Ursula Franzki war 14 Jahre alt, als sie ihrem Schwarm Ernst einen Streich spielte. Sie wollte seine Aufmerksamkeit. Die hatte sie längst, ohne es zu wissen. Nun feiert das Paar nach 60 Ehejahren die diamantene Hochzeit.
„Ich wollte seine Aufmerksamkeit“, bekennt Ursula Franzki und lächelt ihren Mann Ernst verschmitzt an. „Aber das hat nicht geklappt.“
„Ich hab ja nicht gewusst, wer das war“, kontert der 90-jährige Ehejubilar den jugendlichen Streich seiner Gattin. Und zieht nach: Das Mädchen war ihm schon aufgefallen, beim Singen im Kirchenchor oder bei der Gartenarbeit, wenn Ursula am Lehrerhaus bei der Sichelschule vorbei ging.
Beide entschieden sich für den Lehrerberuf. Ernst Franzki hatte Mathematik studiert, war Studiendirektor am Gymnasium Ebingen. Ursula Franzki war als Sonderpädagogin nach Tailfingen abgeordnet. Der Arbeitsweg mit dem Zug war der selbe – und eines Morgens kamen die beiden sich näher.
Das ist das Rezept für ihre lange Ehe
Das war 1962, geheiratet wurde zwei Jahre später in der Friedhofkirche Balingen. „Der Tag war ausgefüllt vor lauter Aufregung“, erinnert sich die Diamant-Braut.
Die Diamant-Hochzeit wird die vierte Hochzeit für die beiden – und zwar miteinander. Da sie nicht wussten, ob sie die goldene Hochzeit erleben, traten sie zum 40. Hochzeitstag zum zweiten Mal vor den Altar. Dann erneut zum 50. und nun steht das Jahr an, in dem die beiden seit 60 Jahre ein Ehepaar sind.
Ob sie ein Rezept haben für solch eine lange Ehe? „Man muss sich vertrauen und immer wieder versöhnen“, sagt Ursula Franzki. „Man sollte nicht Tage lang streiten.“ Was sagt Ernst Franzki über das Geheimnis der langen Ehe? „Ich hatte die Beste, ganz einfach.“
Das ist das Sehnsuchtsland des Paares
Immer wieder tauschen die beiden im Gespräch mit unserer Redaktion liebevolle Blicke aus, berühren sich sanft und halten Händchen. Sie lachen viel und haben Humor.
Eine große Leidenschaft des Jubelpaares: Frankreich. Beide sprechen fließend französisch und haben in den Ferien nach und nach das ganze Nachbarland bereist. „Aus Europa heraus gekommen sind wir nie“, berichten die Franzkis.
Zwei Kinder haben sie und drei Enkel. Eine Enkeltochter heiratet bald. „Urenkel wären schön“, meint Ursula Franzki und ihre Augen blitzen.
Das ist das gemeinsame Hobby
Lesen und Vorlesen ist das gemeinsame Hobby des Paares. Die Bücherregale im Wohnzimmer sind gut gefüllt mit anspruchsvoller Literatur. Ernst Franzki hat vor mehr als 60 Jahren angefangen, im Kirchenchor zu singen – damals noch unter dem Dirigat des Vaters des langjährigen Leiters Gerhard Rehm.
Eigentlich wollte Ursula Franzki studieren. Sie hatte schon das große Latinum gelernt. „Das brauchte man damals noch für Medizin.“ Daraus wurde nichts. „Aber das war in Ordnung, ich habe gemerkt, dass die Kinder an der Förderschule mich brauchen.“
Das ist das gemeinsame Studienfach als Pensionäre
An die Uni geschafft hat sie es dennoch – nach der Pensionierung waren die Franzkis Gasthörer in Tübingen. Für Kunstgeschichte hatten sie sich eingeschrieben. „Besonders interessiert hat uns die Frühromantik“, erzählt Ernst Franzki, womit sich wieder der Kreis nach Frankreich schließt. Bei ihren Reisen konnten die Balinger viel mehr über die Schlösser und Burgen erfahren, als andere Touristen.
Den Ehrentag verbringen die Eheleute zu zweit. Am Abend kommt ein Sohn, die anderen aus der Familie reisen am Samstag an. Dann gibt es Kaffee und Kuchen, am Abend geht die Familie essen. Wohin? Das wollen sie nicht verraten – aber vielleicht ist das auch eines der Geheimnisse einer so langen Ehe: gemeinsame Geheimnisse haben.