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«Die größten Verlierer» Corona-Krise: Jugendämter fordern mehr Rücksicht auf Kinder

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Gehört mittlerweile in den Klassenzimmer dazu: Die siebenjährige Bushra trägt eine Maske. Foto: Andreas Arnold/dpa Foto: dpa

Berlin - Die Jugendämter in Deutschland fordern, dass in der Corona-Krise deutlich mehr auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eingegangen wird.

Mit Blick auf ärmere Kinder müsse zudem die Kinder- und Jugendhilfe gestärkt werden, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAG), Lorenz Bahr, der dpa. Diese Kinder seien "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die größten Verlierer der Corona-Pandemie".

Bahr forderte ein Unterstützungsprogramm für die Jugendämter mit 5000 zusätzlichen Stellen. "Man müsste ähnlich wie bei der Lufthansa neun Milliarden Euro in die Jugendämter investieren." Diese hätten eine große Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft. "Sie sind die zentralen Ansprechpartner und Ohren nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für deren Familien."

Die Jugendämter fordern zudem ein Programm zur digitalen Ausstattung und Weiterbildung der Mitarbeiter, so wie das für die Schulen angeschoben wurde. "Wir leben in einer digitalen Welt, nutzen digitale Formen der Kommunikation und habe eine nicht-digitale Kinder- und Jugendhilfe", bemängelte der Leiter des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz, Heinz Müller.

Die 590 Jugendämter in Deutschland sind für viele verschiedene Dinge zuständig: Für Kitas und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, für das Elterngeld, für Beratungen bei Konflikten innerhalb von Familien, für den Unterhaltsvorschuss für Trennungskinder und - was wahrscheinlich am häufigsten mit dem Wort Jugendamt in Verbindung gebracht wird - für den Kinderschutz bei Vernachlässigung oder Gewalt.

Grundsätzlich kritisieren Vertreter der Jugendämter den Stil der Debatte in der Corona-Pandemie: Es werde darüber geschimpft, dass die Jugend Partys feiere, aber es werde nicht gesehen, dass ihnen ihre Alltagsräume genommen worden seien, sagte Birgit Zeller, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAG) und Leiterin des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz.

"Das war zunächst die Schule, aber das sind auch alle Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Die Kneipe, der Club, der Sportverein. All das, wo Gemeinschaft stattfindet, das entfällt und das ist etwas, das junge Menschen ganz anders trifft, als Erwachsene." In der weiteren Diskussion um Maßnahmen der Pandemiebekämpfung müsse das viel stärkere Berücksichtigung finden, sagte Zeller.

Bahr verwies darauf, dass durch Schließungen von Kitas und Schulen wichtige Tagesstrukturen für junge Menschen verloren gingen. Zudem sind die Auswirkungen der Pandemie nach Ansicht der Jugendamtsmitarbeiter und Experten allein schon wegen ihrer Dauer für Kinder und Jugendliche viel schwerwiegender als für Erwachsene. "Ein Jahr ist für die Entwicklung von Kindern etwas völlig anderes als ein Jahr im Erwachsenenleben", sagte Rainer Schwarz, Jugendamtsdirektor des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg für die Jugendämter in Berlin. "Kinder lernen jetzt, das Abstand halten, Kontaktbegrenzungen, Maske-Tragen, Distanzierung quasi normal sind", sagte Müller. Über die Folgen dieser neuen Normalität müsse man öffentlich diskutieren.

© dpa-infocom, dpa:201021-99-33006/3

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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