Umweltberater Gerhard Bronner sitzt an seinem Schreibtisch im Umweltbüro des Gemeindeverwaltungsverbands Donaueschingen – noch, denn die Zeit dort geht zu Ende. Foto: Bernhard Lutz

Nach 35 Jahren als Umweltberater naht für Gerhard Bronner der Ruhestand – er blickt auf eine Karriere voller Leidenschaft, Pioniergeist und grüner Erfolge zurück.

Gerhard Bronner freut sich auf den nahenden Ruhestand. Wie er da im Umweltbüro bei den Donaueschinger Donauhallen sitzt, sieht man ihm seine 66 Lebensjahre nicht an. Er wirkt wesentlich jünger.

 

35 Jahre lang war er Umweltberater – zunächst für den Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen mit Hüfingen und Bräunlingen, später auch für die Stadt Bad Dürrheim. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand, seine Nachfolgerin wird die Hüfinger Bauingenieurin Wiltrud Siegfried.

Als Bronner im Jahr 1990 seine Stelle antrat, herrschte Aufbruchstimmung. „Es war eine Phase, in der viele Kommunen mit Umweltberatung anfingen“, sagt Gerhard Bronner. „Die Gemeinden haben erkannt, dass sie auch wichtige Akteure im Umweltbereich sind.“ Und sie haben nach seiner Einschätzung einiges erreicht. „Vieles, was zu Beginn der 1990er-Jahre freiwillig war, ist heute gesetzliche Pflicht“, sagt Bronner – zum Beispiel Energiemanagement, Gewässerentwicklung und Biotopvernetzung.

Wie sich das auszahlt

Themen, die der Stadt selbst wieder zugutekommen – auch finanziell. Bronner nennt ein Beispiel: Im Jahr 2024 bezahlte Donaueschingen für Heizung und Strom in den städtischen Gebäuden 2,2 Millionen Euro. „Wenn diese Gebäude heute noch auf dem Stand von 1990 wären, hätte die Stadt allein im Vorjahr 900 000 Euro mehr bezahlen müssen.“ Doch die Bereitschaft, sich über die Pflicht hinaus auch freiwillig zu engagieren, habe in der Kommunalpolitik nachgelassen, wie er feststellt.

Ein Bild aus dem Jahr 2012: Gerhard Bronner (rechts) und Bundesfreiwilligendienstler Fabian Weißhaar präsentieren den vom Umweltbüro neu entwickelten Demonstrationskasten zum Treibhauseffekt auf dem Naturparkmarkt in Hüfingen. (Archivfoto) Foto: Gabi Lendle

2025 wurden zwei längerfristige Großprojekte abgeschlossen: die Wärmeplanung und die Biotopverbundplanung. Bei der Wärmeplanung geht es darum, zu zeigen, wie die gesamte Stadt Donaueschingen bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden kann. „Es betrifft nicht nur die städtischen Gebäude, sondern alle“, sagt Bronner. Die Stadt kann dabei aber nur Planungsgrundlagen schaffen und Projekte initiieren. „Da die Stadt keine Stadtwerke hat, kann sie nicht selbst Nahwärmenetze aufbauen, sondern muss Investoren finden.“

Bronner war stets engagiert, seine umsichtige Arbeitsweise sprach sich herum. Als der Umweltberater der Stadt Bad Dürrheim 2014 zur Evangelischen Landeskirche wechselte, fragte die Kurstadt in Donaueschingen an, ob das dortige Umweltbüro Bad Dürrheim mit übernehmen könnte. Gerhard Bronner sagte zu, sofern er mehr Stellen bekäme – diese wurden ihm gewährt. Inzwischen hat das Umweltbüro 3,3 Vollzeitstellen und zwei Freiwilligenstellen.

Flüsse werden wieder Lebensadern

Mit Freude blickt Bronner auf die Gewässerentwicklung und Renaturierung. „Es ist gelungen, aus einigen Flüssen wieder Lebensadern zu machen, nachdem sie lange Zeit eher Kanäle waren.“ Ein Beispiel in Donaueschingen sei der Wolfsbach, in Hüfingen-Sumpfohren der Dorfbach Ottengraben, in Bräunlingen der Brändbach und in Bad Dürrheim die Kötach. Für die große Umgestaltung von Breg und Donau sowie das Verlegen des Mündungsbereichs mit der Brigach sei indes das Land Baden-Württemberg zuständig.

Ein zentrales Anliegen des Umweltberaters war das Schaffen von Lebensräumen in der Natur und das Verbinden dieser Biotope miteinander. Sofern sich bei einzelnen Projekten auch Landwirte beteiligen konnten, unterstützte der Landschaftserhaltungsverband die Planung durch Verträge mit den Landwirten.

Geteiltes Wissen

Sein Wissen gab der Umweltberater vielfältig weiter – den Kommunen und Gemeinderäten, ganz besonders in Naturerlebnisgruppen für Grundschulkinder, für die er Wanderungen in der Gauchachschlucht oder den Besuch von Bauernhöfen organisierte. Eine Daueraufgabe sei die Innenentwicklung, sprich: Wohn- und Arbeitsplätze innerhalb des bereits besiedelten Bereichs zu schaffen. Hier sei Bad Dürrheim ein Vorbild. „Das dortige Engagement würde ich mir auf der gesamten Baar wünschen“, betont Bronner.

Dies habe er in Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen nicht bewirken können – dass sich die Städte nicht so in der Fläche ausdehnen. Kritisch sieht er auch die Entwicklung beim Thema Biogas. Ab den 2000er-Jahren sei zunehmend für Biogas überwiegend Mais und Gras angebaut worden, was der Biodiversität geschadet habe. „Sprich, die Wiesen sind viel mehr gedüngt worden und haben wesentlich weniger Arten.“

Die Arbeit habe ihm Spaß gemacht, sagt Gerhard Bronner. Er habe immer versucht, die Menschen und Gremien zu überzeugen. „Umweltschutz fängt bei jedem Einzelnen an.“ Für ihn ergebe es keinen Sinn, wenn ein städtisches Amt ein eigenes Auto vorhält, das dann nicht ausgelastet wird und im Jahr nur 5000 Kilometer fährt. Das gelte auch für Privatpersonen.

Was er jetzt plant

Dem Umweltschutz bleibt Gerhard Bronner auch nach Ende seiner jetzigen Tätigkeit treu. Dann wird er sich noch intensiver um den Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg kümmern, dessen Vorsitzender er seit zehn Jahren ist.

Und er will noch viel mehr raus in die Natur als bisher: Wandern, Radfahren, Bergsteigen, Skilanglauf und Skitouren sind seine Hobbys – alles in der Natur, in der Umwelt eben.

Zur Person

Gerhard Bronner (66)
wuchs in Kirchheim/Teck auf. In Tübingen und Freiburg studierte er Biologie. Nach dem Studium promovierte er über das Thema „Vegetation und Landnutzung in Nordkenia“. Nach einigen kleineren Aufträgen wurde er 1990 Umweltberater für den Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen mit den drei Gemeinden Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen. Seit 2014 betreut er auch die Stadt Bad Dürrheim mit. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands. Er ist verheiratet mit der Donaueschinger Grünen-Stadträtin Annie Bronner.