Sind sich sicher, dass das Haus des Jugendrechts in Lahr ein Erfolg wird (von links): Polizeipräsident Jürgen Rieger, Landrat Thorsten Erny, Oberstaatsanwältin Iris Janke, OB Markus Ibert und Justizministerin Marion Gentges. Foto: Köhler

Die Schillerstraße 16 ist das neue Zentrum für den Kampf gegen Jugendkriminalität in Lahr: Die Behörden arbeiten eng zusammen, um kriminelle Karrieren zu stoppen, bevor sie richtig losgehen. Bei der Eröffnung wurde deutlich: Die Erfolgserwartung ist groß.

Die Fassade ist frisch gestrichen, die Räume auf der ersten Etage der Schillerstraße 16 sind hell und wirken einladend. So freundlich die Atmosphäre auch ist, so ernst wird es für Jugendliche, die hier landen: Haben sie etwas angestellt, folgt die Strafe auf dem Fuße.

 

Das Lahrer Haus des Jugendrechts, die 13. Einrichtung dieser Art in Baden-Württemberg, hat am Montag seinen Betrieb aufgenommen. Neun Mitarbeiter – ein Staatsanwalt, vier Polizisten, ein Vertreter der Ortenauer Jugendhilfe, eine Vertreterin der Stadt Lahr sowie zwei Geschäftsstellenmitarbeiter – sind hier auf 350 Quadratmetern untergebracht. Bei der Eröffnungsfeier war freilich viel mehr los. Die Zahl der – teils hochrangigen – Vertreter von Staatsanwaltschaft, Polizei, Stadt, Gemeinderat und Ortenaukreis zeigte, wie überzeugt die Träger vom Konzept sind und welch große Hoffnungen sie in die, nach Offenburg, zweite Einrichtung im Kreis setzen.

Strafverfahren werden von Zimmer zu Zimmer bearbeitet

Iris Janke, leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Offenburg, fasste bei ihrer Begrüßungsrede die Idee zusammen. „Hier werden Jugendstrafverfahren nicht von Amt zu Amt, sondern von Zimmer zu Zimmer bearbeitet.“ Sie freute sich, dass „alle Institutionen“, das heißt Stadt, Polizei, Staatsanwaltschaft und Ortenaukreis, „an einem Strang“ gezogen hätten, um diese Einrichtung zu ermöglichen.

Von einer „besondere Freude“, bei der Eröffnung des Haus des Jugendrechts in Lahr dabei zu sein, sprach Justizministerin Marion Gentges, zugleich CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Lahr. Sie blickte zunächst zurück: Als 2020 in Offenburg die erste Einrichtung im Kreis startete, war die Arbeit durch die Corona-Pandemie nur eingeschränkt möglich. Dennoch wurde daraus ein „Erfolgsprojekt“, das man in der Ortenau ausweiten wollte. Nach Lahr soll auch Kehl im kommenden Jahr ein Haus des Jugendrechts erhalten.

Hilfsangebote für Straftäter

Woher der Erfolg komme? Gentges sprach von einem „verblüffend einfachen“ Konzept: „Wir wollen jugendliche Straftäter von weiteren Taten abhalten. Wir wollen kriminelle Karrieren beenden, bevor sie beginnen“. Das geschehe durch „schnelle und konsequente“ sowie individuell passende Sanktionierung – eben möglich durch den direkten Austausch der Behörden. Dazu werde auch der Erziehungsgedanke umgesetzt, indem es Hilfsangebote für ein straffreies Leben geben werde. Zu den erzieherischen Maßnahmen zählen Arbeitsstunden, Gespräche mit der Drogenberatung, die Mitwirkung an einem Täter-Opfer-Ausgleich oder die Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs.

Zahlen, die den Erfolg belegen sollen, hatte Gentges gleich mitgebracht: In Frankfurt seien 70 Prozent jugendlicher Straftäter ohne Anbindung an ein Haus des Jugendrechts wieder straffällig geworden. Bei einer Vergleichsgruppe mit einer solchen Anbindung seien es nur 41 Prozent gewesen.

Landrat Thorsten Erny, der für die Jugendhilfe des Kreises sprach, freute sich über die „Pole Position“ im Land, die der Ortenaukreis einnehme – und ausbaue. Nirgendwo sonst gibt es nämlich einen Landgerichtsbezirk mit zwei – und ab 2026 sogar drei – Häusern des Jugendrechts. Erny betonte die Bedeutung einer Ressourcenbündelung in Zeiten des Fachkräftemangels. Es sei eine Stärke des Ortenaukreises, Brücken zwischen Behörden zu bauen.

Wer sich einen Fehltritt geleistet hat, soll eine neue Chance erhalten

Oberbürgermeister Markus Ibert, der nach eigenen Angaben vor vier Jahren erstmals mit Gentges über die Option eines Haus des Jugendrechts in Lahr gesprochen hat, hätte es sich „gewünscht, dass es schneller geht“, kam jedoch zu dem Schluss, dass die Zeit gut genutzt worden sei. Er hob den Präventionsgedanken hervor und dass es darum gehe, „die Menschen zu finden und in den Mittelpunkt zu stellen“. Die Einrichtung eröffne „Chancen für Jugendliche, die sich einen Fehltritt geleistet haben“, schloss sich Polizeipräsident Jürgen Rieger an. Er wünsche sich, dass die Jugendkriminalität in der Ortenau weiter zurückgehe. „Der Schlüssel dafür ist konsequentes Handeln.“

Im Anschluss an die Grußworte führten die Verantwortlichen die Gäste durch die Räumlichkeiten, die im Besitz der Sparkasse sind und nun vom Land gemietet wurden. Umgebaut wurden sie durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Die Büros der Mitarbeiter sind großzügig ausgestattet, auch moderne Vernehmungstechnik ist installiert.

Die Büros sind schick eingerichtet. Eines sogar mit Bildern aus der Marktstraße und vom Storchenturm. Foto: Köhler

Nach einem Eintrag ins Gästebuch stießen die Verantwortlichen auf die Eröffnung an – allerdings alkoholfrei. „Wir wollen ja ein Vorbild sein“, so Oberstaatsanwältin Janke.

Weitere Einrichtungen

Das Lahrer Haus des Jugendrechts, verantwortlich für Straftäter bis 21 Jahre in Lahr, Seelbach, Schuttertal, Friesenheim und Kippenheim, ist das 13. im Land. Im kommenden Jahr sollen es 18 sein: Einrichtungen sind in Ravensburg, Freiburg, Ludwigsburg, Tübingen und Kehl geplant, so Justizministerin Marion Gentges.