Der Lockdown hat Auswirkungen - auch auf die Kinder im Kreis Freudenstadt. (Symbolfoto) Foto: S.kobol – stock.adobe.com

Was macht die Pandemie mit den Kindern und Familien im Kreis? Antworten auf diese Frage hat Angelika Klingler, die Leiterin des Jugendamts im Landratsamt, zusammengetragen. In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Montag präsentierte sie die Ergebnisse.

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Kreis Freudenstadt - Einige Maßnahmen haben laut Klingler zu besonderen Belastungen für Kinder geführt. Dazu zählte sie die Ausgangssperre, die Kontaktbeschränkungen und die Schulschließungen. Ambivalent sei die Digitalisierung betrachtet worden. Der Medienkonsum nehnme zu, bei der Heimbeschulung hingegen seien einige Kinder häufig nicht mit geeigneten Geräten ausgestattet. Manchen fehlten auch die IT-Kenntnisse.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert

Zudem habe Heimbeschulung und Heimarbeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert. Vor allem Frauen hätten diese Belastung abfedern müssen, so Klingler. Bei den Trägern der Jugendhilfe habe die Pandemie sich vor allem auf die Kundenkontakte ausgewirkt. Vieles sei umgestaltet worden, ein Digitalisierungsschub habe eingesetzt und Kompetenzen und auch Kreativität hätten zugenommen. Die Mitarbeiter seien am Ball geblieben, die Hilfen angenommen worden.

Gestiegen sei aber auch der Bedarf an Unterstützung, und da der zweite Lockdown so lange dauere und sich nun der nächste ankündige, werde die Lage immer schwieriger.

Anpassungsstörungen

Dazu komme, dass der Lockdown und die Pandemie diverse "Anpassungsstörungen" mit sich brächten. Dazu gehörten bei Kindern Einsamkeit, Depression, Schlafmangel, die Angst vor Ansteckung oder der Zukunft, Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme, Essstörungen und innere sowie emotionale Verwahrlosung. Insgesamt seien es 50 Symptome, die die befragten Kinder aufgeführt hätten, sagte Klingler. Es gebe Familien, die nun zusammenrücken und gestärkt aus der Bewältigung der Krise herausgingen. Andere, bei denen es schon vor der Pandemie auch finanziell nicht so gut lief oder die auf andere Weise benachteiligt waren, seien besonders gebeutelt, sagte Klingler. Die Jugendamtsleiterin verwies auch auf die Studie einer Universität vm Februar, der zufolge sich 85 Prozent der Kinder psychisch belastet fühlen. Sieben von zehn Kindern empfänden ihre Lebensqualität als gemindert. Vor der Pandemie seien es drei von zehn Kindern gewesen. Sozial schwache Familien und zugewanderte Familien seien von der Krise besonders betroffen.

Eltern am Anschlag

Auch die Folgen des zweiten Lockdowns benannte Klingler. Demnach seien die Eltern am Anschlag. Die Bildungsnachteile würden durch Corona schon in der Kita verstärkt. Sprachliche und kognitive Fähigkeiten gingen zurück, zitierte sie eine weitere Studie. Das sei auch in der aktuellen Arbeit sichtbar, betonte sie. Man dürfe es aber auch nicht überdramatisieren. Vieles komme mit der Rückkehr der Normalität wieder.

30 Prozent weniger Meldungen mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdung habe es 2020 im Kreis Freudenstadt gegeben. Schulen und Kitas hätten weniger gemeldet, ganz krass sei der Rückgang der Meldungen bei der Polizei gewesen. Sie vermute, dass die Dunkelziffer hoch sei. Die Kinder hätten aber kaum Gelegenheit gehabt, Hilfesignale zu senden. Auch im Bereich häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch müssten die Zahlen höher sein. Im Kreis gab es vergangenes Jahr 50 Prozent mehr Inobhutnahmen. Dabei handelt es sich insgesamt um zwölf Fälle.

Noten fallen schlechter aus

Die Folgen des zweiten Lockdowns seien wohl auch steigende Fallzahlen und ein Mehrbedarf an Hilfeleistungen. Marja Schoenmaker Ruhl vom Kinderschutzbund fügte in der Debatte hinzu, dass bei zwei Kindern im Heimschulbetrieb fast zwangsläufig eines immer der Verlierer sei. Elisabeth Gebele vom Familienzentrum Freudenstadt empfahl, bei künftigen Angeboten Wert darauf zu legen, dass die Kinder ihre Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu meistern, steigern. Vor zu viel Angst vor Bildungsrückstand warnte Zita Grießhaber (Bündnis 90/Die Grünen). Man müsse den Leistungsdruck für die Kinder herausnehmen, nicht erhöhen. Irgendwann würden die Kinder aber im Wettbewerb um Studien- und Arbeitsplätze stehen, antwortete ihr der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser, der die Sitzung leitete.

In einem weiteren Beitrag ging es um die aktuellen Zwischenzeugnisse, die im Schnitt um eine Note schlechter ausfielen als die des Vorjahrs.