Wero ist noch weitgehend unbekannt und macht nun verstärkt Werbung für sein Echtzeit-Bezahlsystem. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Das digitale Echtzeit-Bezahlsystem Wero will in Europa rasch wachsen. Auch die Commerzbank geht an Bord. Der von der EZB geplante Digitale Euro soll überflüssig gemacht werden.

Je wilder Donald Trump und die Amerikaner agieren, desto größer wird in Europa der Wunsch nach Souveränität im digitalen Zahlungsverkehr. Gefordert wird eine von den USA unabhängige Alternative zu PayPal & Co. Zwei Stoßrichtungen gibt es: den von der Europäischen Zentralbank (EZB) forcierten Digitalen Euro – und das von einigen Kreditinstituten in Europa aufgebaute System Wero. In der Bankenwelt stellt sich aber schon längst die Frage: Wozu braucht es den Digitalen Euro noch?

 

Commerzbank zögert erst – und ist jetzt doch dabei

Nach längerem Zögern will sich auch die zweitgrößte Privatkundenbank, die Commerzbank, Wero anschließen. „Wir haben immer sehr aufmerksam verfolgt, ob das eine europäische Lösung werden kann oder ob es, wie man in meiner Heimat Österreich sagt, einen Fleckerlteppich ergibt, bei dem man hier damit zahlen kann und dort nicht“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Schaufler unserer Zeitung. „Der Privatkunde verlässt sich darauf, dass er im Urlaub zum Beispiel in Frankreich, den Niederlanden, Österreich und wo auch immer damit zahlen kann“.

Thomas Schaufler erläutert, warum die Commerzbank jetzt doch mitmacht. Foto: Commerzbank

Nun zeige sich, dass die Teilnahme an Wero „in deutlich fortgeschrittenem Maße“ vonstatten gehe, „daher möchten wir diese Lösung unseren Kunden zugänglich machen und führen Gespräche zur Zusammenarbeit mit Wero und der schrittweisen Einführung“. Auf einen Zeitpunkt legt er sich nicht fest. Der IT-Bereich prüfe, welche Schnittstellen eingerichtet werden müssen. Auch der E-Commerce und perspektivisch der stationäre Handel seien wichtige Faktoren. Je mehr Händler es gibt, desto mehr werde Wero von den Kunden genutzt. Zentral sei zudem die Sicherheit. „Wenn wir in den nächsten Jahren sehen, dass das Volumen der Transaktionen nach oben geht und die Sicherheit gewährleistet ist, haben wir ein erfolgreiches europäisches Bezahlsystem“, zeigt sich das für Privat- und Unternehmerkunden zuständige Vorstandsmitglied zuversichtlich.

Wero ist spät dran. PayPal, Apple Pay, Klarna, Visa & Co. sind seit Langem etabliert. „Bei der Girocard habe ich gewisse Einschränkungen in der internationalen Verwendung“, sagt Schaufler. Wenn gewährleistet sei, dass der Kunde damit in all seinen europäischen Lieblingsurlaubsländern zahlen kann, dann könne es der erste Schritt der gemeinsamen europäischen Lösung sein. „Wir geben dieser Initiative eine Chance.“

Das tun auch die Deutsche Bank sowie die Volks- und Raiffeisenbanken. Als Vorreiter sieht sich der Sparkassenverband: „Die Sparkassen in Baden-Württemberg stehen geschlossen hinter Wero“, sagte Verbandsgeschäftsführer Ralf Bäuerle bei der Jahrespressekonferenz. Von mehr als zwei Millionen Registrierungen bei Sparkassen stammten rund 15 Prozent –mehr als 300 000 – aus Baden-Württemberg. Dies sei ein wichtiges Signal für den Online-Handel – es lohne sich, Wero als weitere Bezahloption anzubieten. Die Sparkassen wollen die privaten Kunden verstärkt auf Wero ansprechen und im zweiten Halbjahr die Bezahlmöglichkeit im E-Commerce aktiv bewerben.

Bundesbank wirbt unbeirrt für die EZB-Lösung

Die Bundesbank forciert unverdrossen den Digitalen Euro. Im Juni will das EU-Parlament entscheiden. Kommt die EU-Verordnung bis Ende 2026, könnte Mitte 2027 ein Pilotprojekt losgehen – frühester Startpunkt wäre 2029. Bisher haben 13 Länder der Eurozone kein eigenes Zahlungssystem.

Je konkreter sich der Wettbewerb abzeichnet, desto schärfer wird der Ton. Der Sparkassenverband betrachtet das Konkurrenzprodukt „sehr skeptisch“. Der digitale Euro „schafft keinen erkennbaren Mehrwert für die Menschen und ist noch dazu ein überaus teures Projekt für Europas Banken und Zahlungsdienstleister“, so Bäuerle. Zudem verfügten die Verbraucher schon heute über sichere, schnelle und etablierte digitale Bezahlverfahren. „Ein zusätzlicher staatlicher Zahlungsweg schafft vor allem Komplexität.“ Die Verantwortlichen in Europa sollten Wero fördern und „nicht durch einen falsch konzipierten Digitalen Euro beschädigen“.

„Dann sind die Bedürfnisse der Privatkunden sehr gut abgedeckt“

Schaufler argumentiert in dieselbe Richtung: „Wenn die Banken es schaffen, Wero sinnvoll und flächendeckend in Europa einzusetzen, haben wir schon viel erreicht.“ Dann existiere eine europäische Bezahlmethode auf bestehenden Systemen. „Beim Digitalen Euro müsste erst einmal ganz viel neu gebaut werden.“ Grundsätzlich sei die Commerzbank offen für die Idee eines Digitalen Euro, gerade zur Stärkung eines souveränen Zahlungsverkehrs. „Klar ist aber auch: wenn Wero flächendeckend verfügbar ist, sind die Bedürfnisse der Privatkunden sehr gut abgedeckt“, so Schaufler. Dann habe der Kunde die Wahlmöglichkeit zwischen europäischen und internationalen Angeboten.

European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von 16 Banken und Zahlungsdienstleistern aus fünf Ländern, lässt sich das Projekt insgesamt rund 750 Millionen Euro kosten. Erst 2030 werden schwarze Zahlen erwartet. So versucht auch Wero-Chefin Martina Weimert, die EZB vom Digitalen Euro abzubringen: „Die Idee, jetzt noch europäische Standards zu wählen, kommt fünf Jahre zu spät.“ Zudem „schafft der Digitale Euro eine zweite Infrastruktur, die weitgehend noch einmal das Gleiche machen wird und die je nach finalem Design nur teuer für Händler und Banken wird“.

Bis Ende dieses Jahres solle Wero in Deutschland auf zwölf Millionen Kunden kommen – zurzeit sind es rund 7,2 Millionen. „Deutschland ist bisher PayPal-Land“ – diesen Zustand will Weimert bald überwinden.