Die Stadt Nagold weitet mit der Yona-App ihr Repertoire an digitalen Stadtführungen weiter aus. Die Stadtführerinnen und Stadtführer durften sie vorab testen – eine Funktion hat sie dabei besonders verblüfft.
Eine Gruppe Menschen, die Nagold eigentlich besser als jeder Normalbürger kennen sollten, geistert etwas unbeholfen durch die Stadt. In der Hand, das Smartphone fest umklammert, der Blick, zielgerichtet auf das Display fokussiert. Was die Stadtführerinnen und Stadtführer an diesem Tag so beschäftigt ist klein und unscheinbar, nur knapp 160 Megabyte groß.
Sie durften als Erste Yona testen, eine App, die digitale Städteführungen möglich macht. Mittels AR, augmented reality, zu Deutsch erweiterte Realität, lässt die App die analoge und digitale Welt verschmelzen. Nach der zeigmal-App ist Yona bereits die zweite Smartphone-App, die ein solches Angebot für Nagold bereitstellt. Die Konzeption kostete die Stadt zirka 25 000 Euro.
Stand jetzt sind in Yona zehn Stationen durch AR erweiterbar. Die Technik ermöglicht es etwa, eine Postkutsche von ihrem Weg aus Stuttgart aus zu betrachten oder in die alte Unterführung des Vorstadtplatzes zu schauen. Ein Highlight, so Frank Lemmer, Tourismusbeauftragter der Stadt, sei die Aussicht hoch oben vom Alten Turm.
Eine Keltenfürstin klärt auf
Eigentlich unzugänglich für die Öffentlichkeit, lässt sich über Yona dennoch die ganze Aussicht über der Stadt genießen. Lemmer und sein Team haben dabei keine Mühen gescheut. Zwei Mal haben sie den Aufstieg gewagt – einmal tagsüber sowie nachts – um die gesamte Palette abdecken zu können.
Stets zur Seite, die virtuelle Assistentin Venia. Die Keltenfürstin lässt sich mit nur wenigen Klicks an den Stationen platzieren und klärt dann mit passenden Audiodateien über die historischen Hintergründe der Sehenswürdigkeiten auf. Die Experten sind gespalten: Warum ausgerechnet eine Keltenfürstin als Stadtführerin? Lemmer klärt auf: „Wir sind einfach so weit wie möglich in der Geschichte zurückgegangen, und dabei bei den Kelten gelandet.“
App wird Stadtführungen nicht ersetzen
Elisabeth Lehre ist seit 2017 Stadtführerin, sie testet die App an dieser ersten Tour auf Herz und Nieren. Für Jüngere und Familien sei die App bestens geeignet, findet sie. „Die App spontan runterladen, mal durch das Städtle laufen, den Kindern die Sehenswürdigkeiten zeigen“, dafür sei Yona dann doch ziemlich praktisch.
Bei ihren Führungen werde sie aber wahrscheinlich nicht darauf zurückgreifen. „Die Leute sind dann zu abgelenkt und hören mir gar nicht mehr zu.“ Sie denke eher daran, die App nach ihren Führungen weiterzuempfehlen. „Um ein bisschen auf eigene Faust zu erkunden.“
Anfänge in der Industrie
Joel Oulhai ist Projektleiter bei Yona in Hürth. Er läuft an diesem Tag mit und steht unterstützend zur Seite. Yona, erklärt er, sei 2019 zuerst nur in der Industrie zum Einsatz gekommen, bei Ford und Bayer, für digitale Betriebsanleitungen etwa. 2021 sei dann das erste Projekt im Tourismus gestartet.
Heute können über 40 Städte mit Yona erkundet werden. „Die Leute gehen aktiv in die Stadt, nehmen am Leben teil“, so Oulhai. Die App nehme dabei keinen Raum weg, sie erweitere ihn.
Die App ist kostenlos für Android und iOS erhältlich, personenbezogene Daten sind für eine Anmeldung nicht erforderlich. Einzig die Postleitzahl muss eingegeben werden. Die aktuelle Tour in Nagold dauert rund 90 Minuten.