Obwohl das Fest zum 60-jährigen Hochzeitstag wegen der Ansteckungsgefahr verschoben werden muss, freuen sich Hannelore und Jens Hagemann über ihr Jubiläum. Foto: Kienzler Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Hannelore und Jens Hagemann feiern an diesem Donnerstag ihre Diamantene Hochzeit

Triberg. Am 29. April 1961 heirateten Hannelore Dold und Jens Hagemann in der Triberger Wallfahrtskirche "Maria in der Tanne". Bei der Trauung assistierte dem glücklichen Brautpaar der damalige Vikar Heinrich Herp.

"Das Fest der Diamantenen Hochzeit kann heute aber nur im kleinsten Kreis gefeiert werden", wie das Jubelpaar betont. Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, soll es nachgeholt werden. Gratulieren können jedoch auf jeden Fall die beiden Töchter und der Sohn mit ihren Ehepartnern sowie die drei Enkelkinder im Alter von 18 bis 24 Jahren, und auch die Geschwister des Jubelpaares mit ihren Familien.

Vater stirbt früh

Weil Hannelore und Jens Hagemann zur Kriegs-Generation gehören, haben beide eine tragische Kindheit hinter sich. Die Jubilarin wurde in Triberg geboren und kann sich kaum an ihren Vater erinnern, denn er war im Krieg und kam im März 1945 ums Leben. Der Metzgermeister Wilhelm Dold hinterließ seiner Witwe Klara vier Kinder im Alter zwischen drei und neun Jahren. Die Familie wohnte damals in der Gaststätte Zur Höhle in der Schwendistraße, die der Vater gepachtet hatte. Jetzt musste sich die bisherige Wirtin eine Arbeit als Putzfrau suchen und im Gasthaus wurden Soldaten aus Marokko einquartiert, wie sich die Jubilarin erinnert. Später zog die Familie um und die frühere Gaststätte heißt heute "Restaurant zum Häusle", ist aber seit einiger Zeit außer Betrieb.

Verkäuferin bei Flaig

Nach der Volksschule besuchte Hannelore Dold die Haushaltungsschule der Ursulinen-Ordensfrauen in Villingen und begann mit 16 Jahren ihre Tätigkeit als Verkäuferin im Handarbeitsgeschäft Flaig in der Gartenstraße in Triberg. "Ich wohnte dort und kochte auch für die beiden ledigen Frauen, denen das Haus gehörte", erzählt die Jubilarin. Später wurde sie von ihren zufriedenen Arbeitgeberinnen adoptiert und erbte nach deren Tod auch das Haus samt dem Wolle-Geschäft, das sie bis zum Renteneintritt weiterführte.

Schwer betroffen

Noch viel schlimmer war Jens Hagemann vom Krieg betroffen. Er wurde in Hamburg geboren und wuchs mit seinem Bruder Ernst auf. In einer einzigen Nacht verloren die Kinder ihre Eltern und später kamen sie sogar ins Waisenhaus. Auf die Frage unserer Zeitung, was passiert sei, berichtet der Jubilar von den Bombennächten in seiner Heimatstadt im Juli 1943. Seine Mutter wollte die beiden Grundschulkinder vor der Bombardierung in Sicherheit bringen und fuhr mit ihnen im Zug zu ihren Eltern, die 60 Kilometer entfernt in Schleswig-Holstein wohnten.

Eigentlich wollte sie dort auch eine Zeit lang bleiben, doch sie hatte ihre Dokumente und Papiere vergessen und fuhr darum gleich wieder nach Hamburg zurück. Das war ihr Todesurteil, denn in der kommenden Nacht wurde Hamburg dem Erdboden gleich gemacht.

Tausende von Menschen kamen im Feuersturm um, während Jens und Ernst Hagemann Waisenkinder wurden. Zunächst konnten sie bei den Großeltern bleiben, aber als die Oma erkrankte, kamen die beiden ins Waisenhaus. Als Jens Hagemann 1957 volljährig wurde und das Waisenhaus verlassen konnte, suchte er eine Lehrstelle und entdeckte sie in der Schleswig-Holsteiner-Zeitung. Dort suchte der Triberger Geschäftsmann Fridolin Knödler per Inserat Lehrlinge für sein Malergeschäft. Auf diese Weise kam Hagemann in die Wasserfallstadt, wo er nach seiner Ausbildung jahrzehntelang als Maler und Lackierer bis zum Renteneintritt tätig war.

Kennenlernen

In seiner Freizeit besuchte der Malerlehrling auch Tanz-Veranstaltungen für junge Leute. "In der Unterstadt lernten wir uns kennen", freut sich die Jubilarin. Als sie beim Tanzen dem jungen Mann aus Norddeutschland zu tief in die Augen blickte, verliebten sich beide und trafen sich von da an regelmäßig. Damals war Hannelore Dold 18 Jahre jung, aber sie wollte erst als Volljährige heiraten, wenn sie keine Unterschrift mehr brauchte. "Am 23. März 1961 wurde ich volljährig und am 29. April haben wir geheiratet", berichtet sie.

Ehrenamtlich engagiert

Beide Eheleute waren berufstätig und auch die drei Kinder brauchten die Eltern. Trotzdem engagierten sie sich in ihrer knappen Freizeit noch für andere. Jens Hagemann war länger als 50 Jahre bei der Feuerwehr und auch in der katholischen Kirche arbeitete er ehrenamtlich mit. Zweimal ließ er sich für jeweils fünf Jahre in den Pfarrgemeinderat wählen und drei Jahrzehnte wirkte er bei den Gottesdiensten in der Stadtkirche als Lektor und Kommunionhelfer mit.

Seine Frau Hannelore trat bereits vor 59 Jahren in den katholischen Frauenbund von Triberg ein und ist seit Jahrzehnten Mitglied im Vorstandsteam. Seit einigen Jahren ist sie dort auch als Schriftführerin tätig. Im Turnverein ist sie ebenfalls, doch derzeit gibt es wegen der Pandemie keine Treffen, wie sie bedauert.

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