Wenn die Gscheidles in Albstadt zur schwäbischen Frischkäs-Wellness einladen, ist das bestes mundartliches Kabarett zum Anfassen: Bei Elsbeth und Alois bleibt einfach kein Auge trocken.
Schwaben, Rei’gschmeckte, Furzklemmer und Profi-Vierteles-Schlotzer aufgepasst: Die Gscheidles erobern jetzt die Fernsehlandschaft mit ihrem eigenen TV-Programm. Eine viel belachte Kostprobe daraus gab es am Samstag in der Festhalle.
„Schwäbisches Kabarett zum Anfassen“ war angekündigt – mit dem lustigsten Ehepaar im „Ländle“. Anfassen – es war fast wörtlich zu nehmen. Denn Elsbeth und Alois alias Birgit Pfeiffer und Marcus Neuweiler spielen mit viel spontanem Verwandlungstalent und spitzer Zunge nicht nur für ihre Gäste, sondern gern auch mit ihnen.
Da ist Dirk aus Meßstetten, der freundliche Herr mit dem karierten Hemd, der zwar kein Äckerle in die Ehe gebracht hat, aber viel gute Laune auf die Bühne. Oder Tobias aus Albstadt, der Elsbeth den wundervollsten Body-Mass-Index ausrechnen kann: „Das Gewicht liegt bei 50 Kilogramm, aber in Zentner, bei Größe 38. Das wiederum nur an den Füßen.“
Passiv bleiben und nur zuschauen ist nicht drin
Als Zuschauer kommt man an diesem Abend schnell raus aus der passiven Besuchernummer. Der eine muss Kniebeugen machen. Der andere sitzt spontan im Wartezimmer neben der verkaterten Elsbeth. Der Dritte muss sich gar mittels Fasnetströte den Alkoholpegel messen lassen. Ein Ehepaar hinten in der Halle wird sogar auf negative Schwingungen ausgependelt. Pfundige Abnehmtipps für alle, die während der Feiertage ordentlich zugelangt haben, gibt es obendrein: „Beim zunehmenden Mond wird ’s Radiesle am Tellerrand zur Kalorienbombe!“
Elsbeth, die Frau mit dem signifikanten Birzel auf dem Kopf, weiß halt Bescheid. Sie geht schließlich walken. Immer schön neben dem „Viere-Bus“ her, damit sie informationstechnisch auf dem Laufenden bleibt. Und zwar ganz sprichwörtlich.
Ein Gag jagt bei den Gscheidles rasant den anderen, die Pointen kommen Schlag auf Schlag. Das Sahnehäubchen? Ganz klar die Situationskomik und die unbändige Freude am Improvisieren, die das streitbare Bühnen-Ehepaar an den Tag legt. Elsbeth und Alois sind nicht nur ein eingespieltes Team, sondern haben auch selbst sichtlich Spaß: „Des stoht so id em Textbuch!“ Alois findet, er habe für seine „Krott“ viel zu lange fischen müssen. Elsbeth hingegen moniert, bei sehr sportlichen Männern säßen Gehirnzellen gern im Oberarm oder noch weiter unten. Wie gut, dass sie ihren knitz-komoden Ehemann hat, den Mann mit dem veritablen „Waschbecken-Bauch“.
Auch wenn der, das ist längst kein Geheimnis, ohne das Kabel des Elektromähers nach der Gartenarbeit nicht mehr nach Hause fände. Dafür leitet der Göttergatte derart spannende Polizeieinsätze, dass sich Elsbeth spontan als „V-Frau“ bewirbt. Ganz nach dem Motto: „Des Gesicht’ gönn i mei’m Ma’!“ Eine Erwähnung wert ist die Augenhöhe, mit der die zwei Akteure ihren Gästen begegnen. Für jeden, der mitmacht, gibt es ein freundliches Wort, einen Wunsch zum neuen Jahr und ein liebes Dankeschön. Ein schnelles Foto? Natürlich, kein Problem.
Viel Kulisse und Requisite brauchen die zwei Wortakrobaten, die man aus der Donzdorfer TV-Fasnet oder der „SWR-ComedyScheune“ kennt, wahrlich nicht. Ein paar alte Klamöttchen, ein Döschen Frischkäse – wohlgemerkt: der sahnige. Zwei, drei Stühle. Fertig. Und schon wird ausgeteilt und eingesteckt. Im Akkord und „högscht vergnüglich“.
Immer wieder bei Lachtränen ertappt
Sehr zur Freude der Gäste, die sich immer wieder die Tränen aus den Augenwinkeln wischen müssen. Ganz oft, psst, fühlt man sich ertappt.
Elsbeth und Alois halten ihren geneigten Gästen schonungslos den Spiegel vor und konfrontieren sie mit dem eigenen Alltag, mit Worthülsen, Klischees und liebgewonnenen (schwäbischen) Gepflogenheiten. Denn wer kennt sie nicht, die unförmigen U-Boot-Handtaschen ohne gangbare Innenbeleuchtung? Aus denen sich im Notfall Abendkleid samt Schnittmuster zutage fördern lassen? Oder Wellnessabende zum „Faltenrausziehen“, die aufgrund ausgefallener Musikproben jäh unterbrochen werden? Nicht zu vergessen den abendlichen Kampf um die Fernbedienung, der packenden Tierreportagen willen?
Und die Moral von der Geschicht’? „Im Gegensatz zum Hirn meldet sich der Magen, wenn er leer ist.“ Na bravo!