Ein Taliban-Kämpfer in der afghanischen Hauptstadt Kabul Foto: AFP/Aamir Qureshi

Wir sind den Afghanen Hilfe schuldig. Aber für Beziehungen müssen die Taliban einige Bedingungen erfüllen – und eine Anerkennung kann es nicht geben, kommentiert Jan Dörner.

Berlin - So schnell wie die Taliban nach dem Abzug der ausländischen Truppen Afghanistan eroberten, so schnell wollen die neuen Herrscher nun international als rechtmäßige und verlässliche Machthaber anerkannt werden. Starke und offizielle diplomatische Beziehungen wünschen sich die Islamisten nun von Deutschland. Dahinter steckt erklärtermaßen auch der Wunsch, dass Afghanistan auch weiterhin finanzielle Unterstützung aus dem Ausland erhält.

 

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Nachdem der internationale Militäreinsatz nach zwei Jahrzehnten im Debakel endete und das Land im Chaos hinterließ, ist es die internationale Gemeinschaft den Menschen in Afghanistan schuldig, sie nicht hilflos zurückzulassen. Dafür wird es auch notwendig sein, Kontakte mit den Islamisten zu unterhalten. „Die Taliban sind jetzt Realität in Afghanistan“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich. Diese neue Realität sei bitter, aber man müsse sich mit ihr auseinandersetzen.

Hilfe nur gegen Bedingungen

Doch das bedeutet nicht, die Herrschaft der Islamisten durch eine offizielle Anerkennung zu legitimieren. Es ist zudem richtig, dass die Europäische Union ihre Hilfe für Afghanistan an Bedingungen knüpft. Dazu muss neben der Einhaltung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit auch die Garantie der Taliban gehören, dass frühere Ortskräfte und andere bedrohte Menschen Afghanistan unbeschadet verlassen dürfen.