Ab auf die Autobahn: Die Vereine aus dem jetzigen Bezirk Böblingen/Calw, die in Zukunft dem Bezirk Stuttgart/Böblingen angehören, befürchten, dass sie bis zu zwölfmal pro Saison nach Stuttgart fahren müssen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Bei ungünstigem Verlauf spielen in der nächsten Saison 21 Mannschaften in der gemeinsamen Bezirksliga Stuttgart/Böblingen. Im Nordschwarzwald sind 18 Teams möglich.

In der neuen Saison wird die Fußball-Bezirksliga Böblingen/Calw 14 Vereine umfassen. Neun kommen aus dem Kreis Böblingen, nur fünf aus dem Kreis Calw, nachdem die SF Gechingen über die Relegation noch in die Landesliga aufgestiegen ist.

Bezirksliga Bezirk 10: Maximal 18 Mannschaften

Die Strukturreform, die zur Saison 2024/25 wirksam wird, wirft nun schon ihren Schatten voraus. Wie aus einem Booklet des Württembergischen Fußballverbands (wfv) hervorgeht, wird die Bezirksliga Nordschwarzwald (künftig Bezirk 10) auf jeden Fall zwölf Teams aus dem Bezirk Nördlicher Schwarzwald umfassen. Von fünf bis sieben aus dem Kreis Calw ist die Rede. „Die Ist-Zahlen in den Spielzeiten 2024/25 folgende basieren auf Expertenschätzungen anhand der heutigen Situation und können sich bis zur Umsetzung noch ändern“, heißt es im Booklet.

Sicher sind insgesamt maximal 18 Mannschaften, denn aus dem Kreis Calw werden es nicht mehr als sechs Mannschaften sein. Hintergrund ist, dass im Fall eines Abstiegs des VfL Nagold und/oder der SF Gechingen deren zweite Mannschaften aus der Bezirksliga automatisch absteigen würden. Zudem wird ein Verein aus der Kreisliga A Staffel 1 aufsteigen, eine Relegation wird 2023/24 bekanntlich nicht ausgespielt. Für die Bezirksliga Nordschwarzwald wird eine Sollzahl von 15 Teams ab der Saison 2025/26 angepeilt.

Rechenspiele

Fakt ist: Es werden nächste Saison auf jeden Fall aus der Bezirksliga Böblingen/Calw vier Vereine absteigen. Von den restlichen zehn Teams steigt eines in die Landesliga auf, zwei kommen aus der Kreisliga A hoch. Hinzu kommen mögliche Absteiger aus der Landesliga Staffel 3. Angenommen, einer steigt aus der Landesliga ab, dann sind es zwölf Teams aus Calw und Böblingen, die auf die derzeitigen Bezirksligen Stuttgart und Nördlicher Schwarzwald verteilt werden. Je nachdem, wer die vier Direktabsteiger sind, wird umverteilt.

Bezirksliga Stuttgart/BB

Beispiel: Sind drei Direktabsteiger aus dem Kreis Calw, und der TV Darmsheim steigt aus der Landesliga ab, dann kommen aus dem Pool der zwölf Teams nur noch drei Mannschaften (zwei verbliebene Bezirksligisten und ein Aufsteiger) aus dem Kreis Calw für die neue Bezirksliga Nordschwarzwald in Frage.

21 Bezirksligisten möglich

Demnach müssten maximal neun Böblinger Bezirksligisten in die neue Bezirksliga Stuttgart/Böblingen aufgenommen werden, und die Liga bestünde aus 21 (!) Teams. Dann werde, so Uli Probst aus der wfv-Abteilung Spielbetrieb, über eine alternative Spielform nachgedacht, zum Beispiel zwei Staffeln oder eine Auf- und Abstiegsrunde zur Rückrunde.

Reaktionen: Besnikl Gllogjani (TSV Kuppingen)

Die Trainer und Funktionäre im Kreis Böblingen sehen dies kritisch. „Dann müssen wir also zwölfmal nach Stuttgart fahren. Ich kann mich einfach nicht damit anfreunden, und ich kann der ganzen Sache auch nichts Gutes abgewinnen. Absolut nichts“, nimmt Besnikl Gllogjani, neuer Trainer des TSV Kuppingen, klar Stellung. „Ich befürchte, dass der bevorstehende Aufwand durch den Zusammenschluss einige Spieler davon abhalten wird, weiter Bezirksliga zu spielen“, malt er ein düsteres Bild. „Wenn es Spiele gegen Stuttgarter Teams gibt, die nicht viele Zuschauer mitbringen, wird der Verein die Unkosten des Spieltags nicht decken können. Ich halte deshalb von dem ganzen Quatsch nichts.“

Reaktionen: Marcuß Ruß (VfL Oberjettingen)

Marcuß Ruß, Abteilungsleiter von Aufsteiger VfL Oberjettingen, hält von einer aufgeblähten Liga nichts. „21 Mannschaften sind zu viel, maximal 17 sind noch okay.“

Reaktionen: Marco Grausam (SV Deckenpfronn)

Marco Grausam, Trainer des SV Deckenpfronn, zeigt etwas für Verständnis für den Schritt des wfv. „Bei so einer Umstrukturierung wird es nie eine faire Lösung geben. Es wird immer jemand geben, der sich beschwert. Der wfv hat da keine leichte Aufgabe. 19 Mannschaften sind für eine Bezirksliga aber zu viel. Bei 21 hört es irgendwo auf, das steht in keiner Relation mehr.“

Kreisliga A Nordschwarzwald

In der Kreisliga A im Bezirk Nordschwarzwald wird es übrigens für zwei Spielzeiten drei Staffeln (West, Süd und Ost) geben zunächst mit jeweils 15 bis 16 Teams gespielt. Nach der Saison 24/25 werden diese auf 13 Teams, nach der Spielzeit 25/26 auf zehn Mannschaften reduziert, sodass es ab der Spielrunde 2026/27 noch zwei Staffel mit jeweils 15 Teams geben wird.

Kreisliga B Nordschwarzwald

Mit vier Staffeln in der Kreisliga B wird 24/25 gestartet, obwohl es derzeit im Bezirk Nördlicher Schwarzwald zwei B-Ligen, im Bezirk Böblingen/Calw drei B-Ligen mit Calwer Vereinen und zudem aus der Staffel 5 noch ein paar Vereine aus dem Kreis Calw gibt (1. FC Altburg II, SV Gültlingen II, FV Grün-Weiß Ottenbronn II und SF Gechingen III) gibt. Der verschärfte Abstieg aus der Kreisliga A führt aber 25/26 dazu, dass fünf B-Liga-Staffeln vorgesehen sind.