Es ist der krönende Abschluss einer starken Leistung: Dieter Neumann und Bernd Grothe aus Haltingen haben dieser Tage nach 161 erlebnisreichen Etappen ihr Ziel erreicht.
Das Fürstentum Monaco war das Ziel dieser herausfordernden Alpenwanderung, die vor elf Jahren in Triest begann.
Seither haben die beiden topfitten Haltinger, der Schlossermeister Dieter Neumann, heute 85 Jahre alt, und sein befreundeter Nachbar, der heute 77-jährige Dachdeckermeister Bernd Grothe, Jahr für Jahr jeweils mehrere Etappen dieses internationalen Wanderwegs gemeistert – in einem Jahr waren es sogar 30 Etappen.
Die Tour führte die beiden durchtrainierten Senioren nicht nur durch Slowenien, Italien, Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich und Monaco, sondern auch an einigen der höchsten Gipfeln der Alpen wie Triglav, Drei Zinnen, Hochfeiler, Zugspitze, Silvretta, Bernina, Mont Blanc oder die Gletscher der Vanoise vorbei.
Damit verbunden waren nicht nur große Anstrengungen, sondern vor allem auch beeindruckende Natur- und Bergerlebnisse sowie interessante Begegnungen mit anderen Bergfreunden.
Dem Abenteuer ging eine intensive Vorbereitung voraus, um für die Via Alpina Red Trail die notwendige Fitness zu erhalten.
Denn eine gute körperliche Verfassung, Ausdauer und Trittsicherheit sind unerlässlich, ebenso eine akkurate Planung der Etappen und eine gute Ausrüstung.
Ein „Bergmensch“ durch und durch
„Ich bin ein Bergmensch“, sagt Dieter Neumann, der seit seinem 17. Lebensjahr und anfänglich mit den Naturfreunden Grenzach in den Bergen unterwegs war. Als 22-Jähriger gehörte er dem Hochgebirgszug Mittenwald an, absolvierte auch mit dem Kemptener Alpenverein viele Bergtouren und war zudem ein begeisterter Skifahrer und Mountainbikefahrer.
In jungen Jahren war Neumann zudem Extrembergsteiger und hat unter anderem an der indisch-chinesischen Grenze einen 6200 Meter hohen Berggipfel erklommen, außerdem mit dem Mountainbike in Indien einen 5600 Meter hohen Berg sowie ein paar 5000er bewältigt. Sportliche Aktivität begleitete den selbstständigen Handwerksmeister ein Leben lang bis heute mit 85 Jahren.
Passionierter Bergwanderer
„Wenn man vom Bergwandern infiziert ist, kommt man nicht mehr los“, sagt Dieter Neumann, der die Idee für diese Weitwanderung hatte und in Bernd Grothe, mit dem er in mehr als 40 Jahren schon viele Bergtouren unternommen hat, sofort einen Mitstreiter fand.
Auch der Dachdeckermeister, ein leidenschaftlicher Velofahrer, der beispielsweise mit dem Mountainbike (ohne Elektromotor) zusammen mit Neumann die 3482 Meter hohe Sierra Nevada in Spanien und auch schon die Alpen überquert hat, entdeckte in jungen Jahren die Liebe zu den Bergen und zum Bergwandern.
Bernd Grothe, sportlich vielseitig aktiv und in jüngeren Jahren auch Fallschirmspringer und Ringer beim KSV Weil, kann sich noch gut an seine erste größere Tour vor 50 Jahren erinnern, als es mit seinem Bergwanderkollegen auf den rund 3200 Meter hohen Gross Spannort in den Urner Alpen ging.
Auch ihn ließen die Berge seither nicht mehr los, auch er trainiert regelmäßig - mit je zweimal Velofahren und Laufen pro Woche.
38 Kilometer an einem Tag
Der höchste Punkt, den die beiden passionierten Haltinger Bergwanderer auf ihrer insgesamt 2546 Kilometer langen Tour durch alpines Hochgebirge bewältigen musste, war die 2839 Meter hohe Getschnerscharte – von Galtür zur Jamtalhütte und über die Getschnerscharte zur Bielerhöhe mit beeindruckender Sicht auf die Jamspitzen.
Die körperlich anstrengendste Etappe war die 38 Kilometer lange Tour von der Rifugio Allavena-Hütte nach Limonetto mit 2350 Höhenmetern. 14 Stunden waren Dieter Neumann und Bernd Grothe unterwegs.
Sie schwärmen auch vom Sonnenuntergang in den Savoyen und einem köstlichen Käsefondue sowie der „unbeschreiblichen schönen Natur und den spektakulären Berglandschaften“ bei der Tour vom Valle Viola zum malerischen Rifugio Saoseo schwärmten.
Hilfreich bei den 161 Etappen während der elf Jahre war, wie Bernd Grothe betont, die App des Alpenvereins. Unabhängig davon führte Dieter Neumann auch immer topographische Wanderkarten und Kompass für jede der Touren bei sich.
Denn: „Was ist, wenn es in den Bergen Probleme mit der Internetverbindung gibt?“ Wichtig sei, das Wetter im Blick zu haben. Denn in den Bergen kann es schnell zu einem Wetterwechsel kommen.
Solange die Füße tragen
Die beiden Handwerksmeister gingen kein Risiko ein. Wenn eine Strecke aus Sicherheitsgründen gesperrt war, kehrten sie um und wählten eine andere Route auf dem Weg zum Ziel.
In der Regel absolvierten Neumann und Grothe ein- bis zweiwöchige Touren, die längste dauerte drei Wochen. Acht bis zehn Stunden am Tag legten sie jeweils zurück. Übernachtet wurde auf den Hütten, meist im Massenlager. Und wenn kein Schlafplatz mehr frei war zur Not auch mal auf dem Fußboden oder auf dem Speicher der Hütte.
Als die beiden vor gut zwei Wochen in Monaco ankamen, konnten sie stolz das Kapitel Via Alpina schließen. Unisono betonen sie: „Aufhören können wir nicht. Solange die Füße tragen, machen wir weiter, allerdings nicht mehr mit Touren in solchen Dimensionen.“