Nagold bekam Besuch aus Berlin: Franziska Brantner erhielt Einblicke in die Hochdorfer Kronenbrauerei. Bei dieser Gelegenheit musste sie sich allerdings auch Kritik anhören.
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, tourt derzeit durch den Kreis Calw. Nun erhielt sie eine Führung in der Hochdorfer Kronenbrauerei. Reine Wahlwerbung für die Grünen war der Besuch für Geschäftsführer Eberhard Haizmann aber keineswegs.
Im März stehen in Baden-Württemberg die Landtagswahlen an. Im Zuge dessen habe die gebürtige Lörracherin im Kreis nach „tollen, regional verankerten“ Unternehmen gesucht. Durch Kreisrat-Mitglied Brigitte Loyal sei sie auf das Hochdorfer Traditionsunternehmen aufmerksam geworden, erklärte sie.
Geschäftsführer Haizmann, selbst bei den Freien Wählern aktiv, saß viele Jahre gemeinsam mit Loyal im Gemeinderat. Auch wenn er mit vielen Standpunkten der Grünen nicht übereinstimme, habe er seiner alten Kollegin zuliebe dem Besuch zugestimmt, sagte er.
Firmengeschichte und Rundgang in der Brauerei
Nach einer Einführung in die Firmengeschichte des mehr als 350 Jahre alten Familienunternehmens beging die Bundesabgeordnete gemeinsam mit dem Grünen-Landtagskandidat Fynn Rubehn die Brauerei.
So konnte die 46-Jährige die großen Braukessel, die langen Fließbänder und die Berge an vollen Bierkästen in den Hallen bestaunen.
Haizmann erklärte gemeinsam mit Betriebsleiter Moritz Krahl den Besuchern die Arbeitsabläufe in der Brauerei, und welche verschiedenen Hefesorten für welches Bier verwendet werden.
Haizmann hatte Kritik zu äußern
Die Gelegenheit, eine Bundesvorsitzende der Grünen im Haus zu haben, ließ sich Haizmann nicht entgehen. Gerade aus Unternehmer-Perspektive hatte er einige Kritikpunkte zu äußern.
So kritisierte er unter anderem die Pläne zur Reform der Erbschaftssteuer, laut denen Erben ab einem Firmenwert von fünf Millionen Euro Erbschaftssteuer zahlen sollen.
Dies sei eine Sache, die er „nicht ganz nachvollziehen“ könne, erklärte er. Allein für die Technik habe die Firma in den letzten Jahren zehn bis 15 Millionen Euro ausgegeben, habe privat allerdings lediglich „ein Motorrad und einen Gaul“.
Auch die Grenze für den Spitzensteuersatz müsse auf 80 000 Euro erhöht werden. Manche Facharbeiter seiner Firma müssten diesen bereits zahlen, erklärte Haizmann. Derzeit liegt die Grenze bei rund 69 000 Euro. Brantner entgegnete, sie sei sogar für eine Erhöhung der Grenze auf 100 000 Euro. Die Vorschläge zur Erbschaftssteuer seien jedoch von der SPD.
Klimaschutz und abgeschaltete Atomkraft
Der Klimaschutz sei für Haizmann auch ein sehr wichtiges Anliegen. Er verstehe er nicht, warum unter der „Ampelregierung“ funktionstüchtige Atomkraftwerke abgeschaltet und dafür Kohlekraftwerke wieder eingeschaltet worden seien.
Brantner antwortete darauf, dass die Kernkraftwerke so lange gelaufen lassen worden seien, wie es technisch erlaubt gewesen war.
Es seien außerdem nicht inaktive Kohlekraftwerke wieder eingeschaltet, sondern lediglich die Laufzeit noch laufender Werke verlängert worden, erklärte sie.
Trotz verschiedener Meinungen lobende Worte
Trotz der Meinungsverschiedenheiten gab es abschließend aber dennoch lobende Worte der Grünen-Abgeordneten.
„Die Art von Unternehmer, die Sie sind, werden wir in Zukunft schmerzlich vermissen“, fand Brantner. „Das ist noch die Generation, die angepackt hat.“ Trotz der Differenzen sei sie sich sicher, dass Konservative und Grüne auch in Zukunft erfolgreich gemeinsam im Landtag regieren können.