Die Lautlinger „Krone“ aus der Vogelperspektive Foto: Bodmer

Das Regierungspräsidium Tübingen hat im Wettbewerb um das Prädikat „Vorbildliches Dorfgasthaus“ sechs Gaststätten ausgezeichnet. Eines davon ist die „Krone“ in Lautlingen.

Elf Jahre ist es her, dass der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Tübingen auf Anregung des damaligen Tübinger Regierungspräsidenten Hermann Strampfer einen Preis für vorbildliche Dorfgasthäuser ins Leben rief. Der gebürtige Gmünder Strampfer war selbst Sohn eines Gastwirts, und seine Initiative hatte das Ziel, dem schleichenden Niedergang des Dorfgasthauses alten Stils, das nicht nur ein Verköstigungsbetrieb, sondern ein Ort der Geselligkeit, der Gemeinschaft und der Integration war, entgegenzuwirken.

 

Seither sind viermal „vorbildliche Dorfgasthäuser“ gekürt worden – in der zweiten Runde wurde 2017 die Laufener Traufganghütte Brunnental in Würdigung ihres innovativen Konzepts mit einem Sonderpreis bedacht. 2025 stand die fünfte Runde an; am 14. März klingelte bei Bodmers in Lautlingen das Telefon, am anderen Ende war Albstadts Wirtschaftsförderer Andreas Hödl und fragte, ob man das in der „Krone“ auch wisse.

Jetzt wusste man es: Am 30. April ging die Bewerbung der Bodmers – eine von 60, wie sie später erfuhren – zur Post, ein dicker Packen Papier, in dem sie erläuterten, was die „Krone zum „vorbildlichen Dorfgasthaus“ mache: Jahrzehnte zuvor war sie Brennpunkt des Dorflebens, Schauplatz von Hochzeiten, Taufen, Kommunionen und Konfirmationen, dazu Heimstatt zahlreicher Rentner-, Handwerker- und Vereinsstammtische gewesen – und in den Wirtschaftswunderjahren Standort eines der ersten Lautlinger Fernsehapparate in der Gaststube und somit multipler Nachrichtenumschlagplatz.

Diese Rolle hatte sie zwar mit den Jahren eingebüßt, die des Ortes der Begegnung, der Gemeinschaft und der Traditionspflege aber nach einer Sanierung des 1697 erbauten Hauses, die ihresgleichen suchte, wieder zurückgewonnen. Geht es noch vorbildlicher?

In Derendingen ist der Preisbereits gefeiert worden

Schwerlich, fanden die Juroren, die Mitte Juli ins Haus hineinschneiten, nachdem sie wohlwollend den Schriftzug „Wirtshaus“ über dem Türsturz gemustert hatten. Die Heimatpfleger, Kulturwissenschaftler und Gastronomiefachleute erkundeten cdas in der Tat „vorbildlich“ sanierte Gebäude bis hinauf zum Speicher, fanden bestätigt, was sie in der Bewerbung gelesen hatten, und aßen auch noch im Hause. Nicht weil das Teil des Prüfungspensums gewesen wäre – das ist es nicht – sondern weil auf ihrem weiteren Weg in Richtung Oberschwaben offenbar die allermeisten Gasthäuser mittags geschlossen waren. Wer weiß, vielleicht hat auch dieses Detail ihr Urteil beeinflusst.

Drei Haupt- und drei Sonderpreise

So oder so, wenig später stand es fest. Von den drei Hauptpreisen ging einer an die „Krone“ und zwei weitere an den „Hirsch“ in Tübingen-Derendingen und die „Traube“ in Tettnang-Wielandsweiler. Auszeichnungen für besondere Konzepte erhielten der „Adler“ in Münsingen-Buttenhausen, der „Hirsch“ in Wangen und als zweiter Preisträger im Zollernalbkreis der „Ochsen“ in Melchingen.

Die guten Geister der Lautlinger „Krone“: Helena Bodmer und ihre Mutter Monika Bodmer Foto: Bodmer

Was bekommt so ein Preisträger? Eine Urkunde aus den Händen von Regierungspräsident Klaus Tappeser, eine Stele, die Karlheinz Geppert, der Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatpflege, überreicht, und 3000 Euro Zuschuss zu den Kosten des Festes, welches die Zeremonie begleitet. Gefeiert wird es am Freitag, 19. September, in Lautlingen. Wie, das bleibt abzuwarten – aber in Derendingen hat die erste Runde schon stattgefunden und der Musikverein dazu aufgespielt. Damit liegt die Messlatte für die Lautlinger Musikkapelle „Frohsinn“ – eine kleine Serenade mit dem neuen „Albstadt-Marsch“ als Programmhöhepunkt sollte schon drin sein.