Unsere Redaktion testet eine digitale Stadtführung in Donaueschingen. Die Tiefe der Information überrascht die Nutzerin. Auch bei Touristen kommt die Option gut an.
Touristen haben eine große Auswahl, wie sie Donaueschingen erleben können. Zwischen geführten Erlebnis- und Stadttouren und zahlreichen Informationsschildern im gesamten Stadtgebiet gibt es seit August 2024 eine neue Option.
Mit der App „Zeigmal“ kann man auf eigene Faust und ganz ohne professionelle Stadtführer die Donauquellstadt erkunden. Das eigene Mobiltelefon fungiert dabei als digitaler Gästeführer.
Die Redaktionspraktikantin Kassandra Lippe kommt aus Freiburg und ist erst seit wenigen Tagen in Donaueschingen – für sie also die perfekte Gelegenheit, nicht nur die Stadt kennenzulernen, sondern im selben Zuge auch den digitalen Gästeführer auf Herz und Nieren zu prüfen. Ihr Erfahrungsbericht: „’Herzlich willkommen in Donaueschingen’, begrüßt die Startseite mit ersten Fakten über die Stadt. Ich wähle die Stadtführung ’Eine Runde durch Donaueschingen’ aus und beginne den Rundweg auf der Käferstraße. Die Tour geht los, aber ich weiß zunächst nicht, wohin. Die App liefert keine genauen Wegbeschreibungen. Die Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten sind nur als Luftlinie eingetragen. Meine erste Station ist das Blaue Rathaus. Ich halte mein Mobiltelefon ans Ohr. In einem Audiobeitrag erfahre ich Details zur Geschichte: Zum Beispiel, dass die Innenstadt 1908 größtenteils abbrannte. Die Erzählerstimme ist authentisch, mit badischem Akzent.
Virtuelle Elemente
Ich aktiviere die Zusatzfunktion Augmented Reality (erweiterte Realität). Beim Blick durch die Handykamera werden dabei virtuelle Elemente in die reale Umgebung eingeblendet. Doch ein unerwarteter Fehler tritt auf, und mir wird nur ein Archivbild des Rathauses angezeigt. Ich wechsle in den Entdeckermodus und spaziere die Karlstraße entlang.
Ein Kompass lotst mich durch die Innenstadt. Mit einem Audiobeitrag zum Donaueschinger Jugendstil und dem Thedy-Gebäude in den Ohren hebt sich mein Blick, und ich entdecke schöne Gebäudefassaden mit Malereien und Erkern mit Buntglasfenstern. Nun liegt ein Hopfengeruch in der Luft, ich passiere die Fürstenberg-Brauerei und mache dann einen Stopp am Hanselbrunnen.
Der Entdeckermodus
Ich wechsle schließlich nochmals in den Entdeckermodus und lasse mich auf die geführte Tour ein, doch die App hat dem Handyakku nun alle Energie geraubt – also bin ich zwangsläufig offline unterwegs. Von der Brücke fällt mein Blick auf drei gehisste Flaggen, unter anderem auch die japanische. Ich entdecke ein Schild, das mir die Antwort zu dieser Frage gibt: Das ist der Mokichi-Saito-Weg, der den Besuch des großen Dichters festhält und die Städtepartnerschaft zwischen Donaueschingen und Kaminoyama feiert.
Kunstinstallationen
Entlang des Weges entdecke ich Kunstinstallationen. Auch ohne digitalen Gästeführer finde ich mich gut zurecht, da zahlreiche Schilder den Weg an der Brigach säumen. Insgesamt war der digitale Gästeführer ein guter Begleiter für meine erste Entdeckungstour durch Donaueschingen. Ich habe schnell eine Übersicht über die Sehenswürdigkeiten bekommen.
Die Audiobeiträge haben eine angenehme Länge von maximal drei Minuten. Die Archivbilder in Kombination mit Augmented Reality sind ein Zusatz, von dem ich mir jedoch mehr erwartet hätte.“ Bei den Touristen komme die App gut an, sagt Stadtsprecherin Beatrix Grüninger. Bereits 1700 Nutzer haben Donaueschingen über die App interaktiv kennengelernt. „Für das erste Jahr sind diese Nutzerzahlen absolut zufriedenstellend.“ Dennoch ist auch die Nachfrage nach buchbaren Erlebnisführungen sehr beliebt: Im Jahr 2025 fanden bis Ende Oktober 143 Gruppenführungen statt, an denen knapp 2200 Personen teilnahmen. „Das sind über 30 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2024“, so Grüninger.
Das ist „Zeigmal“
Rund 50
Städte in Baden-Württemberg lassen sich, kostenlos und ohne Registrierung, durch die Zeigmal-App besichtigen. Unter anderem finanziert vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, richtet sich der digitale Gästeführer auf dem eigenen Smartphone nicht nur an Touristen, sondern auch an Einheimische, die ihre Stadt erkunden wollen. Die Inhalte wurden durch das Team der Tourist-Information konzipiert und erarbeitet. Der Donaueschinger Gästeführer Martin Schorpp hat zahlreiche Geschichten und Anekdoten eingesprochen.