Mal ist die Putzkolonne schuld, mal stolpert ein Museumsbesucher – Kunstunfälle sind tragisch, aber oft auch sehr lustig, manche gehen im Netz viral. Cora Wucherer versammelt jetzt in ihrem Buch die kuriosesten Pannen.
Man muss zugeben, dass Jesus in keinem guten Zustand war. Also griff eine Seniorin kurzerhand zum Pinsel und erneuerte das Fresko in einer spanischen Kirche auf ihre Weise. Danach sah Jesus mit der Dornenkrone wie ein Äffchen aus. Cecilia Giménez aber wurde weltberühmt, im Netz ging das Bild viral und bescherte der Kirche in Borja Horden schadenfroher Touristen. Die Dame selbst kam knapp an einer Klage vorbei.
Ein Einzelfall, sollte man meinen. Aber es ist gar nicht so selten, dass sich gut meinende Dilettanten ans Werk machen und Kunst dabei erfolgreich ruinieren. Man könnte es auch wie Cora Wucherer „verschlimmbessern“ nennen. Die Journalistin ist auf eine ganze Reihe an Kunstunfällen gestoßen, die sie nun in einem äußerst unterhaltsamen Büchlein zusammengetragen hat: „Das war Kunst. Jetzt ist es weg“.
Die stürzenden Sockel sorgen im Netz für Erheiterung
Bei aller Tragik, die solcherlei „misslungene Restaurierungen und andere kuriose Kunstunfälle“ besitzen, so war es doch slapstickreif, was eine junge, eitle Chinesin vor ein paar Jahren vollbrachte. Sie besuchte in Los Angeles eine Ausstellung, bei der auf 60 Sockeln kronenähnliche Objekte präsentiert wurden. Die gefielen ihr so gut, dass sie ein Selfie machen wollte, dabei auf einen Sockel stürzte – worauf im Dominoeffekt 16 weitere Säulen umfielen. Ein furioses Spektakel, der Clip davon wird bis heute gern im Netz geklickt.
Kunst kann auf vielerlei Weise ruiniert werden. Mal ist es eine Unachtsamkeit, mal eine missratene Restaurierung – und häufig eine Putzaktion. Als in Kairo das Reinigungsteam durchs Ägyptische Museum wuselte, stieß es an den Sockel der berühmten Totenmaske von Tutanchamun. Prompt fiel der Bart des Pharaos ab. Damit das Debakel nicht auffällt, klebten Mitarbeiter des Museums ihn kurzerhand wieder an mit Kunstharz. Der Bart hielt zwar, aber die gelbliche Klebemasse war so wenig zu übersehen wie die Tropfen auf dem Gesicht. Acht Mitarbeiter des Ägyptischen Museums mussten sich vor Gericht verantworten – und deutsche Restauratoren den Schaden beheben. Nach der Reinigung klebten sie den Bart so an, wie es schon die alten Ägypter machten: mit Honigwachs.
Kunst wird auch gern kaputtgeputzt
Bis heute wird gern die Anekdote erzählt von der Badewanne von Joseph Beuys, die ignorante Damen 1973 schrubbten. Auch eine „Fettecke“ von Beuys wurde vom Hausmeister entfernt und im Müll entsorgt. In Kassel sorgte die Straßenreinigung für Ordnung und entfernte die Kreuze, die eine chilenische Künstlerin zur Documenta 12 auf die Straßen geklebt hatte.
Cora Wucherer hat in ihrem Buch nur die Fälle zusammengetragen, hinter denen kein böser Wille steckte. Hätte sie auch mutwillige Zerstörungen dazu genommen, wäre es ein sehr viel dickeres und längst nicht so amüsantes Buch geworden. Bis heute weiß man allerdings nicht so genau, was den Museumswärter ritt, der vor zwei Jahren in Jekaterinburg Schlagzeilen machte. Bei seiner ersten Schicht wurde ihm bald langweilig, sodass er den gesichtslosen Köpfen auf einem Bild der Avantgarde-Künstlerin Anna Leporskaja kurzerhand mit dem Kugelschreiber Augen malte. Die Kamera filmte den Eingriff – und der erste war dann schon wieder der letzte Arbeitstag des Mannes.
Die Abrissbirne hat auch das Wohnzimmer des Nachbarn erwischt
Manchmal ist es auch einfach nur Pech oder Ungeschicklichkeit. Als in den Niederlanden ein altes Gebäude abgerissen werden sollte, verschätzte sich der Baggerfahrer, sodass die Abrissbirne durch die Wohnzimmerwand des Nachbarn knallte – und die Steine ein Gemälde von Giorgio de Chirico durchschlugen, das dort hing. Viel zu tun für die Restauratoren – wie auch bei den Hunderten Scherben und Splittern mehrerer chinesischer Vasen, auf die ein taumelnder Besucher gefallen war. Das ließ sich kleben, und doch wird oft großer Schaden angerichtet – ideell und finanziell.
Im Fall von Jeff Koons wäre der Unfall aber fast lukrativ geworden. Der Amerikaner fertigt Skulpturen, die ausschauen wie die Luftballontiere vom Jahrmarkt, aber aus Porzellan bestehen. 40 000 Euro sollte die Skulptur kosten, die auf einer Kunstmesse in Miami angeboten wurde, dabei aber vom Podest fiel und in zahllose Einzelteile zersprang. Wie gesagt, es war eine Kunstmesse, sodass die Besucher glaubten, dass es sich um eine Performance handle – weshalb einige besonders begeisterte Kunstfans die Scherben sofort kaufen wollten.
Cora Wucherer: Das war Kunst. Jetzt ist es weg. Misslungene Restaurierungen und andere kuriose Kunstunfälle. Dumont, 18 Euro.