Der Verein „La Passerelle – Die Brücke“ aus Weil am Rhein beteiligt sich am Samstag, 21. Juni, ab 10 Uhr an einem Sitzstreik vor dem Hauptquartier von AFRICOM in Stuttgart.
Die Veranstaltung am Samstag, 21. Juni, ab 10 Uhr steht unter dem Motto „Keine ausländischen Truppen mehr in Afrika“. „Wir machen mit dieser gewaltfreien Aktion auf die anhaltende Präsenz und Einflussnahme fremder Militärmächte auf dem afrikanischen Kontinent aufmerksam“, erklärt Boukare Bara, der Vorsitzende des Weiler Vereins. Gefordert wird nichts weniger als der vollständige Abzug aller ausländischen Truppen vom afrikanischen Kontinent. „Dieser Wunsch stammt nicht von unseren – oft korrupten und vom Westen abhängigen – Staatschefs, sondern wird seit langem von der Bevölkerung selbst getragen“, sagt Bara.
Die afrikanischen Völker hätten längst erkannt, dass die Entsendung ausländischer Truppen nach Afrika vor allem dazu diene, militärische Ausgaben zu rechtfertigen und Steuergelder der westlichen Bürger für andere, strategische Interessen zu nutzen. „Keine westliche Armee bekämpft in Afrika tatsächlich den Terrorismus“, erklärt Bara.
Positive Entwicklung wird kaum wahrgenommen
Die mediale Darstellung Afrikas in Europa trage dazu bei, dass Afrika einseitig mit Armut, Krieg und Flucht assoziiert werde, während seine positive Entwicklung kaum wahrgenommen werde, erklärt Bara. Dabei wird die Wirtschaft in den Ländern südlich der Sahara in diesem Jahr laut Weltbank um vier Prozent wachsen, für die Jahre 2026 und 2027 wird sogar ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent prognostiziert. Das sind Zahlen, von denen in Europa derzeit nur geträumt wird. „Ich persönlich bin jedoch überzeugt, dass diese Prognose übertroffen wird, da einige Länder der Region bereits ab 2025 ein zweistelliges Wachstum erreichen könnten, wenn sich die derzeitigen Entwicklungen fortsetzen“, sagt Bara im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Gründe nennt er die Intensivierung des innerafrikanischen Handels, den zunehmenden Einfluss lokaler und internationaler Investitionen, eine rasche digitale Transformation und vor allem eine geopolitische Diversifizierung der wirtschaftlichen Partnerschaften.
Finanzielle Investitionen ohne Bedingungen
Einst nahezu ausschließlich auf die ehemalige Kolonialmacht ausgerichtet, hätten viele afrikanische Länder einen strategischen Kurswechsel vollzogen. In einer zunehmend multipolaren Welt zählen heute Schwellenländer wie die BRICS-Staaten (insbesondere China, Indien, Brasilien) sowie die Golfmonarchien zu den wichtigsten Partnern – Länder, die über erhebliche Kapitalreserven verfügen und bereit sind zu investieren, ohne politische Auflagen zu stellen. Somit müssen sich die afrikanischen Länder auch nicht mehr beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Weltbank verschulden.
Letztlich hätten 500 Jahre Kolonialgeschichte ihre Spuren hinterlassen, sich auch in einem tiefen Misstrauen gegenüber dem Westen ausdrücken, weiß Bara.
Verarbeitung und Wertschöpfung vor Ort
Was speziell Burkina Faso betrifft, ist die Wirtschaft weiterhin stark landwirtschaftlich geprägt. Allerdings finde derzeit ein tiefgreifender struktureller Wandel statt, erklärt der Passerelle-Vorsitzende. Die Landwirtschaft, früher auf Subsistenzwirtschaft oder den Export unverarbeiteter Rohstoffe, wie beispielsweise Kaffee, Kakao und Baumwolle, ausgerichtet, wird nun schrittweise lokal weiterverarbeitet. So wird Kaffee vor Ort geröstet, Baumwolle in der Textilindustrie verarbeitet und Kakao zu Schokolade veredelt. Ebenso wird Gold künftig nicht mehr roh exportiert, sondern zunächst im Inland raffiniert, was den Wertschöpfungsanteil erheblich steigert.
Der Verein engagiert sich konkret in der Entwicklungsarbeit mit Burkina Faso. Jedes Jahr wird die Thomas-Sankara-Medaille für Erfindung und Innovation verliehen. Benannt ist der Preis nach dem Vater der Unabhängigkeit des Landes. Der Preis soll afrikanischen Erfindern helfen, ihre Prototypen in die industrielle Produktion zu überführen. Dieses Jahr findet die siebte Ausgabe statt.
Drohnen in der Landwirtschaft
„Der von uns verliehene Innovationspreis hat das Ziel, Erfinder und Innovatoren unseres Landes sichtbar zu machen und zu fördern“, berichtet der Vorsitzende. Im vergangenen Jahr wurde ein Labor mit dem ersten Preis ausgezeichnet, das ein Medikament gegen Sichelzellenanämie (Drepanocytose) entwickelt hat – eine Krankheit, die in Afrika besonders verbreitet ist. Der zweite Preis ging an eine Gruppe junger Menschen, die Drohnen für die Ausbringung landwirtschaftlicher Produkte bauen – eine große Hilfe für moderne und präzise Landwirtschaft. Zudem wurde ein Erfinder ausgezeichnet, der einen automatischen Webstuhl konzipiert hat, um traditionelle Textilien effizienter herzustellen.