Die Bisinger Hexen feiern an diesem Wochenende ihr 70-jähriges Bestehen. Wie die Gruppierung einst entstanden ist.
Im Gasthaus Rose, dem Stammlokal des Fußballvereins Bisingen, saßen am Fasnetdienstag 1955 einige Fußballer zusammen. Zuvor hatten sie für ihre verletzten Mitspielerkameraden Geld gesammelt. Nach längerer Beratung kam der Gedanke auf, in der Verkleidung als Wedelweible diese Sammelaktion fortzusetzen. Der Grundstein war gelegt und fortan und dies bis zum heutigen Tage ziehen die Bisinger Fußballer an der Fasnet als Hexen durch die Straßen. Bereits ein Jahr später bildete sich eine begeisterte Gruppe von Hexenmitgliedern in rot-schwarzen Altweiberkleidern, mit Gummimaske, Besen und Strohschuhen. Zum Großteil waren dies die Urhexen (Gründungsmitglieder) der Bisinger Hexen.
Eine Maske aus Holz
Der Hexenglaube des 18. und 19. Jahrhunderts spielt eine wichtige Rolle im Fasnetbrauchtum. Eine nicht unwichtige Rolle spielte das in die Bisinger Sagenwelt eingegangene Wedelweible. Kommend aus dem Kirchhölzle zwischen Bisingen und Engstlatt hatte die Hexe es auf Kinder abgesehen.
Die Mitgliederzahl der Bisinger Hexen wuchs von Jahr zu Jahr. Im Laufe der Zeit erschienen die ersten Holzmasken. Der Steinhofener Mitbürger Oskar Fecker fand eine alte überlieferte Holzmaske von 1864 und entwickelte daraus die Bisinger Hexenmaske. Sie umfasste eine große ausgeprägte Hakennase und einen breiten Mund mit Lückengebiss. Das hervorstehende Kinn hat eine schwarze Warze.
Die tief liegenden Augen sind von den stark ausgeprägten Augenbrauen überschattet. Über der Stirn zeigt sich dagegen ein schwarzer Haaransatz an dem ein rotes Kopftuch befestigt ist. Ebenso wurde im Zusammenhang mit den Holzmasken das Häs festgelegt, wobei Rot und schwarz das Höllenfeuer und die unheimliche Dunkelheit (Schwarz) zum Ausdruck brachten. Die später neu angefertigten Holzmasken wurden von der Maskenschnitzerin Gretel Stoll aus Furtwangen angefertigt.
Mit Hexenhäuschen und Fangkäfig beim Umzug
An originellen Ideen und Brauchtumserweiterungen fehlte es der Bisinger Hexengruppe nie. So nahmen sie schon in den 50er-Jahren mit Hexenhäuschen, Fangkäfig und ähnlichem an den Umzügen teil. Sie erstellten einen Hexenhaus mit Karussell, von dem aus die Hexen mit Saublasen auf die Menschenmengen einschlugen. Das Fahrzeug wurde durch Getränke-Haaf zur Verfügung gestellt. Ebenso erhielten die Autos von Dr. Hacker (Oberhexe) und Willi Kress närrische Verkleidungen und konnten dadurch im Umzug integriert werden.
Seit 1991 gibt es den Schlösslesteufel
Auch in der Vergangenheit verstanden es die Hexen, die anfallenden Jubiläen zusammen mit der Öffentlichkeit zu feiern. Zu ihrem 40-jährigen Bestehen stellten sie 1995 erstmals einen Hexenbaum, bestehend aus sieben Hexenbesen, worauf eine Bisinger Hexe und seit nunmehr 1991 der als Einzelfigur ins Leben gerufene Schlösslesteufel abgebildet sind. Von der Ortsfasnet aber auch weit über die Gemeinde hinaus sind die Bisinger Hexen nicht mehr wegzudenken. Nun wird am Wochenende erstmal das 70. Jubiläum kräftig gefeiert.
Seit 1977 zählen die Bisinger Hexen zu den Gründungsmitgliedern des Narrenfreundschaftsring Zollernalb. Ebenso aber auch zu den ältesten Zünften im Zollernalbkreis. Außerdem werden sie seit 2 Jahren als „Immaterielles Kulturerbe“ geführt.
Ringtreffen an diesem Wochenende
Samstag
Das Programm beginnt am Samstag, 8. Februar, um 10.30 Uhr mit einem Kinderzunftmeisterempfang, der anschließenden Kindermesse um 11 Uhr und von 13.30 Uhr an dem Kinderringumzug. Am Abend von 19 Uhr an findet der große Brauchtumsabend mit musikalischen Darbietungen statt.
Sonntag
Am Sonntag 9. Februar, beginnt das Programm um 9 Uhr mit einer Narrenmesse an die sich ab 10 Uhr der Zunftmeisterempfang anschließt. Der Ringumzug durch Bisingen beginnt dann um 13.30 Uhr.