Digitale Medien halten Einzug in den Schulunterricht. (Symbolfoto) Foto: fancycrave1/Pixabay

Zwei Schulleiter erklären den Umgang mit digitalen Lernangeboten an ihren Gymnasien. Welches Potenzial sehen sie in der „Gamification des Unterrichts“?

I-Pads oder Chromebooks werden im Unterricht immer mehr genutzt. Wie wirkt sich das auf das spielerische Lernen in der Schule – der sogenannten Gamification – aus?

 

Schulleiter Volker Offenhäuser vom Martin-Gerbert-Gymnasium in Horb (MGG) erklärt: „Schon vor der Digitalisierung haben spielerische Übungen ihren Platz in der pädagogischen Diskussion gefunden. In den Sprachen sind Computer- und Videospiele eine gute Möglichkeit, um Vokabeln zu vertiefen und zu wiederholen.“

Auch beim Rechnen findet das spielbasiertes Lernen mit dem „Mathebattle“ Verwendung. „Mit diesem Programm ist eine individuelle Übung für die Schüler und eine Rückmeldung an die Lehrkraft möglich.“

Marginale Rolle im Unterricht

Kai Ullmann, stellvertretender Schulleiter am Albeck-Gymnasium Sulz (AGS) berichtet, wie der Einsatz von Computer- und Videospielen im Schulunterricht an der Schule gehandhabt wird: „Die ‚Gamification des Unterrichts‘ spielt am Albeck-Gymnasium bisher nur eine sehr marginale Rolle im Unterrichtsalltag.“

Auch Tablet-Klassen gäbe es bisher keine. „Wir haben uns gemeinsam mit der Eltern- und der Schülerschaft Gedanken dazu gemacht und uns bewusst gegen den durchgängigen Einsatz von Tablets im Unterricht entschieden“, erläutert Ullmann.

Kein dauerhafter Mehrwert

„Es gibt keine wissenschaftlichen Befunde, die den pädagogischen Mehrwert des dauerhaften Einsatzes von Tablets belegt – das Gegenteil ist der Fall.“ Auch die Finanzierung der Geräte darf nicht unterschätzt werden – bei den etwa 700 Schülern des AGS komme schnell eine große sechsstellige Summe zusammen, betont er.

„Die Geräte müssen immer wieder erneuert oder gewartet werden“, kritisiert er. „Insbesondere im schulischen Dauergebrauch haben die Tablets keine besonders lange Lebensdauer.“ Realistischerweise müssten die ersten Chargen bereits nach drei Jahren ausgetauscht werden.

Die Mischung machts

Dennoch gehöre digitales Lernen zum Unterricht dazu. Ullmann betont: „Das digitale Lernen ist mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Schulalltags, darf aber die klassischen, analogen Lernformen nicht überlagern.

Vielmehr komme es auf die richtige Mischung an, denn Textverstehen, Fremdsprachen- und naturwissenschaftliche Analysekompetenzen würden vor allem auf analoge Weise gewonnen.

Tablet-Klassen vorhanden

Offenhäuser berichtet von seinen Erfahrungen aus Horb: „Wir haben an der Schule Tabletklassen, in denen wir den Umgang mit diesen Geräten erproben. Bei uns hat sich gezeigt, dass die Geräte in den oberen Klassen ab etwa Klasse 9 und 10 besser eingesetzt werden können.“

Ullmann merkt an: „Zum pädagogischen Nutzen digitaler Endgeräte und digitalen Lernens liegen uns leider immer noch wenige Studien vor.“ Dennoch scheint es, als würde digitales Lernen noch lange Gesprächsthema an Schulen bleiben.

Ullmann weiter: „Die Thematik des digitalen Lernens beschäftigt uns im Schulalltag ständig, weshalb wir uns immer wieder damit auseinandersetzen. Wir haben die Ergebnisse der Studien bei unserem letzten Pädagogischen Tag intensiv diskutiert und vertreten deshalb unser Konzept eines gemäßigten Medieneinsatzes.“