Im Januar 2025 wurden vier Flugzeugbunker im Westareal am Flughafen abgerissen (Foto). Jetzt ist das Ostareal dran. Foto: Zweckverband

Die Stadt hat noch knapp zwei Jahre Zeit, um die Spuren des Kalten Krieges auf dem Flugplatz-Ostareal zu beseitigen

Die Stadt muss jetzt handeln, denn der Vertrag vom 30. Dezember 1996, mit dem der Erwerb des Flughafenareals Ost und West von der Bundesrepublik Deutschland besiegelt wurde, lässt ihr keine andere Wahl. Käufer waren die Stadt Lahr und die Gemeinde Friesenheim. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen.

 

Warum ist die Stadt jetzt zum Handeln gezwungen?

Beim Kauf hatten sich die Kommunen zum Abbruch der Gebäude auf dem einst von der kanadischen Armee genutzten Gelände verpflichtet. Daraufhin wurden die geschätzten Abbruchkosten von knapp zehn Millionen Euro vom Kaufpreis abgezogen – unter der Voraussetzung, dass die Gebäude bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auch wirklich entfernt werden. Falls das nicht passiert, drohen Lahr und Friesenheim Nachzahlforderungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Wie viel Zeit hat die Stadt noch?

Der Handlungsbedarf wird immer dringender, denn die vertraglich vereinbarte Abbruchfrist endete bereits am 31. Dezember 2023. Daran hat sich freilich eine Überziehungsfrist von vier Jahren angeschlossen. Spätestens zum 31. Dezember 2027 müssen die Abbruchgebäude und baulichen Anlagen im Ostareal nun aber zurückgebaut sein. Nachzulesen ist das in der Vorlage für die Gemeinderatssitzung am Montag, 23. Februar – dann steht das weitere Vorgehen auf dem Flugplatz auf der Tagesordnung.

Um wie viele Gebäude geht es?

Laut Stadt müssen 32 Objekte entfernt werden. Konkret handelt es sich um 23 Gebäude, außerdem um fünf technische Anlagen, vor allem Gebäudehüllen alter Trafostationen. Darüber hinaus muss ein Tanklager zurückgebaut werden, bestehend aus einer Trafostation, zwei Treibstofftanks und einem Notstromgebäude.

Die Ratsvorlage gibt einen Einblick in die Schwierigkeiten, die der Abriss insgesamt mit sich bringt – unter anderem müssen in den Gebäuden Öltanks komplett gereinigt und zurückgebaut werden. Darüber hinaus befinden sich in dem Gebiet noch alte Bahngleise, gut einen Kilometer lang, die ebenfalls entfernt werden sollen.

Außerdem müssen die befestigten Flächen um die Abbruchgebäude entsiegelt werden, darunter Randstreifen, Parkplätze und Vorflächen, was die ganze Aufgabe verkompliziert. Denn die Flächen sind teils durch Schadstoffe belastet, weshalb die Stadt von hohen Entsorgungskosten ausgeht.

Andererseits müssten die Schadstoffe von dort allein schon deshalb entfernt werden, um die Grundstücke später ohne Preisnachlass verkaufen zu können, argumentiert die Verwaltung. „Vor diesem Hintergrund ist es ebenso sinnvoll, die Flächen vorab vollständig zu entsiegeln“, heißt es in der Ratsvorlage. Außerdem: „Würde man die bestehenden Flächen belassen, würde ein negatives Erscheinungsbild entstehen.“

Wie sieht der Zeitplan aus?

Laut Ratsvorlage sollen die Abrissarbeiten im Juli oder August ausgeschrieben und im September vergeben werden. Im Oktober sollen dann die Abbruchmaschinen auf dem Flugplatz mit der Arbeit beginnen, wobei die Stadt von einem Jahr Bauzeit ausgeht.

„Die tatsächliche Dauer ist jedoch insbesondere vom Aufwand der Schadstoffsanierung und der Rückbaukomplexität abhängig“, heißt es aus dem Rathaus. Derzeit würden noch ergänzende Schadstofferkundungen laufen, vor allem nach Asbest, die es für die weitere Ausführungsplanung und Ausschreibung brauche.

Auch der Schotter unter den Bahngleisen, die weg sollen, müsse abfallrechtlich untersucht werden – dort wird ebenfalls vor allem Asbest vermutet.

Werden die Gebäude, die weg sollen, zurzeit noch genutzt?

Ja, der geplante Abbruch der Immobilien trifft vor allem Klein- und Solounternehmen, die dort untergekommen sind. Die Stadt spricht von „30 unmittelbar betroffenen Mietverhältnissen“, die beendet werden müssten. Die Mietverhältnisse habe man zum 30. Juni 2026 gekündigt, die Kündigungsschreiben am 11. November 2025 versandt.

Unter denjenigen, die eine neue Bleibe brauchen, ist bekanntlich auch die Lahrer Rockwerkstatt – sie muss ihren Bunker auf dem Flugplatzgelände aufgeben, den sie seit mehr als 20 Jahren als Proberaum-Location nutzt. Rund ein Dutzend Musikbands ist von der Räumung des Bunkers B 108 betroffen und sucht dringend nach neuen Räumlichkeiten.

Mittelbar betroffen von den Abrissarbeiten seien indes auch der Stadtteil Hugsweier sowie die Flüchtlingsunterkunft auf dem Flugplatz – durch erhöhte Lärm-, Staub- und Verkehrsimmissionen, wie in der Ratsvorlage betont wird.

Welche Kosten kommen auf die Stadt zu?

Die Verwaltung macht für den Gemeinderat eine detaillierte Rechnung auf. Die mit Abstand größten Posten sind demnach Rückbau und Entsiegelung (2,58 Millionen Euro) sowie die Entsorgung des Abbruchmaterials (2,2 Millionen Euro).

Die Untersuchung der Bausubstanz soll 42 000 Euro, die ökologische Begleitung der Arbeiten 240 000 Euro kosten. Das Ingenieurhonorar (Stand jetzt rund 165000 Euro) könnte sich noch erhöhen, warnt die Stadt, die momentan von 5,26 Millionen Euro Gesamtkosten ausgeht.

Weitere Themen im Gemeinderat

In der Sitzung am Montag, 23. Februar, ab 17.30 Uhr stellt die Verwaltung auch die Bedarfsplanung für ein- bis sechsjährige Kinder für die Kita-Jahre 2025/26 bis 2027/28 vor. Außerdem geht es unter anderem um den modifizierten Bebauungsplan Hochstraße, für den nun die Offenlage – also die Beteiligung der Öffentlichkeit – beschlossen werden soll.