Gemeinsam ist man stärker: Rund 40 Brummi- und Truckerfahrer haben sich am Freitag in Weilstetten, dem Startpunkt, zu der Protestaktion versammelt. Foto: Ungureanu

Zahlreiche Autofahrer kamen am Freitagnachmittag auf den Bundesstraßen 27 und 463 nur im Schneckentempo voran – Grund war eine Protestaktion von Brummi- und Traktorfahrern gegen die hohen Dieselpreise.

Balingen-Weilstetten - Sprüche wie "Schluss mit der Abzocke!" oder "Ihr macht uns alle kaputt!" war auf den Schildern zu lesen, die die Demo-Teilnehmer an ihren Lastwagen und Traktoren angebracht hatten.

"Diesel auch noch teurer als Benzin"

Rund 40 Fahrzeuge aus dem Zollernalbkreis, zudem noch ein paar aus dem Nachbarkreis Tuttlingen, hatten sich am frühen Nachmittag im Weilstetter Gewerbegebiet "Rote Länder" versammelt. Auf Dieselsprit zahle man sowieso höhere Steuern, und jetzt sei Diesel auch noch teurer als Benzin, machte ein Teilnehmer seinem Unmut Luft. Mit der Aktion wolle man die anderen Verkehrsteilnehmer "aufwecken und ihnen klar machen, dass es so nicht weitergeht". Adblue? Ursprünglich habe das 19 Cent pro Liter gekostet, jetzt koste es 1,50 Euro.

"Alle sind betroffen"

Er vermiete seine Laster, sagt ein Unternehmer aus dem Raum Albstadt. Derzeit sei der Sprit "pro Reifen" um rund 100 Euro teurer als zuvor. Von den Traktoren ganz zu schweigen: "Dort sind es wahrscheinlich 800 Euro pro Reifen." Der Preis gehe in die Höhe, die Fahrer warteten auf den Zahltag: "Wir werden ausgemolken, bis wir nicht mehr können." Betroffen seien alle – die Lebensmittelindustrie, die Handwerker und die Landwirte.

Landwirte, sagte ein Teilnehmer, sollen jetzt 15 Prozent ihrer Flächen nicht mehr bewirtschaften. Getreide und Sonnenblumenöl seien gefragt, "und der Düngerpreis geht durch die Decke". Der Ukraine-Krieg? Der habe damit nichts zu tun, sagt der Mann. "Der Barrel-Preis ist so niedrig wie noch nie." Alles werde teurer, bestätigt eine Frau. Die einfachsten Dinge für den Alltagsgebrauch. Hygieneartikel, Mehl, Öl seien Mangelware.

Staat soll endlich aufwachen

Was versprechen sie sich von den Protestaktionen? Der Staat, erklären die Demo-Teilnehmer, solle "endlich aufwachen, bevor alles kaputt ist." Immer mehr Betroffene würden an den Protesten teilnehmen: "Vergangene Woche waren wir mit elf Fahrzeugen unterwegs, diesmal sind es gut 40." Und ein Mann verspricht: "Wir machen weiter. Wir machen alles dicht, die Tankstellen und die Straßen."

Ein lautes Hupkonzert gibt das Signal zum Start. Vorneweg fährt ein kleiner Renault Twingo mit einem großen Protestschild hinten dran.

Es geht in Kolonne Richtung Endingen und Bisingen auf der B27, dann sollte es über Haigerloch in Richtung Empfingen und wieder zurück gehen. Kurz vor Haigerloch schritt indes die Polizei ein und leitete die Kolonne über Landesstraßen ab – in Richtung Rangendingen und Grosselfingen. Über Bisingen ging’s dann wieder zurück