Die Goldene Sau von Kandern – ein kostbares Trinkgefäß Foto: Forstbezirk Kandern

Die Goldene Sau zählt zu den wertvollsten Trinkgefäßen in Baden. Auch Bürger Kanderns hatten in den vergangenen Jahrhunderten die seltene Gelegenheit, daraus trinken zu dürfen.

Das Fassungsvermögen dieses berühmten Keilers, der nach einer erfolgreichen Jagd von Georg Friedrich Markgraf von Baden (1573 bis 1638) im Jahr 1605 dem Forsthaus gestiftet wurde, beträgt knapp eineinhalb Liter. Diesen seltenen Trinkpokal aus feuervergoldetem Silber fertigte der renommierte Augsburger Gold- und Silberschmied Balthasar Lerff (um 1572 bis 1622) im Auftrag des Markgrafen.

 

Nimmt man dieser Sau den Kopf ab, kann man sie füllen, allerdings nur mit Markgräfler Wein. Etwas anderes soll sich seit über 420 Jahren nie in ihrem Körper befunden haben. Weniger bekannt, aber genauso interessant sind die amüsanten Einträge, die das zur Goldenen Sau gehörende Gästebuch enthält.

Der erste Eintrag stammt vom Stifter selbst und nimmt auf sein Jagdglück in Kandern Bezug. Für uns heute ein etwas holpriges Deutsch, aber der Markgraf schrieb 1605 folgendes hinein:

„Vi Virtute.

Als mir das waidwerck woll abgangen / Und ich ein gutes Schwein gefangen / auch ich mit fraiden kham zu Haus / Trank ich den willkhom erstlich aus. / Georg Friedrich von Baden“

Die aus dem Lateinischen stammenden Überschrift „Vi (et) Virtute“ wird häufig als Motto mit „Durch Stärke und Tugend“ übersetzt. Mit „willkhom“ bezeichnete der Markgraf die Goldene Sau in seinem Eintrag, weil als Willkommensgruß zum Empfang von Gästen im Forsthaus daraus getrunken wurde.

Der erste Eintrag im Gästebuch 1605 von Georg Friedrich Markgraf von Baden Foto: Bernhard Winterhalter

Wie sind die Worte „kham zu Haus“ zu verstehen? Es handelt sich um das Kanderner Forsthaus, das 1589 von diesem Markgrafen Georg Friedrich als sein Jagdschloss erbaut wurde, damit er selbst und seine illustren Gäste standesgemäß beherbergt werden konnten. Das stattliche Gebäude wird seither ununterbrochen für die Forstverwaltung im Forstbezirk Kandern genutzt.

Verse häufig in weinseliger Runde verfasst

Der Inhalt vieler nachfolgender Niederschriften über die jahrhundertelange Zeitspanne hinweg lässt darauf schließen, dass die Verse häufig in weinseliger Runde verfasst wurden, denn man durfte sich erst dann eintragen, wenn man die Sau zuvor selbst ausgetrunken hatte.

Dieses Buch hat auch für die Stadt Kandern einen historischen Wert. Besuchten Honoratioren oder Berühmtheiten den Ort und man wollte ihnen eine besondere Ehre erweisen, so wurden sie nicht im Rathaus begrüßt, sondern im Forsthaus, im ehemaligen Jagdschloss der Markgrafen mit der Goldenen Sau empfangen. Ein entsprechender Eintrag im besagten Gästebuch durfte natürlich nicht fehlen und war für die hochgeschätzten Besucher eine Verpflichtung.

Das ehemalige Jagdschloss, Heimat der Goldenen Sau Foto: Bernhard Winterhalter

Auf diese Weise erfährt man, dass zum Beispiel Markgrafen und Großherzöge sich wiederholt in Kandern aufhielten und auch viele Mitglieder des Hochadels der vergangenen Jahrhunderte immer wieder begrüßt werden konnten. Heute noch bereiten die humorvollen Aufzeichnungen beim Lesen Vergnügen, vor allem dann, wenn versucht wurde, die Zeilen in Reimform zu fassen.

