Katharina Jaiser aus Gechingen hat bei der deutschen Meisterschaft die zum Großteil deutlich jüngere Konkurrenz hinter sich gelassen, genießt Platz 8 und freut sich im Interview über ihre neue Bestleistung über 5000 Meter.
Braunschweig war eine Reise wert für die „Lauf-Ommmma aus Gechingen“. Katharina Jaiser lief ein taktisch erstklassiges Rennen und schnappte sich in neuer persönlicher Bestzeit bei den deutschen Meisterschaften über 5000 Meter den begehrten Platz in den Top Ten. Im Interview berichtet sie über das große Abenteuer.
Glückwunsch, Katharina Jaiser, zum achten Platz. Dabei war es offensichtlich gar nicht ganz so einfach, nach Braunschweig zu kommen ...
Die Anreise war mittelmäßig chaotisch dank der deutschen Bahn: von Ausfall über Verspätung und der Tatsache, dass ich kurz im Zug nach Wien saß, war alles dabei.
Rechtzeitig zum Rennen haben Sie es geschafft – aber auch Sonne und Hitze haben sich nicht aufhalten lassen.
Beim Rennen war das Wetter nahezu perfekt. Mit der Wärme kam ich besser klar als viele andere. Der Wind war auch kein Problem, weil ich mich lange hinter den anderen verstecken konnte.
Gute Stimmung in Braunschweig
Und es war auch auf den Rängen überraschend viel los.
Die Stimmung war besser als erwartet. Es waren noch nicht so viele Zuschauer da, da es ja erst samstags mit dem restlichen Programm losging. Athleten, Betreuer, Helfer und Teilnehmer des Jedermann-Rennens vorab haben aber genug Stimmung gemacht. Bei uns Athleten war die Stimmung sehr angespannt, was aber zu erwarten war.
Wie läuft das so ab, so eine Meisterschaft? Kann da jeder mitmachen?
Grundsätzlich ja! Die Bedingung, um starten zu dürfen, ist, dass man bei einem Verein Mitglied ist, einen Startpass besitzt und die Qualifikationsnorm im angegebenen Zeitraum läuft. Für 5000 Meter ist das bei Frauen eine A-Norm von 16:30 Minuten. Damit bekommt man einen Startplatz zugesichert. Die B-Norm liegt bei 17:10 Minuten. Startplätze gibt es 24. Wenn also nur zehn Mädels die A-Norm laufen werden 14 Läuferinnen aufgefüllt, die die B-Norm erfüllt haben (Rangliste).
Chaos bei der Anfahrt mit der Bahn
Was wäre bei einer Bahn-Vollkatastrophe gewesen? Also Ankunft zehn Minuten vor dem Start?
Bei einer Meisterschaft muss man rechtzeitig da sein. Die Stellplatzkarte musste in Braunschweig 120 Minuten vor dem Start abgegeben werden. So wird sichergestellt, dass der Athlet auch wirklich da ist. Man macht sich warm und wird dann 20 Minuten vor dem Start in den Callroom geholt. Dort werden die Startnummer überprüft und die Spikes kontrolliert. Dann werden wir auf die Bahn geführt, nach Leistung von außen nach innen aufgestellt – und ab geht die Post.
Erzählen Sie: Wie lief das Rennen.
Der Rennverlauf war fast wie zu erwarten. Bei Meisterschaften gewinnt nicht, wer vorne läuft! Die Spitzengruppe um Hanna Klein, das war ’ne eigene Hausnummer. Aber bei der Verfolgergruppe wurde abgewartet und gepokert: Wir sind konstant in 80 Sekunden pro Runde durchgegangen. Alle beieinander, teilweise mit Gedrücke und Ellenbogeneinsatz. Über mehrere Bahnen nebeneinander. Mein Trainer meinte, ich sei eher 5200 Meter gelaufen statt fünf Kilometer. Ich wollte mich da einfach raushalten. Bei einem Sturz ist einfach alles sehr schnell vorbei.
Die Post geht ab
Aber auf den letzten 1000 Metern war Schluss mit lustig.
