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Dietingen Holz sinnvoller als Stahl

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Das Joch für die B-Glocke (linkes Bild) muss 493 Kilogramm und jenes für die Es-Glocke (rechtes Bild) 315 Kilogramm tragen. Die Bezeichnungen "b" und "es" sind nach der Tonhöhe erfolgt. Beide Gößlinger Glocken aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehören zu den ältesten im Landkreis Rottweil. Fotos: Pfannes Foto: Schwarzwälder Bote

Wer Gelegenheit erhält, einen Kirchturm zu besteigen, bekommt Einblick in die Geschichte des Gotteshauses. In St. Peter und Paul in Gößlingen rücken automatisch Glocken und Joche ins Blickfeld.

Dietingen-Gößlingen. Zwei der drei Glocken weisen ein beinahe biblisches Alter auf. Die Geburtsstunde von B-Glocke und Es-Glocke reicht in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Beide werden in Verbindung mit der Nachfolge der Gießhütte Hainrich des Glogners (Rottweil) gebracht. Die dritte ist jüngeren Datums und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Kirchengemeinde Dotternhausen gekauft.

Ganz neu (2015) sind dafür die Joche aus Holz, an denen die zwei älteren Glocken hängen: 493 Kilogramm wiegt die B- und 315 die Es-Glocke. Thomas Bischof, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, berichtet über Damals und Heute.

Während der Außenrenovation der Gößlinger Kirche in den Jahren 2004/05 kamen drei im Turm deponierte alte Glockenjoche wieder ins Bewusstsein der Gemeinde. Eines ist mit der Jahreszahl 1756 datiert, ein zweites etwa baugleich, und das dritte stammt aus dem Jahr 1822.

B-Glocke durfte bleiben

Damals hingen die zwei größeren Glocken, mit die äl­testen im Landkreis Rottweil, an je einem Stahljoch. Diese sind wahrscheinlich nach dem Zweiten Weltkrieg montiert worden. Lediglich eine der älteren Glocken musste einst, 1943, abgeliefert werden. Sie sollte eingeschmolzen werden für Kanonen. Sie kam aber 1948 aus Bremen zurück und wurde damals mit Jubel empfangen. Von Bürgermeister Pius Bühler ist aus diesem Anlass sogar ein Gedicht überliefert.

Dass besagte Stahljoche durchaus Nachteile haben und zwar in erstaunlich kurzer Zeit, zeigte sich, als ein Glockensachverständiger der Diözese einen Bericht über seinen Ortstermin vom November 2011 verfasst hatte. Der Rat lautete, die stählernen Joche durch welche aus Holz zu ersetzen. Stahl sei zu hart, die Glocken gerieten in Gefahr, Risse zu bekommen. Und: Stahl übertrage jeden Schlag auch auf das Gebäude. Holz sei dafür wesentlich ela­stischer, es nehme die Glockenschläge auf und dämpfe sie. Eine Eigenschaft, über die Stahl nicht verfüge.

Joch Nummer fünf

Gößlingen ist kein Einzelfall gewesen. In den Jahren nach 1945 wurden in mehreren Glockenstühlen Stahlkon­struktionen eingebaut – und in der jüngeren Vergangenheit durch Holz ersetzt. Rottweil und Heilig Kreuz (2012) sind ein markantes Beispiel. Gößlingen kam 2015 an die Reihe. Der Austausch der Joche ging relativ schnell.

Vorbild für die zwei neuen Exemplare in Eiche war für die ausführende Firma, die Glockengießerei Bachert (Karlsruhe), jener Vorgänger von 1756. Diese zwei Joche sind mittlerweile die fünften im Gößlinger Glockenstuhl. Nummer zwei ist auf 1490 datiert, wahrscheinlich der Beginn der Umbaumaßnahme (Gotik), die 1518 ihr Ende fand und in diesem Jahr (500. Jubiläum) gefeiert wurde (wir haben mehrfach berichtet). Als Nummer drei gilt besagtes Joch von 1756, Nummer vier waren die stählernen Joche aus der Nachkriegszeit. Und bei Nummer fünf wird in Gößlingen gehofft, dass beide den Glocken zugute kommen und eine Lebensdauer von mindestens 150 Jahren haben.

Damit nichts schief gehen kann, so berichtet Thomas Bischof weiter, müssen die Schrauben regelmäßig innerhalb von fünf Jahren von der Firma zwölfmal nachgezogen werden. Nebenbei: Zwei Läuteräder (verzinkt) und drei Klöppel mit etwas weicherem Stahl sind seit März 2015 ebenfalls neu wie je drei Antriebsketten und Läuteseile (Die Zeiten, als Ministranten fürs Läuten zuständig waren, sind schließlich längst passé).

Relativ profan liest sich dafür die Rechnung. 9283 Euro musste gezahlt werden, teilt Bischof mit. Gerechnet hatte die Kirchengemeinde sogar mit Ko­sten von 15 000 Euro.

Während des Besuchs des dreifeldrigen Glockenstuhls von St. Peter und Paul bleibt das Geläut stumm. Es entfaltet seine volle klangliche Dimension in der kleinen Kirchengemeinde täglich um 17 Uhr.

Wasser und Elektrik

Die Sorge und Pflege des Gotteshauses endet selbstverständlich für die rührigen Mitglieder der Kirchengemeinde nie. Im Mai wurde die Reparatur eines Sturmschadens vom Januar erledigt. Derzeit laufen die Planungen für die Verlegung einer neuen Wasserleitung für Kirche und Pfarrhaus. Die alte, wahrscheinlich aus dem Jahr 1930, als in Gößlingen Wasserleitungen installiert wurden, hat sich 2017 mit einem Rohrbruch zu Wort gemeldet. Derzeit ist sie in der Kirche abgestellt. Wasser für den Friedhof befindet sich als Provisorium in einem Fass, das von Hand befüllt wird.

Als weiteres Projekt steht eine neue Elektrik für die Sa­kristei in der Pipeline. Und die Innenrenovation von St. Peter und Paul, seit 2015 im Gespräch, ist ebenfalls nicht vergessen.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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