Ein Soldat namens Schmitt vom Arenberg‘schen Regiment schrieb 1725 bei seinem Aufenthalt im Forsthaus ins Gästebuch:

„Diese Sau wär mir lieber als meine Frau“.

Ein kurzer Satz, der sich reimt, der aber seiner Ehegattin wohl weniger gefallen haben dürfte.

Von einem Bezirksförster Dengler stammen aus dem Jahr 1844 die zutreffenden Zeilen:

„O du Sau, der Schweine Blüthe, / Du erfreuest mein Gemüthe / Doch am End machst Du mich toll, / Denn wirst du leer, so werd ich voll.“

Der Erwerb des Forsthauses durch die Stadt

Als im Jahr 2010 im Zuge der Verwaltungsreform die Landesregierung das Forsthaus zum Kauf anbot, gelang es, das Anwesen mit der Hoffläche und allem Zubehör inklusiv der beweglichen Gegenstände für die Stadt zu retten beziehungsweise kaufen. Zu den im Vertrag genannten beweglichen Gegenständen zählten im rechtlichen Sinn auch diese kostbaren Gegenstände, die Goldene Sau und das dazu gehörende Gästebuch.

Als Bürgermeister hatte der Autor dieser Zeilen Vollmacht zum Verhandeln und Erwerben. Nachdem alles entschieden war, trank auch er traditionsgemäß aus der Goldenen Sau Markgräfler Wein und trug danach im Gästebuch folgendes ein:

„Immer zum Nutzen, nie zum Schaden / hat Markgraf Georg Friedrich von Baden / dieses forstliche Haus erbaut / und dabei dankbar auf Kandern geschaut. / In Wälder und in Auen / jagte er nach Sauen. / Das Jagdglück war ihm damals hold, / seither wohnt hier die Sau aus Gold. / Doch verkaufen wollte unser Land / Haus, Hof und Sau. Allerhand! / Damit ’s so bleibt wie’s immer war, / erwarb alles die Stadt in diesem Jahr. / Welch ein Glück, so ist’s gescheh’n / anno domini zweitausendzehn.“

Das Stadtrechtsjubiläum mit dem Markgrafen

Im gleichen Jahr folgten zu den Feierlichkeiten anlässlich des 200. Stadtrechtsjubiläums Max Markgraf von Baden und seine Gattin Valerie Markgräfin von Baden, Prinzessin von Österreich (Urenkelin der Kaiserin Sisi), der Einladung der Stadt Kandern und wurden im Kanderner Forsthaus mit Jagdhornbläsern begrüßt.

Der alten Tradition folgend und als Repräsentanten des Hauses Baden tranken die Hoheiten aus der Goldenen Sau und trugen sich ins Gästebuch ein.

Lieber aus der Sau als aus dem Glas getrunken

Im Hinblick auf die hygienischen Gegebenheiten wurde seinerzeit dem Markgrafen angeboten, dass er auch aus einem Glas trinken könne, worauf er antwortete: „Die Sau wäre ja beleidigt, wenn ich nicht aus ihr trinken würde.“

Das Original der Goldenen Sau steht seit 1983 als Leihgabe in einer gut gesicherten Vitrine im Landesmuseum Karlsruhe. Schon der Versicherungswert bewegt sich in einem beträchtlichen sechsstelligen Bereich. Es war viel zu riskant, diese sehr wertvolle Goldschmiedearbeit im Forsthaus zu belassen. Kandern hat dafür aber zwei täuschend echte Duplikate bekommen, eines für das Forsthaus, das andere steht im Heimatmuseum.

Die beiden ebenfalls vergoldeten Exponate sind vom Original nicht zu unterscheiden und was für die Kanderner ganz wichtig ist: Man kann daraus Markgräfler Wein trinken, wie vor über 420 Jahren schon.