Anette Brugger ist mit dafür verantwortlich, dass Parkinson-Patienten hier jetzt zum Tischtennisschläger greifen können – mit überraschenden Resultaten. Foto: Martin Disch

Physiotherapeutin Anette Brugger bringt Parkinson-Patienten in Villingen-Schwenningen an die Platte – und bremst mit Tischtennis Symptome und Isolation.

Klack, pock, klack, pock… Wie das Ticken einer Uhr klingt der Tischtennis-Rhythmus durch die Sporthalle der Bickenbergschule.

 

Da, wo am späten Nachmittag und am Abend die Mitglieder der DJK-Tischtennisabteilung ihre Trainingsstunden abhalten, stehen am frühen Freitagnachmittag an sechs Tischtennisplatten zwölf bis 14 Männer und Frauen in Trainingsanzügen an den Platten.

Der Rhythmus ist langsamer, die Schmetterbälle und die Abwehr der Bälle zeugen davon, dass hier eher Laien am Werk sind. Und tatsächlich: Hier spielen keine Profis, sondern Frauen und Männer mit körperlichen Einschränkungen. Sie haben Parkinson.

Was hier wirklich zählt

Im Training geht es nicht darum, das Gegenüber von der Platte zu putzen. „Unser Ziel sind möglichst lange gleichmäßige Ballwechsel“, erzählt ein Teilnehmer. Jeder spielt mal gegen jeden. Und jeder hat eine Betreuerin an ihrer Seite. Anette Brugger, die selbst aktiv in der DJK Tischtennis spielt und sogar der Abteilung vorsteht, hat das Projekt zu Jahresbeginn initiiert. Sie ist Physiotherapeutin und weiß um die körperlichen Einschränkungen dieser Patienten. Bei der DJK werden seit Jahren Inklusionsangebote für Menschen mit Behinderungen bundesweit ausgeschrieben – für Brugger war sofort klar, dass man ein solches Angebot hier in Villingen unterbreiten kann.

Die Teilnehmer schreiben sich als Mitglieder in der DJK ein. „Wer die Diagnose Morbus Parkinson erhält, bekommt zwei Empfehlungen: Medikamente einzunehmen und sich regelmäßig zu bewegen. Ärzte schicken Betroffene dafür auch an die Tischtennisplatte“ so Brugger.

Nachweis erbracht

Seit einigen Jahren gibt es eine Aktion, die sich Ping-Pong-Parkinson nennt und von Nenad Bach und Will Shortz – der eine Ingenieur und Musiker, der andere Redakteur und Tischtennisspieler, initiiert wurde. Als Bach an Parkinson erkrankte und mehr und mehr die Kontrolle über seine Finger verlor, musste er seine Gitarre zur Seite legen. Eher zum Zeitvertreib ging er mit seinem Kumpel Will zum Tischtennis und war verblüfft, wie gut es ihm tat. Das regelmäßige Training, so wird erzählt, führte dazu, dass Bach seine Finger wieder besser bewegen konnte.

Die fortschreitende Verschlechterung der Symptome der Parkinson-Krankheit wird – nachweislich – durch das Spielen von Tischtennis verlangsamt. „ Das Konzept von Ping-Pong-Parkinson (PPP) beruht darauf“, so Brugger, „dass es Tischtennis für jedermann mit Parkinson, wohnortnah und völlig unabhängig von den persönlichen Eignungen, also auch für Anfänger, anbieten möchte. Neben die unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen tritt, dass PPP das Betreuungspotenzial einer echten Selbsthilfegruppe hat. Mit dem großen psychologischen Vorteil, nicht zur Selbsthilfe zu gehen, sondern zum Tischtennis“.

Tatsächlich preisverdächtig

„Es macht Freude zu sehen, wie die Teilnehmer mit Freude zum Training kommen, Wie sich mit ihren Kollegen/innen in der Pause unterhalten und sich in der Gemeinschaft wohlfühlen. Wenn einer eine Pause benötigt, dann ist sie ihm gegönnt. Kein Stress, sondern Freude an der Bewegung“, so Brugger Gerade diese Punkte waren Anlass der AOK Villingen der Abteilung beim Sportlerball in der neuen Tonhalle den Nachhaltigkeitspreis im Bereich „Ökologie/Gesundheit und Soziales“ zu überreichen.