Gestatten: Dietmar Schönherr. Nein, nicht der, der die Talkshow moderierte. Die Rede ist von Dietmar Schönherr, dem Maler von Abstraktionen, expressiv, mit starken Bewegungsimpulsen, von konstruktivistischen Abhandlungen, kühn aufgebaut und farbstark.
Schönher, der auch Porträts malt, die den Betrachter nicht aus den Augen lassen.
Diese sind die drei Ebenen seines derzeitigen Schaffens, die er nun in einem noch großzügigeren Atelier als bisher im Balinger Kunsthaus von Walter Meinlschmidt ausleben kann. Denn: „Ich male meine Seele“, sagt er über seine Bilder. Viel mehr nicht. Muss er auch gar nicht. Denn in seiner insgesamt 350 Quadratmeter großen Wirkungsstätte im Ceceba-Gebäude an der Rosenfelder Straße gibt es Raum genug, seine Arbeiten zu betrachten oder besser in sie einzutauchen.
Versinken in gellendem Grün, zurückgenommenem Blau und einem kecken Klecks Violett
Zu versinken in den farbigen Dreiklang aus gellendem Grün, zurückgenommenem Blau, begleitendem Schwarz und einem kecken Klecks Violett zum Beispiel. Sicher hat Dietmar Schönherr diese großformatige, expressiv-farbige Abstraktion mit einem spontanen Duktus entstehen lassen.
„Es ist mitunter ein Kampf, der sich am Ende des Mal-Tages anfühlt, als hätte ich schwer körperlich gearbeitet.“ Kampf? Bis es eben stimmt, funktioniert. Nicht wie bei dem Porträt, das ausgearbeitet erscheint, mit dem er aber nicht zufrieden ist und es immer wieder hernimmt.
Dietmar Schönherr scheint wahrlich ein Kämpfer, der sich immer wieder beweisen mag. Früher im Leistungssport als Lang- und Mittelstreckler bei Salamander Kornwestheim, später in seinem Brotberuf als Leitender Kriminaldirektor und gegen eine heimtückische Krankheit. Dabei hat alles so spielerisch angefangen. Schon in der Grundschule hat er sich entdeckt als Künstler und wurde auch später von einem innovativen Kunstlehrer gefördert, der ihm in den wilden 1968er- Jahren nicht zum Mohnblümlein malen zwang, sondern ihn malerisch toben ließ – bis hin zu Popart.
Die Eltern hatten andere Pläne für ihren Sohn
Die Eltern jedoch hatten andere Pläne für ihren Sohn. Etwas „Gescheites“ arbeiten sollte er, an der Fachhochschule studieren und dann bei der Kripo Karriere machen. Das hat geklappt, gemalt hat er nebenbei immer und überall, sogar in einem eigenen Atelier. Die Kripo-Geschichte möchte er eigentlich gar nicht herausgestellt sehen, obwohl es einen nicht unerheblichen Teil seiner Lebensgeschichte darstellt. Er ist eben Künstler, der malt und malt, konstruiert, expressiv verformt oder androgyne Porträts schafft – immer von vorn, dem Betrachter direkt in die Augen schauend, mit schmaler Nase, ausdrucksstarkem Mund und Ohren, die groß genug sind, wie ein Schalltrichter alles einzusammeln.
Dabei hat er sich nicht allein auf sein Talent verlassen, sondern viel Geld in die Hand genommen, um bei keinem Geringeren als bei einem der bekanntesten Künstler, nämlich Markus Lüpertz, ein dreijähriges Studium zu absolvieren. Geschwitzt hat auch er, wenn der Malerfürst zur Bildbesprechung angekündigt war. „Ich habe einen Lehrer gesucht, der nicht so glatt war. Lüpertz ist streitbar, das gefällt mir.“ Kunst müsse anecken, aufregen, anregen. So wie seine Bilder, die im In- und Ausland ausgestellt werden. Und weil er eben dreischichtig malt, steht eine große Ausstellung in Nürnberg an über drei Ebenen. Und im September lädt er ein zur Ateliereinweihung mit geladenen Gästen, die seine drei Ebenen auf einer Ebene mit ihm feiern.