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Dietingen Schwarzwälder Baumhaus-Prototyp realisiert

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An einem der heißesten Tage des Jahres wurde das Baumhaus im Juli in Dietingen aufgerichtet. Foto: Sinn

Dietingen - In den Traum vom Leben zwischen Himmel und Erde, vom Leben im Baum, fließen bei Nico Pfisterer 30 Jahre Lebens- und Lernjahre im In- und Ausland ein. Dann folgte sein Meisterstück: Nach zwei Jahren Planung konnte er in Dietingen sein erstes Schwarzwälder Baumhaus realisieren.

Wer einmal eine Nacht in einer Baumhütte verbracht hat, hoch über dem Boden, zwischen Himmel und Erde, dem Wesen Baum ganz nah, der weiß um dieses wohlige Gefühl: Sein in Einheit mit der Natur, inmitten von Geäst. Das Gefühl von Freiheit spüren, auch wenn der Boden womöglich etwas wackelig ist oder vielleicht gerade deshalb.

Was braucht ein Mensch zum Wohnen, zum Leben, wie viel? Wie muss der Raum beschaffen sein, welche Größe entspricht den menschlichen Bedürfnissen? Lässt sich gutes Leben auf wenigen Quadratmetern leben? Das waren die Ausgangsfragen, denen Nico Pfisterer - seit rund 30 Jahren selbständiger Schreiner und Zimmermann - nachgegangen ist und der damit einen Zeitgeist trifft: weniger ist mehr, Reduktion statt Ausdehnung, Tiny House, statt Riesenvilla.

Aufgewachsen ist der 45-Jährige in Oberndorf a. N.ckar, die Natur war immer ein Teil von ihm. Mit der Umwelt leben, nicht gegen sie, ist sein Credo. "Für mich war es wichtig, für dieses Haus möglichst wenig Grundfläche und Ressourcen zu verbrauchen", sagt Nico Pfisterer über sein Konzept. Damit lag es auch nahe, ein Haus im Baum zu bauen, zumindest einem Baum nachempfunden.

Von der Vision zur Idee

Die Vision reifte in den vergangenen Jahren zur konkreten Idee. Natürlich sollte der "Stamm" des Hauses aus Holz sein. Vor zwei Jahren entfalteten sich dann die ersten Zeichnungen mit dem ersten schwungvollen Bleistiftstrich: eine gebogene Holzstütze, auf dem ein Haus ruht. Mit der ersten Bleistiftzeichnung und dem Konzept ging Nico ­Pfisterer zu einem vertrauten Fachmann. "Zusammen haben wir getüftelt und die Idee des Baumhauses dreidimensional in ein Holzbau-Programm gebracht", erzählt er. Heraus kam ein Konzept, noch kein fertiger Entwurf. Damit ging es dann zum Statiker.

Volumen und Gewicht wurde auf die Konstruktion gepackt, neun hölzerne Bögen, aus Brettschichtholz formvoll­endet als Freiform verleimt, nach oben strebend, werden mit schweren Stahllaschen im Fundament am Boden verankert. Aber mit dem puren Rechnen kamen die Tüftler an ihre Grenzen. "Irgendwann waren wir an dem Punkt, da haben wir gesagt: Jetzt rechnen wir nicht mehr, jetzt bauen wir", erinnert sich der 45-jährige Zimmermann.

Die Form und das Konzept des Baumhauses sind speziell. Nico Pfisterer wollte auf Nummer sicher gehen: Während der zweijährigen Planungsphase hatte er nur mit wenigen über seine Idee gesprochen. "In der Entwicklungsphase habe ich nur den Konstrukteur und den Statiker über das Projekt eingeweiht."

Nach der Patentanmeldung kam die Zimmerei Seeburger aus Irslingen mit ins Boot. Deren Slogan hatte Nico Pfi­sterer eines Tages auf einem Baufahrzeug gesehen: "Vom Baumhaus zum Traumhaus". "Das hat mich sofort angesprochen", sagt er. Seither hat er mit der Zimmerei einen Partner an seiner Seite, der ihm beim Abbund des kleinen Hauses in vier Meter Höhe unterstützt hat. Auch beim Aufrichten war der Betrieb mit von der Partie.

