diesem top-modernen Selbstbild der Nagolder Musikschule eben das, was Schulleiter Pöndel unter der Rubrik "Hinweise und Bitten" ganz am Ende seines Vortrags den Kusa-Mitgliedern in seiner mitgebrachten Präsentation noch zu zeigen wagte, irgendwie nicht so ganz passen wollte: Es ging dabei um das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes, in dem die Musikschule im Moment untergebracht ist. Pöndl Außenaufnahmen des Baus zeigten zum Teil komplett verwitterte Schindelfassaden, eine offensichtlich nicht mehr hundert Prozent trittsichere Terrasse, überhaupt ein Gebäude in einem desolaten und arg vernachlässigten Zustand.

Nahtloser Übergang

In seiner vorgefertigten Sitzungsvorlage gab es diesen Teil seines Rechenschaftsberichts nicht, womit man vermuten darf, dass Schulleiter Christian Pöndl mit dieser "Wunschliste" auch die anwesenden Vertreter der Verwaltung im Kusa – allen voran den Oberbürgermeister – einigermaßen überraschen konnte: "Dass Sie anstrengend sind, halten wir gut aus", so Großmann direkt an Pöndl gerichtet. Auch wenn ihn "die Verwaltung manchmal bremsen" möchte. Großmann würdigte ausdrücklich die "enorme Dynamik", mit der Pöndl seine neue Aufgabe angegangen sei: "Sie haben vom ersten Tag an eine beeindruckende Kreativität entwickelt", dazu sei der Übergang von seinen Vorgänger Florian Hummel "nahtlos" gelungen.

Ziel bleibt Umzug ins OHG 2

Im Bezug auf die Gebäude-Entwicklung der Nagolder Musikschule gebe es die grundsätzliche Vision, sie langfristig in den benachbarten Schulcampus und dort ins Gebäude OHG 2 umzusiedeln. Daran werde man auch festhalten, so der OB. "Aber man muss auch realistisch bleiben" - die zuvor notwendige Grundsanierung des OHG werde sicher noch einige Jahre auf sich warten lassen. Was für die Musikschule bedeutet: Sie muss am aktuellen Standort und im aktuellen Gebäude zurechtkommen. Großmanns Versprechen an Pöndl: "Wir werden das Gebäude nicht verfallen lassen", sondern in absehbarer Zeit zumindest soweit auf Vordermann bringen, "dass Sie ihre Arbeit machen können". Allerdings: Dafür heißt es auch auf Fördermittel zu warten, etwa für die Erhaltung der historischen Fassaden.

Und auch das sagte der OB noch - direkt an Christian Pöndl gewandt und einigermaßen sibyllinisch: "Wir lassen Sie gerne gewähren - solang der Herr Breitling Geld hat!"