Rosa Gil Rodenas hält mit „Ich habe mal in Oberndorf am Neckar gelebt“ seit 15 Jahren Erinnerungen lebendig und zeigt: Oberndorf bleibt im Herzen – egal, wie weit man weg ist.
Sie hat Freunde wieder zusammengeführt, die in alle Himmelsrichtungen verstreut leben, Erinnerungen an längst vergangene Zeiten geweckt und informiert alle, die Oberndorf vermissen, darüber, was in ihrer Heimat aktuell bewegt: die Facebookgruppe „Ich habe mal in Oberndorf am Neckar gelebt“. Wer Teil der Gruppe ist, was man schon gemeinsam „erlebt“ hat, und welchen großen Wunsch Gründerin Rosa Gil Rodenas hat – wir haben nachgefragt.
Dass ihre Facebookgruppe eines Tages mehr als 1600 Mitglieder haben würde, das hätte Rosa Gil Rodenas nie gedacht. Die gebürtige Spanierin, die in Oberndorf aufgewachsen ist, gründete die Gruppe vor 15 Jahren, um eine frühere Grundschulfreundin zu finden, die ebenfalls „im Dachau“ gewohnt hatte. Und tatsächlich: Etwa zehn Jahre später gelang es ihr.
Virtueller Treffpunkt
Auch wenn die Freundschaft letztlich nicht über die Zeit gerettet werden konnte: Aus der Gruppe wurde ein virtueller Treffpunkt, der viele ehemalige Freunde wieder zusammengeführt hat, und an dem sich die Mitglieder regelmäßig über Früheres und Aktuelles austauschen.
Anekdoten aus 15 Jahren gibt es dabei haufenweise. So fand die Gründerin selbst einen Jungen wieder, den sie seit ihrem achten Lebensjahr nicht mehr gesehen hatte. Sie stehen heute noch in Kontakt.
Trost und Zusammenhalt in der Pandemie
In Erinnerung geblieben ist auch die „Fasnets-Wafa“ 2021, die pandemiebedingt virtuell gefeiert wurde. Die Gruppenmitglieder durften sich Songs wünschen. 68 wurden gespielt, erzählt uns die 56-jährige Gruppengründerin. „Ein wirklich netter Abend in der Pandemie.“
Und sie lernte auch Bürgermeister Matthias Winter über die Gruppe kennen, als dieser den Zutritt beantragte. Sie erzählte ihm, wie sie nach ihrer Oberndorfer Zeit in Magstadt im öffentlichen Dienst gearbeitet hatte, und Winter lud sie dazu ein, sich doch mal persönlich auszutauschen, wenn sie das nächste Mal auf Verwandtschaftsbesuch in Oberndorf sei. Und so kam es im Oktober 2024 – gemeinsames Erinnerungsfoto in der Klosterkirche inklusive.
Suchanfragen nach früheren Freunden, alte Bilder, aktuelle Diskussionen: Es gibt vieles, mit dem die Oberndorfer, von denen manche nur einige Orte weitergezogen sind und andere bis nach Übersee, die Facebookgruppe lebendig halten.
Viele Gastarbeiter unter anderem aus Spanien
Dass das Interesse groß ist, wundert Rosa Gil Rodenas nicht. Durch Firmen wie Heckler & Koch und Mauser habe es in Oberndorf immer ein reges Kommen und Gehen gegeben, und viele Gastarbeiter seien in die Stadt gekommen.
So war es auch bei ihr. Geboren wurde Gil Rodenas im spanischen Albacete, aufgewachsen ist sie in Oberndorf. Ihre Eltern waren als Gastarbeiter bei der Firma Mauser in der Neckarstadt. 2007 folgte Rosa Gil Rodenas ihnen zurück in die spanische Heimat, trotzdem ist der Kontakt nach Oberndorf nie abgerissen, und sie besucht hier regelmäßig Freunde und Verwandte. „Die Gruppe ist eine gute Möglichkeit, in Kontakt und informiert zu bleiben“, sagt sie.
Ordnung schaffen ist wichtig
Damit „Ich habe mal in Oberndorf am Neckar gelebt“ ein Ort bleibt, den die Mitglieder gerne aufsuchen, gibt es für Rosa Gil Rodenas im Hintergrund einiges zu regeln.
„In letzter Zeit hat es überhand genommen, dass negative Beiträge gepostet werden und die Gruppe dafür benutzt wird, Beschwerden loszuwerden“, erzählt sie uns. Das wolle man als weggezogener Oberndorfer nicht wissen. Zu viel Kritisches oder gar Politisches entfernt sie deshalb.
Ein Dorn im Auge ist ihr auch Werbung. „Neueröffnungen sind okay, aber wer ständig für sich wirbt, der fliegt raus“, sagt sie. Es gehe um Nostalgie, positive Entwicklungen und darum, auf dem Laufenden zu bleiben.
Aber auch wenn sie manchmal „Ordnung schaffen“ muss: Darüber, die Gruppe zu schließen, habe sie noch nie nachgedacht. „Da würde ich mir ja ins eigene Fleisch schneiden. Ich möchte ja weiterhin mitbekommen, was in Oberndorf läuft“, sagt sie lachend.
Weitere Gruppe in Spanien
Es ist übrigens nicht die einzige Facebookgruppe, die Rosa Gil Rodenas kuratiert. Sie hat auch eine spanische gegründet, in der es darum geht, die Strände sauber zu halten. Vor der Pandemie hätten sich einige der 160 Mitglieder einmal im Monat zu einer Putzaktion getroffen.
Für die Oberndorfer Gruppe wünscht sich Rosa Gil Rodenas, dass diese noch häufiger geteilt wird, damit weitere ehemalige Oberndorfer einander finden. Eines jedenfalls zeige sie ganz deutlich: die Verbundenheit mit der Neckarstadt.
Und wenn man woanders lebe und dann hierher zurückkomme, erkenne man erst den Wert des Lebens hier. „Oberndorf ist einfach wunderschön“, findet Gil Rodenas, die im trockenen, fast wildwestartigen Albacete vor allem den Neckar vermisst.
Dass sie nach Oberndorf zurückkehrt, hält sie dennoch für unwahrscheinlich – dafür würde ihr die spanische Sonne zu sehr fehlen. Umso schöner, dass ein Stück Heimat für sie jederzeit nur einen Klick entfernt ist.