Der böse Herzog Eberhard muss vor König Maximilian Rechenschaft über seine „Leibesblödheit“ ablegen. Foto: Juergen Lueck

Trotz Inflation und hoher Preise – die Faszination des Mittelalter-Festes für Fans und Familien funktioniert bestens. 2000 Tickets mehr verkauft – und OB Peter Rosenberger hofft, dass der Steuerzahler in diesem Jahr nicht drauflegen muss.

Das sind ja mal Zahlen, die dem Steuerzahler Hoffnung machen. Nachdem die Stadt die Ritterspiele nach dem Wirbel und der Insolvenz von mps das Mittelalter-Fest übernommen hat, geht es aufwärts.

OB Peter Rosenberger (CDU) präsentiert zur Abschlussbilanz um 17 Uhr (unter dem „schlichten Schwarzen“ ein weißes Hemd) die Zahl der verkauften Tickets im Jahr 2024: Insgesamt 14700 – 2000 mehr als im Vorjahr.

Rosenberger, der noch am Freitag die Ansage gemacht hatte, dass die Ritterspiele mehr als das EM-Eröffnungsspiel beim Publikum zählen, muss zugeben: „Beim Horber Abend mit freiem Eintritt waren nicht ganz so viele Menschen auf dem Gelände. Auch beim Samstag-Abend Turnier mit der Feuershow – das sonst immer ausverkauft war – haben wir gut 390 Tickets weniger als im Vorjahr verkauft. Da dürfte die Fußball-EM dann doch eine Rolle gespielt haben.“

Wie macht sich die EM bemerkbar?

Insofern rechnet das Rathaus damit, dass bis zu 2400 Gäste weniger statt wie sonst 33 000 Ritterspiel-Fans an den drei Tagen auf dem Gelände waren.

Das Stadtoberhaupt: „Wir profitieren auch mit beim Getränkeverkauf. Deshalb können wir erst nach dieser Schlussauswertung sagen, ob wir es mit den 26. Ritterspielen geschafft haben, eine schwarze Null zu schreiben.“

Die ersten Ritterspiele ohne Neckarstraße

Im letzten Jahr gab es Riesen-Ärger bei den Händlern in der Neckarstraße – sie wurde auf einmal zur Rettungsgasse erklärt. Als ein Rettungswagen (ohne Sirene und Blaulicht) einen Stand rammte, war klar: Das wird es nicht mehr geben. Die Folge: Sonntagmittag gibt es ein Riesen-Gedränge an den Essensständen auf dem Gelände. Ein Gast: „Der Ritterspieß war um 13.30 Uhr ausverkauft. Riesen-Schlangen an den Essensständen, keine Sitzplätze mehr. Früher konnte man noch auf die Neckarstraße ausweichen.“

Profiteure: Die Gastronomen außerhalb. Koray Yildiz vom Dolce Vita: „So viel war noch nie am Ritterspiel-Sonntag los bei uns.“

Rathaussprecherin Inge Weber: „Insgesamt hat sich das Konzept ohne die Neckarstraße bewährt. Wir hatten insgesamt mehr Sitzplätze auf dem Gelände geschaffen und hatten – bis auf Stoßzeiten – nicht das Gefühlt, dass es zu voll war.“

Ex-Schultheiß Michael Theurer ist begeistert

Horbs Ex-OB Michael Theurer hat die Ritterspiele vor 26 Jahren mit ins Leben gerufen. Jetzt ist der inzwischen Bundesschienenbeauftragter und parlamentarischer Staatssekretär der Bundesregierung und zurück in seiner alten Heimatstadt – „wegen meiner beiden Kids, die wollten es unbedingt sehen.“ Die Kleinen spielen mit Schwert, sitzen auf Papas Schoß.

Und, was sagt er zur Königin der Ritterspiele – Prinzessin Anuta? Theurer lacht: „Das erste Mal, dass zwei Frauen ohne Helm und Schild die Kerle beim Tjost vom Pferd holen. Da stimmt sogar die Gender-Balance.“

Mehr Zelte: Das Lagerleben fängt wieder an

Lange vermisst, jetzt wieder da: Immer mehr Ritter lagern am Neckar. Die beiden Vögte Jochen Zink und Heiko Köberle: „Corona hat viele Gruppen zerstört. Diesmal haben wir allein hinten am Neckar sieben Gruppen, die noch mehr Platz brauchten als im Vorjahr. Und wir hoffen, dass der freie Durchgang zwischen den Turnieren unter der Christophorus-Brücke auf Dauer dazu führt, dass wir noch mehr Gruppen locken können.“

Darauf hofft auch Schwerthändler Marius. Er ist seit den ersten Ritterspielen in Horb. Er sagt: „Der historische Umzug gefällt mir super. Ich bin mit den Umsätzen zufrieden, hoffe aber, dass noch mehr Mittelalter-Kämpfer lagern. Das ist die Zielgruppe, die ich brauche.“

Gewandete sind für das Fest sehr wichtig

Klar ist aber auch, so betonen Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter und OB Rosenberger unisono: „Wir werden das Ritterlager nicht wie früher bis zum Fischereiverein ausdehnen.“

Rosenberger: „Wir setzen auf Qualität. Nur Gewandete, die durch ihr Erscheinen den Charakter der Ritterspiele unterstützen, sind wichtig.“

Claudia Beuter: „Ich sehe da noch ein Zusatzpotenzial von maximal fünf bis sieben neuen Lager-Gruppen. Der freie Durchgang unter der Christophorusbrücke hat bei den Gästen funktioniert.“