5,80 mal 5,80 Meter

Das Baumhaus selbst hat eine Grundfläche von 4,40 mal 4,40 Meter, die Nutzfläche beträgt 5,80 mal 5,80 Meter, um das Haus führt also ein rundum laufender Balkon. Der Zugang zu der vier Meter hohen Plattform erfolgt mit einer Holztreppe von unten, durch das "Geäst", also den gebogenen Stützen, gelangt man durch eine Klappe nach oben in das Haus.

Der "Stamm" ist über einen Stahlring im 80 Zentimeter starken Fundament befestigt. Dessen Grundfläche beträgt etwa zwei mal zwei Meter. "Ich habe hier weniger Fläche versiegelt, als wenn ich das Haus mit seiner Grundfläche auf einem Fundament stehen hätte", sagt Pfisterer, der sich nicht nur dem ökologischen Bauen verschrieben hat, sondern auch der Philosophie des minimalistischen Lebens und Wohnens.

"Ich habe jahrelang mit meiner vierköpfigen Familie auf 50 Quadratmeter gewohnt", sagt er. Ein Jahr lang war er auf See und hat dort auf engem Raum in Gemeinschaft verbracht. "Da lernt man, sich einzuschränken oder nur auf das Wichtigste zu besinnen", sagt Pfisterer und klingt so, als ob ihm das nicht schwergefallen wäre.

Das Baumhaus selbst hat mit der Schlafstätte im Giebel 25 Quadratmeter. Ansonsten gibt es alles dort: Eine kleine Küche mit Gasanschluss, Waschmöglichkeit aus einem Wassertank, Strom, der aus der Photovoltaik-Zelle gespeist wird, und eine Trockentoilette. Alles vereint auf kleinstem Raum - 100 Prozent autark.

Schnelle Montage

Nach der langen Vorbereitungszeit mit Standortsuche, Vorsprechen im Gemeinderat, Vormontage und Abbund war dann im Juli, in der heißesten Woche des Jahres, die Zeit für das Aufrichten gekommen. Das Baumhaus steht auf dem Grundstück eines landwirtschaftlichen Anwesens mit angeschlossenem Gastronomiebetrieb im Außenbereich und soll zu einer Ferienhaus-Siedlung werden.

Auf das vorbereitete Fundament wurde eine runde Stahlplatte montiert. Die im Kreis angeordneten Brettschichtholzbinder bilden den "Grundstamm", die Binder sind mit Stahllaschen am Fundament montiert. Nach oben verlaufend formen sich die Brettschichtholzträger wie "Äste" nach außen und formen die Krone, auf der die Plattform ruht.

Mit einer sternförmigen Stahlverstrebung in etwa 1,50 Meter Höhe wird die Kon­struktion stabilisiert. Die 18 Zentimeter starke Plattform aus fünffach verleimtem Brettsperrholz wurde dann von den Handwerkern auf die gekrümmten Brettschichtholzträger montiert und verschraubt. Darauf folgte die 5,80 mal 5,80 Zentimeter Unterkonstruktion in Holzrahmenbauweise für den Wandelgang.

Die 18 Zentimeter dicke Unterkonstruktion der Haus-Grundfläche wurde mit Zellulose gedämmt. Diese wurde von den Handwerkern von Hand eingebracht. Die Unterkonstruktion verschalten die Zimmerer mit OSB-Platten (Grobspanplatten).

Für Übernachtungen

Im nächsten Schritt brachte der Kran die Hauselemente auf die Plattform. Diese wurden auf der Plattform in die Unterkonstruktion verschraubt. Am selben Tag wurden noch die Dachsparren und die Schalung montiert. Das Dach selbst ist aus Bitumenschindeln.

Danach folgte die Inneneinrichtung, die in Eigenregie entstand. Die Innenwände sind in Weißtanne gehalten, der Boden ist aus geölter Buche. Gedämmt sind die Wände und das Dach mit Holzfaserdämmstoff. Im Dachgiebel kann eine Schlafkoje untergebracht werden.

Der nächste Schritt ist die Serienproduktion, zunächst muss sich das Konzept allerdings herumsprechen. Der Prototyp des Baumhauses kann für Übernachtungen gebucht und auch besichtigt werden.  

Der Autor Rüdiger Sinn ist Redakteur der Zeitschrift dach+holzbau.

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