Wenn es an diesem Samstag im Katzenmusikstüble in Villingen heißt „Aber bitte mit Schlager!“, dann ist ein Musikerlebnis zu erwarten, das man ansonsten nur in Berlin erleben kann.
Dieter Hahne gilt in Villingen als Musikerlegende und das, obwohl er schon seit über 50 Jahren nicht mehr hier, sondern in der deutschen Hauptstadt lebt.
Zwei- bis dreimal im Jahr besucht der 76-Jährige die Heimat und dort seinen älteren Bruder Jochen, den im Städtle bekannten Pressefotografen.
Doch seit dem vergangenen Jahr bleibt es nicht beim Besuch und dabei, sich mit Musikerfreunden zur privaten „Session“ zu treffen.
Im Herbst trat „The Cock“, als der er seit seinen Villinger Tagen auch genannt wird, nach dem letzten Neujahrskonzert von „Cock’s Combo“ vor rund zehn Jahren zum ersten Mal wieder in seiner Heimatstadt auf. Das Vereinsheim „Zur Hoorige Katz’“ war an zwei Abenden voll besetzt und die Stimmung ausgelassen. Und an diesem Wochenende gibt es davon eine Neuauflage.
Aus der Hafnergasse
Dieter Hahne stammt aus der Hafnergasse und wuchs rund um den einstigen Bauernhof „Inselhof“ auf, an dessen Stelle heute das gleichnamige Parkhaus steht. Zur Inselhof-Bande gehörte Herbert Metzger, genannt „Goofy“, der seinen Freund Dieter eines Tages mit zu seinem Gitarrenlehrer Rudi Streit nahm.
Dieser, in Villingen seinerzeit ein bekannter Musiker und Fastnachter, brachte dem Heranwachsenden das bei, was schließlich zur Gründung der Band „The Screaming Lions“ führte, einer Band, der noch viele weitere wie „The Screaks“, „The Beatniks“, „Be Nice“ und „Rope Sect“ folgen sollten.
Die Glonki-Lumpen
Letztgenannte Combo führte Dieter Hahne einige Jahre später auch auf die Fastnachtsbühne. Als „Glonki-Lumpen“ trat er mit seinen Jungs, auch noch von Berlin aus, bei den Glonkibällen mit selbstgetexteten Liedchen zu bekannten Schlagermelodien auf.
Nach dem Besuch der Buben- und der Mittelschule nahm Dieter Hahne als 16-Jähriger die Ausbildung zum Industriekaufmann bei Kienzle Apparate auf und zog sie auch durch, allerdings mit nur wenig Enthusiasmus. Den Kontakten durch seine Musik verdankte er 1972 eine Stelle bei Brunner-Schwers MPS-Records, wo er für Promotion und die Fertigung von Plattenhüllen zuständig war.
Nach Berlin
Dem mittlerweile Vorsitzenden des Jazzclubs Villingen vermittelte ein Jazzer 1975 eine folgende Anstellung bei der Plattenfirma „Free Music Production“ (FMP) in Berlin. Dieter Hahne erinnert sich noch gut an die erste Zeit in einer kleinen Wohnung im Wedding. „Meine Umzugskartons habe ich gar nicht alle ausgepackt, weil ich dort nicht bleiben wollte“. Er vermisste sein Villingen, seine Familie, seine Freunde. Doch er blieb, freundete sich mit der Großstadt an, heiratete 1990.
Von 1984 bis 1992 führte er nebenher mit „Jazzcock“ ein eigenes Geschäft mit Jazz- und Blues-Schallplatten, wechselte 2000 von FMP ins Produktionsbüro der Berliner Festspiele für „JazzFest Berlin“ und 2004 noch einmal zur GEMA als Berater in Urheberrechten. Vor fünf Jahren starb seine Frau, vor zwei holte die FMP ihn zurück. Bis heute ist er dort für Honorar- und Lizenzabrechnungen sowie GEMA-Angelegenheiten zuständig.
Musik blieb stets sein Begleiter. Als Bassist war er in Berlin zehn Jahre lang mit der Rockgruppe „Rumble Pie“ unterwegs und als Gitarrist und Sänger im „Vintage Two“. Seit dem Tod seines Mitspielers vor kurzem reist Dieter Hahne alleine durch die Lande und über die Musikbühnen.
Und jetzt Schlager
Was er selbst nie für möglich gehalten hätte: Inzwischen sind es die guten alten deutschen Schlager der Wirtschaftswunderzeit, die die Massen bewegen. Als ihm im Frühjahr 2024 vor einem Solo-Auftritt bei einem Sportverein im Brandenburgischen die Schlager-Harmonien durch den Kopf gingen, die er damals schon bei Rudi Streit gelernt und auf der Glonki-Bühne eingesetzt hatte, stellte er sein Programm kurzerhand um und löste damit einen Hype aus.
Seitdem ist er, freilich nach wie vor Fan von anglo-amerikanischen Rock- und Pop-Klassikern, auch im Berliner Raum mit seinen Schlagerkonzerten unterwegs. Und er gehört zu jenen Künstlern, die man nicht lange bitten muss, die ein oder andere Zugabe zu gewähren. So kommen schon fünfstündige Konzerte zusammen.
Das er das nach wie vor gut durchhält, führt Dieter Hahne auf seinen seit drei Jahren geläuterten Lebensstil zurück. Kein Alkohol, gesunde Ernährung und viel sportliche Bewegung gehören in sein Tagesprogramm. Dadurch bleibt auch genug Energie, um das Schlagerrepertoire immer weiter zu ergänzen.
Neu im Programm hat Dieter „The Cock“ Hahne schon fast vergessene deutsche Schlager wie „Kalkutta liegt am Ganges“ von Vico Torriani, „Knallrotes Gummiboot“ von Wencke Myrrhe und „Schwimmen lernt man im See“ von Manuela.