Das digitale Team der Stadt Meßstetten: Ralf Strienz und Diana Härter gestalten die Angebote neu – und barrierefrei. Foto: Karina Eyrich

„Barrierefrei“ lautet heute das Zauberwort, wenn eine Institution deutlich machen will, dass sie niemanden diskriminiert und alle einbindet. Für die IT-Fachkräfte der Stabsstelle Digitalisierung im Rathaus Meßstetten bedeutet Barrierefreiheit freilich viel Arbeit.

„Einen langen Katalog an Kriterien erfüllen“ müssen laut Diana Härter und Ralf Strienz von der Stabsstelle Digitalisierung im Rathaus Meßstetten künftig die Internetseiten der Kommunen. Stichwort: Barrierefreiheit.

 

Das stellt sich dem Laien mit gesunden Augen die Frage, ob es überhaupt umsetzbar ist, eine Homepage für Blinde und Sehbehinderte komplett zugänglich zu machen. Schon das Aufrufen der Seite dürfte doch eine Hürde sein, oder nicht?

Ralf Strienz verweist auf die Spracherkennung, die den Weg zur Seite bahnt. Darüber hinaus gebe es Möglichkeiten wie „Screenreader“, also Vorrichtungen, die Nutzern mit Sehbehinderung den Inhalt einer Seite vorlesen. Für Menschen mit einer Hörbehinderung andererseits müssen, wollen und werden die beiden IT-Experten im Meßstetter Rathaus ein Erklärvideo in Gebärdensprache auf der Seite platzieren.

Hellgrau auf Taubenblau – das ist für manche ein Problem

„Mehr als 100 Punkte müssen beachtet werden, bis die Homepage barrierefrei ist“, erklärt Diana Härter und nennt weitere Beispiele wie den Kontrast und die Schriftgröße, für die es jeweils Richtwerte gebe.

„Eine hellgraue Schrift können Menschen mit Sehbehinderung nicht so gut oder gar nicht lesen“, sagt Härter und weiß, dass auf der aktuellen Internetseite die Schriften noch grau sind, teilweise auf dezent taubenblauem Hintergrund. Das Prinzip lautet freilich nicht prinzipiell: Schwarz auf Weiß. Vielmehr sollen sich Kontrast und Schriftgröße einstellen lassen können.

Kriterien, die nicht Betroffenen wohl kaum in den Sinn kommen dürften, sind jene, die zum Beispiel Epileptiker betreffen: „Wenn Bilder auf der Homepage durchlaufen, muss der Betrachter diese anhalten können, weil dieser ständige Wechsel im schlimmsten Fall einen epileptischen Anfall auslösen könnte.“

Leicht verständliche Begriffe anstelle von „Beamtendeutsch“

Ein immer wichtiger werdender Punkt angesichts von Nutzern, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt oder keine ausgereifte Bildungskarriere gemacht haben, ist „einfache Sprache“, wie auch Radiosender sie schon bei speziellen Nachrichtensendungen für diese Zielgruppe verwenden.

Dass die Sprache, die für amtliche Formulare und Mitteilungen, kommunale Verordnungen und Dokumente landauf, landab verwendet wird, selbst promovierte Sprachwissenschaftler zur Verzweiflung treiben kann, ist Diana Härter und Ralf Strienz bewusst.

Also müssen sie die Informationen auch leicht verständlich servieren und grundsätzlich mit ihren Kollegen in den einzelnen Fachämtern zusammenarbeiten, damit alle vorgeschriebenen Parameter der einzelnen Verwaltungsvorgänge enthalten sind.

Ein digitaler Assistent wird in Meßstetten nicht nötig sein

Wird auf der Internetseite der Stadt außerdem ein digitaler Assistent eingeführt, hinter dem eine Künstliche Intelligenz steckt und der Nutzern die ersten Fragen beantwortet? „Nein“, darin sind sich die Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung und ihr Kollege einig.

„Meßstetten ist noch klein genug, dass die Verwaltung alle Bürgeranfragen bewältigen kann“, erklärt Diana Härter, und Ralf Strienz ergänzt: „Bei uns kann man sogar noch ohne Termin aufs Rathaus kommen“, zumindest was manche Dienstleistungen dort betrifft.

Der „Relaunch“ betrifft weit mehr als die Homepage

Gleichwohl bietet die Stadt Meßstetten schon seit Jahren neben der Internetseite die „News App“ an, auf der Nutzer Neues erfahren und sich eilige Nachrichten direkt aufs Smartphone liefern lassen können. Künftig soll es dort außerdem einen Mängelmelder geben.

Nicht zuletzt gibt’s die Bürgerbox für Komplimente, Kritik, Fragen und Vorschläge an die Stadtverwaltung sowie das Ratsinformationssystem, in dem auch Bürger die Vorlagen für Gemeinderatssitzungen lesen können, und das Bauplatz- und Immobilienportal.

All das wird nun einer kompletten Neugestaltung unterzogen, mit der Diana Härter und Ralf Strienz mehr Arbeit haben, als den meisten Nutzern hinterher klar sein wird.