2,5 Runden vor Schluss, bei der 4000-Meter-Marke ging die Post ab. Mein einziger Gedanke war: Wenn ich da jetzt nicht mitgehe, dann werde ich durchgereicht. „Reiß dich zusammen: Ich kann, ich will, ich werde!“ Ich konnte besser mitgehen als viele andere, aber wer mich kennt, weiß, dass ich hintenraus immer noch mal aufdrehen kann – im Training genauso wie im Wettkampf. Bei meinen Trainingskollegen mache ich das dann regelmäßig mit nem Kuchen wieder gut (lacht).
Dann springen wir mal in die letzte Runde.
Ja, kurze Rede, langer Sinn: Die letzte Runde war dann noch in 73 Sekunden, was anständig fix ist. Die zwei Mädels vor mir waren sehr nah, das wurmt mich heimlich ein bisschen, aber hey: Dass so ein tolles Ergebnis rauskommt, hätte ich nicht erwartet.
Für Sie also sehr zufriedenstellend? Wie war’s bei den anderen um Sie herum? Die Zeiten waren ja echt schnell und die Platzierungen deutlich teurer als letztes Jahr – wie im Vorfeld vermutet.
Für mich war es absolut zufriedenstellend, und auch meine Einstellung hat sich da bezahlt gemacht: nicht vergleichen – obwohl man dafür ja eigentlich einen Wettkampf bestreitet. Vielmehr mit sich selbst beschäftigen und eben das Bestmögliche raushauen. Dass ich da den achten Platz mit heimbringe, das freut mich natürlich trotzdem sehr. Gleichzeitig habe ich aber auch gesehen, wie es anderen Mädels gar nicht gut ging: Theresa Orthenreiter ist 200 Meter vor dem Ziel rausgegangen, weil sie dachte, wir wären im Ziel. Ja, im Wettkampf sind wir Konkurrenz, danach sind wir Freunde. Da bin ich vielleicht einfach zu weich geworden inzwischen, als dass mir das dann egal ist.
Ein bisschen Aufbauarbeit
Und wie reagiert man dann richtig? Sich selbst freuen – oder doch lieber nicht?
Gute Frage! Der beste Weg ist vielleicht, erst mal ein bisschen Aufbauarbeit zu leisten und sich dann zu freuen?! Man muss den eigenen Erfolg dann ja nicht unbedingt unter die Nase reiben. Mein überspitzter Kommentar „hör auf zu schmollen, das macht’s nicht besser!“ hat mit dem Anhang „wir suchen dir jetzt ein schnelles Rennen, und dann zeigst du, was du kannst“ für ein kleines bisschen Perspektive gesorgt.
Da merkt man dann doch, dass Sie älter sind.
Das kann schon sein. Ich habe mich selbst viel zu oft nach so einem Rennen verkrochen. Meine Gedankengänge sind inzwischen langfristiger. Wenn es mich in zwei Wochen, zwei Monaten, zwei Jahren noch beschäftigt, dann kann ich schlechte Laune haben. Sonst nicht. Ich meine, ich habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gegessen, aber das hat mir zumindest sehr geholfen, um Dinge abhaken zu können.
Trainer nicht überrascht
Was hat Ihr Trainer Philipp Riexinger zum Rennen gesagt?
Der hat sich natürlich auch gefreut. Seiner Meinung nach war das absehbar, weil ich das vorherige Rennen in Karlsruhe sehr locker gelaufen sei. Und auch in dem Zeitraum bis zur DM waren echt knackige Einheiten dabei, die ich ganz gut umgesetzt habe. Ein Löwenanteil dieses Erfolgs gebührt meiner Ansicht nach ihm, denn: Ein Athlet ist immer nur so gut wie sein Trainer! Nicht dass meine vergangenen Trainer schlecht waren, aber bei Philipp und mir passt das einfach super. Ich würde nie wieder freiwillig woanders hin wechseln.
Und der Fanclub, war der auch zufrieden?
Ich denke schon. Das leere Glückskuss-Marmeladenglas und ich, wir durften wieder heimkommen (lacht).