Glattens Antwort auf böse Hacker und Blackouts: Stehlampen aus den 70ern Foto: Uwe Ade

Der Hackerangriff hat Tore-Derek Pfeifer erleuchtet: Analog geht auch. Beim Rathaussturm präsentierte sich Glattens Bürgermeister als robuste Stehlampe.

Die Narrenzunft war am „Schmotzigen“ parat: Klosterwaldhexen, Lotschmale, der Hexentreiber und der Narrensamen wollten Glattens Bürgermeister wie jedes Jahr aus dessen Domizil holen. Wegen des strömenden Regens entrissen sie Tore-Derek Pfeifer den Rathausschlüssel dann aber drinnen im Foyer.

 

Ganz ausfallen musste hingegen die für abends geplante Schmodo-Party im Vereinsheim. „Keine Helfer, keine Feier – überall die gleiche Leier“ hatte Pfeifer dazu festgehalten.

Am Nachmittag gab es aber für geladene Gäste, Vertreter von Vereinen und Institutionen, einen närrischen Empfang im Raum vor dem Sitzungssaal.

Umzug fällt aus

Eigentlich war zu der Zeit der Kinderumzug vorgesehen, dieser wurde jedoch wegen des Regen und starken Windes abgesagt. Die Kinder, die da waren, vergnügten sich im Foyer des Rathauses unter Anleitung von Narrensamenhüterin Lucie Raaf. In den Geschäften für die Kinder vorbereitete Saitenwürstchen, Gummibärchen oder Blumen wurden kurzerhand ins Rathaus verfrachtet.

„Den Schlüssel her, gib ihn brav in unsere Hände, heut’ regiert nicht Vernunft, heut’ ist es dein Ende!“ rief dort Zunftmeister Klaus Öhrlein dem Bürgermeister zu. Wenngleich er auch mit Lob für Pfeifers Großtaten aufwartete: „In Glatten, da regiert seit Jahr und Tag, der Tore-Derek Pfeifer, den fast jeder mag. Mit Helm, mit Plan und viel Elan packt er jedes Bauprojekt an.“

Die Bürger frieren

Womit Öhrlein auch schon bei der Nahwärme angekommen war, mit der es hoffentlich irgendwann gemütlich werde: „Die Bürger warten mit Schal und Tee, doch mancher fragt – kommt die Wärme je?“ Weiter ging Öhrlein auf das Thema Breitband und den Hackerangriff auf die Gemeindeverwaltung ein und hatte auch die Bürgermeisterwahl im Visier. „Ne vierte Amtszeit, des wär’ doch was Feines, drum hoffen wir leise und wünschen nur eines: Dass unser Tore, bekannt und geehrt, sich bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder bewährt.“

Dafür hatten die Narren schon mal Wahlplakate vorbereitet, die die Kinder in die Höhe hielten. „Sch…ade Freudenstadt, für Glatten schlägt mein Herz“, „Bürgermeisterwahl Oktober 26, yes i can“ und „Wählt mich, und ich salbe euer Haupt mit Öl“ war darauf zu lesen.

Narren und Bürgermeister im Kampf um den Rathausschlüssel Foto: Uwe Ade

Dichterische Qualitäten bewies dann auch der als Lampe kostümierte Bürgermeister. „Narren von Glatten, hört her, spitzt die Ohren – in den 70ern bin ich geboren. Als kleine Taschenlampe brannte ich zu Beginn, mit hellem Köpfchen, viel Visionen im Sinn“, ließ Pfeifer wissen, und weiter: „Zur Stehlampe gereift, standfest und hell, kam ich hierher und wusste ganz schnell: Auf die Narren, da kannst du dich verlassen, und den Rathaussturm sollte keiner verpassen.“

Immer unter Strom

Zur Digitalisierung mit ihren Tücken reimte er: „Ein Leuchtturm, der ich bin, kriegt’s analog genauso hin. Aufrecht und hell sind Stehlampen schon, vor allem stehen wir immer unter Strom.“

Dazu wusste Pfeifer: „Doch stets unter Strom, das kann’s auch nicht sein, den Energiesparmodus schalt ich jetzt ein. Der Wandel beim Klima ist spürbar zu merken, Windkraft und Solar sind nicht allein unsere Stärken.“

Die Rollen werden neu verteilt

Und der Bürgermeister und Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende im Kreistag holte noch weiter aus: „Die Kreisfinanzen sind im Keller, mit Fritze Merz ging’s wohl noch schneller. Bei uns sieht’s zwar noch ganz rosig aus, doch irgendwann ist aus die Maus.“

„Manchem aufgegangen ist ein Licht. Doch beim ein oder andern wohl noch nicht“ stellte Pfeifer fest. „Die Rollen werden bald neu verteilt, denn alles hat so seine Zeit.“

Und wie steht’s beim Bürgermeister selbst? „Gefallen würde auch mir ’ne neue Rolle, was wär denn für euch das wirklich Tolle – eine Wunderlampe könnte ich sein: Einmal rubbeln, drei Wünsche, ja das wäre doch fein.“